Erkelenz: Mehr Bäume für die Innenstadt

Erkelenz: Mehr Bäume für die Innenstadt

Eine von den Erkelenzer Grünen mitgetragene Demonstration für eine Innenstadt mit ausreichend Bäumen ist für den 7. April angemeldet. "Wir fordern die Pflanzung einer Linde am Alten Rathaus", heißt es - aber nicht nur die.

In Erkelenz formiert sich Widerstand gegen das Fällen städtischer Bäume, das für einige Bürger ein Ausmaß erreicht hat, welches sie nicht akzeptieren wollen. Kämpfen wollen sie zudem dafür, dass ausreichend neue Bäume gepflanzt werden, und zwar an den Stellen, an denen welche entnommen wurden. Es ist für den 7. April eine Bürgerversammlung vor dem Alten Rathaus als Demonstration bei der Polizei angemeldet worden.

Der Protest macht sich sowohl an der alten Linde fest, die im Vorjahr am Alten Rathaus gefällt wurde, als auch an vielen anderen Bäumen, wie Anette Latour erklärt: "In den vergangenen 20 Jahren sind Hunderte von Bäumen aus der Stadt verschwunden. Nur ein Bruchteil ist hier nachgepflanzt worden. Die Rosenstraße hat circa 40 Bäume verloren, die Glück-auf-Straße 30, die Westpromenade, Nordpromenade und der Stadtpark wurden stark gelichtet. Die Liste ließe sich noch lange fortsetzen." Die Linde am Alten Rathaus und die Bäume in der Fußgängerzone gehören für Anette Latour dazu.

Bevor Bäume gefällt werden, kündigt die Stadt Erkelenz dies in den politischen Gremien an. So auch im September 2017, als Grünflächenamtsleiter Stefan Heinrichs im Ausschuss für Stadtentwicklung mitteilte, dass im anstehenden Herbst und Winter rund 80 Bäume gefällt werden müssen. Sie alle hätten den regelmäßigen Kontrollen nicht mehr standgehalten, hatte Heinrichs erläutert. Bei 19 Bäumen sei die Krone mindestens zur Hälfte abgestorben, so dass die Verkehrssicherheit seitens der Stadt Erkelenz nicht mehr gewährleistet werden könne. Eines hätten alle zum Fällen vorgesehenen Bäume gemeinsam: "Sie sind krank." Soweit wie möglich würden die Bäume an geeigneter Stelle ersetzt.

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Protest regt sich auch gegen die Auswahl solcher geeigneter Stellen. "Baumscheiben lässt man ohne Baum, weil sie angeblich zu klein sind für Neupflanzungen. Allerdings haben dort Bäume mindestens 60 Jahre gestanden trotz ,zu kleiner' Baumpflanzbeete", findet Latour. "Wir fordern die Pflanzung einer Linde am Alten Rathaus", jedoch gehe es nicht nur um diese, "sondern auch um die Abholzung von Bäumen im Stadtgebiet. Die Baumfällaktionen haben ein Ausmaß erreicht, das viele Menschen unerträglich finden. Neu- oder Ausgleichspflanzungen sind nicht in Sicht und wenn ausgeglichen wird, dann irgendwo, aber scheinbar nicht in den Straßen und auf den Plätzen, wo die Bäume einmal gestanden haben. Pflanzbeete und Baumscheiben werden zubetoniert oder mit Bodendeckern bepflanzt."

Zahlen zum Fällen von städtischen Bäumen in Erkelenz liefert der Schöffenbericht, den die Stadtverwaltung jeweils zum Jahresende herausgibt. In deren Baumkataster waren demnach im Vorjahr 14.558 Einzelbäume erfasst. Dazu kamen 97 Hektar Waldflächen und 80 Kilometer Waldränder und Wasserläufer mit Baumbestand. Nachzulesen ist, dass 2017 genau 57 Bäume gefällt und 357 Bäume gepflanzt wurden, wobei davon 227 auf die tagebaubedingten Umsiedlungsorte Borschemich und Immerath (neu) entfielen.

Latour kennt diese Statistiken und macht den aufkommenden Protest, der von der Partei Die Grünen unterstützt wird, vor allem daran fest, dass die Bäume aus der Innenstadt verdrängt werden: "Aufgebrachte und empörte Bürger treffen sich deshalb am 7. April von 11 bis 13 Uhr in der Stadt, um ein Zeichen zu setzen. Erkelenz ist jetzt Klimastadt. Das bedeutet nicht nur eine Chance, sondern auch Verpflichtung. Bäume zurück in die Stadt! Je mehr Bäume in der Innenstadt wachsen, desto höher ist die Aufenthaltsqualität und desto besser das Klima. Auch unsere Kinder und Enkel sollen unter Bäumen sitzen, statt nur Beton um sich zu haben. Wir Bürger wünschen uns eine Wohlfühlatmosphäre im Stadtzentrum, am alten Markt. Schluss mit dem Einbetonieren der Stadt. Wo Bäume im Stadtgebiet gefällt wurden, muss eine Ersatzpflanzung am selben Ort oder in unmittelbarer Nähe verpflichtend sein."

(spe)
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