1. NRW
  2. Städte
  3. Erkelenz

Erkelenzer bei „meet & eat“: Mit dem Bischof am Küchentisch

Erkelenzer bei „meet & eat“ : Mit dem Bischof am Küchentisch

Welche Wege sollte die Kirche in Zukunft einschlagen? Beim "meet & eat" des Bistums Aachen im Cusanus-Gymnasium kamen Oberstufenschüler darüber mit Weihbischof Karl Borsch ins Gespräch.

Wie wäre es wohl, mit dem Weihbischof ein Tischgespräch zu führen? 16 Oberstufenschüler aus den Jahrgangsstufen EPH und Q1 des Cusanus-Gymnasiums Erkelenz bekamen in der Aktionsreihe "Heute bei dir" des Bistums Aachen die Möglichkeit dazu. Bei einer Küchentischrunde im Oberstufenkeller, dem sogenannten "meet & eat", stand Weihbischof Karl Borsch ihnen Rede und Antwort zu ihren Fragen und Anregungen zur Zukunft der Kirche.

Die je halbstündigen Gespräche fanden zunächst in drei kleineren Tischrunden statt. Schon im Vorhinein hatten die Schüler angeregt unter sich über mögliche Fragen und Wertvorstellungen diskutiert, denen sie Gehör verschaffen wollten. So wurde in der ersten Runde unter anderem die Zusammenführung von Gemeinden hinterfragt, doch auch wichtige sozialpolitische Themen fanden schnell ihren Weg in die Runde.

"Wenn doch die Anzahl der Priester stetig sinkt, warum dürfen dann immer noch ausschließlich Männer das Priesteramt bekleiden?", fragte beispielsweise Thacio. Er und seine Mitschülerin Malaika setzten mit ähnlich kritischen Fragen hinterher. Warum stelle Trans- und Homosexualität für die Kirche noch immer ein Problem dar? Müsse man sich nicht für Veränderung stark machen?

Auch an den anderen Tischen sprachen die Jugendlichen die Themen an, die sie besonders beschäftigten. Mal zum Leben des Weihbischofs selbst - wieso glaubt er, und wie ist er dazu gekommen? - aber auch zur Kirche und zum Glauben im Allgemeinen. Kann man die Bibel wirklich wörtlich interpretieren? "Ich möchte insbesondere ein Problem ansprechen: Die Kirche tut viel Gutes, aber warum gibt es dafür so wenig öffentlichkeitswirksame Werbung?", fragte David. Weihbischof Borsch hörte den Schülern zu und legte den Standpunkt der Kirche dar, stellte den Jugendlichen aber vor allem eine Gegenfrage: "Was haltet ihr für richtig? Wie wollt ihr die Kirche verändern?".

Auch nach den Tischrunden debattierten die Schüler weiter, viele von ihnen hätten gerne noch mehr Fragen gestellt. In der großen Gruppe wurden Schwerpunkte nochmals aufgegriffen und eine Rückmeldung zum Abend gegeben. "Ich finde die Aktion interessant, weil in gewisser Weise zwei Welten und verschiedene Standpunkte aufeinanderprallen", meinte Manuel.

Allgemein lobten die Schüler die Gesprächsmöglichkeit und den lockeren Rahmen der Veranstaltung - das biete einen direkten und ungehemmten Einblick. "Ich habe mich sehr gefreut, hier zu sein, und gehe bereichert und dankbar", sagte Borsch zum Abschluss. Er würde gerne im Gespräch bleiben und bat die Jugendlichen darum, sich mit ihren Ideen und Fähigkeiten einzubringen, da sie so am besten Einfluss auf die kirchliche Gemeinschaft nehmen könnten.

"Für mich ist das die coolste Aktion des Bistums", stellte Religionslehrer Stephan Plettscher, der den Besuch des Weihbischofs organisiert hatte, mit Freude fest. Er würdigte die Chance für die Schüler, sich mit ihren Anliegen und ihrer Kritik an einen Ansprechpartner wenden zu können, ernstgenommen und respektiert zu werden. "Im gemeinschaftlichen Sinne wird hier Kirche im Minimalkontext gebildet - es ist toll, dass das so gut funktioniert", führte er aus.

Die Schüler im Alter zwischen 16 und 18 kämen aus verschiedenen Religionskursen der beiden Stufen. "Als wir das Konzept erstmals vorstellten, waren die Meisten eher skeptisch. Nach der Erarbeitung des Themas im Unterricht haben sich aber Einige dazu entschieden, sich trotz der Klausurphase sehr intensiv mit dem Projekt auseinanderzusetzen und dem Weihbischof zu begegnen." Er sei stolz auf die aufgeweckte und reflektierte Haltung seiner Schüler, und sehr dankbar für die Unterstützung der Schule und Schulleiterin Rita Hündgen bei der Vorbereitung dieser Zukunftswerkstatt.

(kasc)