Erkelenz: Mit Fusion den Schulstandort stärken

Erkelenz : Mit Fusion den Schulstandort stärken

Kinder mit und ohne Behinderung sollen in NRW künftig möglichst gemeinsam zur Schule gehen. Erkelenz stößt jetzt die Diskussion an und schlägt ein Modell vor, das die Kompetenzen der Pestalozzischule und der Hauptschule bündelt.

Die Pestalozzischule, die als Förderschule den Schwerpunkt auf das Lernen legt, könnte bald formell unter das Dach der Erkelenzer Hauptschule schlüpfen – die Angebote beider Schulen sollen dabei jedoch erhalten und womöglich ausgebaut werden. Donnerstag möchte die Stadt Erkelenz die politische Beratung im Schulausschuss beginnen und, wenn sie dort Zustimmung bekommt, die Beratung auf die Schulgremien ausweiten.

In Zukunft sollen Kinder mit und ohne Behinderung in Nordrhein-Westfalen, sofern ihre Familien das wünschen, gemeinsam zur Schule gehen. Voraussichtlich zum Schuljahr 2014/15 soll die UN-Behindertenkonvention der inklusiven Bildung und Erziehung im Schulgesetz für allgemeine Schulen als Regelfall verankert werden. Zugleich beabsichtigt das Land, die Verordnung über die Mindestgrößen der Förderschulen zu ändern. Schulen, die wie die Erkelenzer Pestalozzischule das Lernen fördern, müssten demnach von 144 und mehr Schülern besucht werden (in diesem Schuljahr sind es 135). Vor dem Hintergrund dieser beiden Landesgesetze, die in Düsseldorf verhandelt werden, schlägt Erkelenz einen Umbau der Schullandschaft vor.

Denn: Die Umsetzung der UN-Konvention zur Inklusion wird kommen, was die Schülerzahl an Förderschulen sinken lässt. Und: Sobald das Land die Neuregelungen zur Schulgröße trifft, würde das bedeuten, die Pestalozzischule entweder zum Ende des Schuljahres zu schließen oder den Betrieb jahrgangsweise auslaufen zu lassen. So weit aber will es die Stadt als Trägerin der Pestalozzischule nicht kommen lassen. "Es muss uns als Schulstadt darum gehen, die sehr gute Arbeit der Pestalozzischule zu erhalten", erklärt Dr. Hans-Heiner Gotzen, Erster Beigeordneter der Stadt, im Gespräch mit der RP. "Wir wollen die Kompetenz und Erfahrung für uns in Erkelenz fruchtbar erhalten." Unter diesen Vorgaben haben sich die Stadt, die Leiterin der Pestalozzischule, Marianne Schardt, sowie Erich Konietzka, Leiter der Hauptschule, zusammengesetzt, um nach einer Lösung zu suchen.

"Wir haben ein Modell für die Erkelenzer Schüler, das wir vorschlagen möchten, nun weiter auszuarbeiten", berichtet Gotzen nach einem weiteren Gespräch mit den Schulleitern am Ende der vergangenen Woche. Formell könnte zum nächsten Schuljahr die Förderschule aufgelöst werden, und die Hauptschule würde in eine Schwerpunktschule umwandelt. "In der Realität würde das heißen, dass die bisherige Arbeit der Pestalozzischule in die Arbeit der Hauptschule einfließt." Die Hauptschule würde aber nicht nur deren Förderschwerpunkt des Lernens übernehmen, sondern vielmehr möchte Erkelenz ihr "neue Förderschwerpunkte erschließen, wie die emotionale und soziale Entwicklung, das Hören und das Sehen", erläutert Gotzen.

Somit würde die Hauptschule gestärkt, die Förderung für einzelne Schüler anbietet, diese in Zukunft ausdehnen könnte. Gotzen spricht von "einer Kernkompetenz" der Hauptschule, die durch einen Zusammenschluss der bisherigen Angebote von Haupt- und Förderschule ausgebaut werden könnte. "Wir haben die hervorragende Situation, dass wir zwei Schulleiter haben, die seit Jahren wunderbar zusammenarbeiten", betont Gotzen – darauf könne Erkelenz aufbauen, entsprechend sei auch ein gemeinsames Schulleiterteam wünschenswert, "weil beide Kompetenzen benötigt werden". Schulgebäude und auch das Kollegium der Pestalozzischule sollen bestehen bleiben.

Ziel der Stadt als Trägerin von beiden Schulen ist es, jetzt zu beraten, um für die Verabschiedung der Gesetze vorbereitet zu sein: "Wir sind eine Schulstadt. Und das bedeutet, dass wir ein hohes Interesse haben, für alle Schüler möglichst alle denkbaren Angebote vorzuhalten."

(RP)
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