Erkelenz: Mönchengladbach setzt Deutsche Bahn unter Druck

Erkelenz: Mönchengladbach setzt Deutsche Bahn unter Druck

Oberbürgermeister prangert den desolaten Zustand des Gladbacher Hauptbahnhofs in einem Brandbrief an.

Die Stadt will wachsen. Zum Beispiel in der City Ost. Mehr als 1500 Wohnungen sind dort geplant, ein Investor steht längst bereit, am Bebauungsplan wird gearbeitet. Wenn aber potenzielle Wohnungsinteressenten heute das Umfeld erkunden und deshalb durch den benachbarten Hauptbahnhof gehen würden, wäre eher unwahrscheinlich, dass sie am Wohnstandort Mönchengladbach festhielten. Der Hauptbahnhof ist in einem entsetzlichen Zustand: unter anderem ohne Eingangstüren, mit dreckigen, verschmierten Wänden, mit einem undefinierbaren Gittereinsatz unter der offenen Decke und einer fehlenden Fahrgastinformationsanzeige.

"Für den Zustand des Hauptbahnhofs mit seinem historisch, stadtbildprägenden Gebäude schäme ich mich - gegenüber Bürgerinnen und Bürgern, gegenüber Reisenden und Pendlern" - dies schrieb Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners jetzt dem Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bahn AG, Richard Lutz. Der OB kritisiert nicht nur den desolaten Zustand des Bahnhofs, sondern auch die mangelhafte Kommunikation der Bahn. Seinen Brief haben die Bundestagsabgeordneten Günter Krings (CDU) und Gülistan Yüksel (SPD) sowie die Landtagsabgeordneten Frank Boss, Jochen Klenner (beide CDU), Hans-Willi Körfges (SPD) und Andreas Terhaag (FDP) unterzeichnet.

Mit seinem Schreiben reiht sich Reiners in die Klagen ein, die bereits sein Vorgänger Norbert Bude an die Bahn gerichtet hat. Das hat Reiners gegenüber Bahnvorstand Lutz deutlich gemacht. "Die Thematik der Sanierung des Empfangsgebäudes des Hauptbahnhofs füllt hier in der Stadtverwaltung Ordner mit negativen Pressemeldungen." Und er listet auf, wie oft die Bahn in der jüngeren Vergangenheit angekündigt hatte, das große Eingangsgebäude endlich in einem vorzeigbaren Zustand zu präsentieren: 2014 war es so, ehe die Arbeiten auf 2016 verschoben wurden. Diesen Termin hielt die Bahn auch nicht, verkündete aber im August vergangenen Jahres, dass es im September 2017 weitergehen solle. Das passierte auch - allerdings ließ die Bahn nur abreißen, um sich dann wieder zurückzuziehen.

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Und wer sich noch daran erinnert: Eigentlich wollte die Bahn bereits 2006 zur Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland den Mönchengladbacher Hauptbahnhof sanieren. Als "zeitliche Posse der Untätigkeit" bezeichnet dies Reiners und macht deutlich, dass die Deutsche Bahn nicht einmal auf direktem Wege die Stadt darüber informiert, wenn sie die Arbeiten einmal mehr verschiebt: "Diese Ignoranz ist einfach stillos."

Reiners erinnert Lutz daran, dass der Hauptbahnhof bei der Deutschen Bahn in die Bahnhofskategorie 2 eingeordnet werde. Dies bedeute für die Bahn selbst: Die 87 Bahnhöfe dieser Kategorie seien häufig wichtige Zustiegspunkte für den Fernverkehr oder Schnittstellen zu den großen Flughäfen und Hauptbahnhöfen größerer Städte. Alle infrastrukturellen Einrichtungen sowie Dienstleistungen rund um die Bahnreise, so die Bahn, seien vorhanden, Ausstattung und Service dieser Bahnhöfe hätten ein ähnlich hohes Niveau wie an Bahnhöfen der Kategorie 1. Der OB stellte angesichts der tatsächlichen Situation fest: "Der Zustand ist als erbärmlich und der 26. größten Stadt der Bundesrepublik als völlig unangemessen zu bezeichnen."

Reiners will die Situation auch beim Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) ansprechen. Er ist Vorsitzender des VRR-Verwaltungsrates. "Ich bin gespannt auf die Antwort von Herrn Lutz. Ich werde mich nicht abspeisen lassen", verspricht er.

(biber)