Erkelenz: Mechanische Webereien

Erkelenz: Mechanische Webereien

"Zum Schlusse des 19. Jahrhunderts trat für die Stadt Erkelenz ein Wendepunkt der Entwicklung ein. Bis dahin war neben dem Kleingewerbe der Landwirtschaftsbetrieb vorherrschend, und nur in geringem Umfange wurde Industrie betrieben." Einen wirklich knappen Abriss der Wirtschaftsgeschichte gibt die "Geschichte der Stadt Erkelenz" von 1926. Textiles Klein-Hausgewerbe war auch hier vorherrschend, dominiert von Mönchengladbach.

Erste Nachricht über so etwas wie einen Industriebetrieb gibt es aus dem Jahr 1827, in dem der Landrat von der "Stecknadelfabrik" Polcke mit 44 Beschäftigten sprach. Ein Jahr später arbeiten bereits 100 Personen dort, darunter 84 Kinder "in den umliegenden Orten", was der Landrat als "wohltätigen" Akt erwähnt, der Chef des Kreises sah wohl exzellente Zukunftschancen für die Jugend. Im eigentlichen Betrieb arbeiteten demnach wohl 16 Personen. 1840 waren von den 73 Arbeitern 21 Jungen und 14 Mädchen unter 14 Jahren, deren Zukunft nicht mehr rosig aussah - nach 1862 scheint die Fabrik eingegangen zu sein.

1878 war es Johann Bernhard Oellers aus Venrath, der an der oberen Kölner Straße eine "mechanische Weberei" eröffnete, 70 Webstühle der Firma Monforts aus Mönchengladbach wurden von 100 Männern und Frauen aus den umliegenden Dörfern bedient, die zuvor als Heimweber gearbeitet hatten. Der Erste Weltkrieg und seine Folgen ruinierten das Unternehmen, 1929 kam das endgültige Aus, Zukunftschancen waren da schon lange verbaut.

  • Erkelenz : Industrialisierung veränderte die Arbeitswelt

Im gleichen Jahr endete auch die zweite "mechanische Weberei" in Erkelenz, die 1898 gegründete Firma Michels & Halcour, an deren Stelle heute Hegenscheidt steht. 100 Webmaschinen mit 78 Beschäftigten umfasste der Betrieb des Kuckumers Gottfried Halcour, die Maschinenweber kamen wohl auch aus den umliegenden Orten.

1897 dann der große Wurf für Erkelenz mit dem Bohrunternehmer Anton Raky, den die Kohlefunde bei Baal-Hückelhoven aus Straßburg an die Bahnlinie Mönchengladbach-Aachen gelockt hatte. 1905 beschäftigte sein Unternehmen bereits 300 Menschen, das stetige Wachstum gab zahlreichen jungen Menschen die Chance auf einen Ausbildungs- und einen qualifizierten Arbeitsplatz. Bis 1500 Menschen beschäftigte das Werk in den besten, 1970er, Jahren. Heute sind es nur noch wenig mehr als im Jahr 1905.

(isp)