Marc Jansen ist neuer Vikar in Schwanenberg und auch in Wegberg tätig

Erster Vikar für Schwanenberg : Bibel leitete zur Berufswahl

Marc Jansen ist als Vikar in seine Heimat zurück- gekehrt. Der 28-Jährige wird in Schwanenberg ausgebildet, wo ihn Pfarrer Robin Banerjee betreut. Jansen ist dort der erste Vikar. Er wird aber auch in Wegberg tätig sein.

Am Anfang stand das meist verkaufte Buch der Welt. Marc Jansen hatte von seinen Eltern, die Mutter evangelisch, der Vater katholisch, ein gesundes Maß an Glauben vermittelt bekommen, der auch in seiner Jugend hielt, als er sich der Kirche ferner fühlte. Eine Frage allerdings konnten seine Eltern ihm nicht beantworten, die ihn im Sommer vor acht Jahren beschäftigte und die ihn letztlich zu seiner Berufswahl leitete: „Was steht in der Bibel, und vor allem: Was hat sie mit mir zu tun? Ich spürte vor meinem Zivildienst einen Wissensdurst und habe die Bibel von vorne bis hinten gelesen – anschließend wusste ich, dass ich Pfarrer werden möchte.“

Marc Jansen ist inzwischen 28 Jahre alt, hat evangelische Theologie in Wuppertal und Heidelberg studiert und ein Auslandsjahr in Beirut verbracht. Nach bestandenen Prüfungen schlug ihm die Evangelische Kirche im Rheinland vor, seine Zeit als Vikar in Schwanenberg zu absolvieren. Er nahm an, wenngleich er zunächst darüber nachdenken musste.

Die Idee, in einer größeren Stadt zu arbeiten, war in seinem Kopf – der Gedanke, in einer ländlichen Gemeinde enger mit den Menschen arbeiten zu können, war überzeugender. Im vergangenen Oktober wurde Marc Jansen der Gemeinde in Schwanenberg vorgestellt, verbrachte das nächste halbe Jahr zunächst jedoch am Berufskolleg in Erkelenz, um Religion zu unterrichten. So sieht es die zweieinhalbjährige Ausbildungsordnung vor. Ab sofort ist der 28-Jährige nun aber voll und ganz für die 1300 Glieder der Gemeinde von Pfarrer Robin Banerjee da, der Jansen herzlich begrüßt: „Für mich ist das eine große Freude, einen Vikar für die Gemeinde bekommen zu haben. Er ist unser erster.“

Für Marc Jansen ist seine Aufgabe in Schwanenberg eine Art von Nachhausekommen. Aufgewachsen ist er zunächst in Lohmar bei Köln, anschließend zog er mit seinen Eltern nach Erkelenz, wo er später sein Abitur am Cusanus-Gymnasium machte und seinen Zivildienst am Johanniter-Stift leistete. In Erkelenz wurde er in der evangelischen Gemeinde groß und suchte den Rat von Pfarrer Günter Jendges, als er darüber nachdachte, Theologie zu studieren. Er begleitete ihn bei seiner Arbeit und wurde in seinem Entschluss bestärkt. Jetzt ist Jansen nach Erkelenz zurückgezogen, was Robin Banerjee als sein Mentor „sehr wichtig findet, um die Arbeit mit einer Gemeinde richtig kennen lernen zu können“.

Seinen ersten eigenen Gottesdienst hat Marc Jansen bereits gehalten. „Es war herausfordernd, aber auch gut zu fühlen, dass ich den Menschen etwas mitgeben kann“, sagt der 28-Jährige. Sein erstes Kind hat er auch schon getauft, Besuche in der Kirchengemeinde übernommen und im Kindergottesdienst mit seiner Gitarre überrascht. „Mein Ziel ist es, Marc Jansen behutsam an die Gemeindearbeit heranzuführen“, sagt Banerjee. Seelsorge, Predigten, Gottesdienste und die Arbeit mit der Gemeinde sollen in der Ausbildung an erster Stelle stehen. Danach erst reihen sich Amtshandlungen wie Taufen, Trauungen und Beerdigungen ein: „Und zu den administrativen Aufgaben, wie eine Sitzung des Presbyteriums zu leiten oder einen Haushaltsplan zu lesen, kommen wir dann im zweiten Jahr.“

Banerjee und Jansen sprechen sich eng ab. Sie wollen als Team funktionieren, in dem der Vikar immer weiter in die Selbstständigkeit geführt wird. „Wir wollen es hinbekommen, dass Marc Jansen in zwei Jahren ein Pfarramt übernehmen kann“, sagt Banerjee, der weiß, wie wichtig gut ausgebildete Pfarrer für die Zukunft der evangelischen Kirche sind: „Im Rheinland haben wir noch etwa 20 Vikare im Jahr.“

Die Zukunft der Kirche nimmt auch Marc Jansen in den Blick, wenn er vorhersagt, dass die Ökumene eine größere Bedeutung bekommen wird. Gelehrt habe ihn das seine Studienzeit, während der er katholische Messen ebenso besuchte wie Gottesdienste der Pfingstkirche, die „lebendig und sehr modern“ sind. Während der Studienzeit lebte er auch eine Zeit lang in einem orthodoxen Kloster. Zusammenfassend sagt er: „Die evangelische Kirche ist meine Heimat – wir können aber auch von den anderen christlichen Kirchen viel lernen, so wie sie von uns lernen können.“

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