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Letzte Hilfe: Neue Wege beim ambulanten Hospiz- und Beratungsdienst Erkelenz

Ambulanter Hospizdienst Erkelenz : Rat zur „letzten Hilfe“ auf neuen Wegen

„Sterbebegleitung ist keine Wissenschaft, sondern praktizierte Mitmenschlichkeit“, sagt Ulrike Clahsen vom ambulanten Hospiz- und Beratungsdienst der Hermann-Josef-Stiftung „Horizont“.

Erfahren, was man für seine Angehörigen oder Mitmenschen am Ende des Lebens noch tun kann, sich informieren über Themen wie Sterben, Tod und Palliativversorgung: Horizont als ambulanter Hospiz- und Beratungsdienst der Hermann-Josef-Stiftung geht beim kostenfreien Angebot „Letzte-Hilfe-Kurs“ jetzt neue Wege. In individuellen Gesprächen in den Räumlichkeiten in der Aachener Straße klären die beiden Koordinatorinnen Ulrike Clahsen und Simone Kroppen, wo zurzeit Beratungsbedarf besteht.

Rund 200 Interessenten besuchten die Informationsveranstaltungen, die bislang entweder in der Erkelenzer Leonhardskapelle oder im Gebäude der AOK stattfanden, in den vergangenen Jahren. Wegen der Corona-Pandemie sind solche großen Zusammenkünfte jetzt nicht mehr möglich. „Das kleine Einmaleins der Sterbebegleitung“ soll Interessenten nun aber nicht nur im persönlichen Gespräch näher gebracht werden. Für den 9. Juni ist eine weitere Veranstaltung mit nur noch 15 Plätzen im AOK-Gebäude geplant. „Ein Stück Sicherheit geben“ – so umschreibt Horizont-Koordinatorin Ulrike Clahsen die Intention, die dahinter steckt.

Zusammen mit ihrer Kollegin Simone Kroppen vermittelt sie auf Wunsch Kontakte zu einer Juristin, die Fragen zum Thema Patientenverfügung beantwortet. Auch ein Bestatter und ein Intensivpfleger sind mit im Boot. Die Letzte-Hilfe-Kurse seien „keine tieftraurige Angelegenheit“, sagt Ulrike Clahsen. So soll es auch ab sofort im kleineren Rahmen mit etwa ein bis drei Gesprächsteilnehmern weitergehen. Insgesamt sechs Kursleiter des ambulanten Hospiz- und Beratungsdienstes Horizont stehen dafür zur Verfügung. „Dieses Wissen brauchen die Leute jetzt genauso wie vorher“, betont Clahsen. Dass das Lebensende und Sterben oft hilflos machen, hat auch Simone Kroppen erkannt. Deshalb sterbe ein großer Teil der Bevölkerung in den Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen, obwohl die meisten den Wunsch verspürten, zu Hause zu sterben. Der Basiskurs – ob mit maximal 15 Teilnehmern im Juni oder nach Absprache im individuellen Gespräch im Horizont-Beratungsbüro – solle Grundlagen schaffen und dabei helfen, die allgemeine ambulante Palliativversorgung zu verbessern, erklärt Koordinatorin Simone Kroppen. Einfache Handgriffe werden ebenfalls vermittelt. Ulrike Clahsen: „Sterbebegleitung ist keine Wissenschaft, sondern praktizierte Mitmenschlichkeit, die auch in der Familie oder in der Nachbarschaft möglich ist.“ Man wolle auf diese Weise „Grundwissen an die Hand geben und ermutigen, sich Sterbenden zuzuwenden. Denn Zuwendung ist das, was wir alle am Ende des Lebens am meisten brauchen“.

In vier Unterrichtsmodulen mit jeweils 45 Minuten, die nachmittags oder am Abend durchgeführt werden, wird über die Normalität des Sterbens gesprochen, Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht werden angesprochen. Auch Beschwerden als Teil des Sterbeprozesses sowie Hilfen zur Linderung werden thematisiert. Ulrike Clahsen: „Wir überlegen abschließend gemeinsam, wie man Abschied nehmen kann und besprechen unsere Möglichkeiten und Grenzen.“