Laut neuer DIW-Studie Erkelenzer Dörfer müssen für 1,5-Grad-Ziel bleiben

Erkelenz · Für Forscher ist der Kohleabbau in Garzweiler nicht mit dem 1,5-Grad-Ziel der Bundesregierung vereinbar. Statt mehr als 900 Millionen Tonnen dürften nur noch bis zu 235 Millionen gefördert werden.

Die Bagger, hier im Tagebau Garzweiler, dürfen laut der Studie nur noch 230 Millionen Tonnen Kohle fördern, um das Klimaziel zu erreichen.

Die Bagger, hier im Tagebau Garzweiler, dürfen laut der Studie nur noch 230 Millionen Tonnen Kohle fördern, um das Klimaziel zu erreichen.

Foto: dpa/Federico Gambarini

Laut einer neuen Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) müssen die sechs Erkelenzer Dörfer am Rand des Tagebaus Garzweiler II erhalten bleiben, wenn Deutschland seinen Teil zur Einhaltung der Erderwärmung von maximal 1,5 Grad Celsius beitragen will. Nach Ergebnis der Studie dürften dazu im Rheinischen Revier nur noch maximal 235 Millionen Tonnen Braunkohle gefördert werden. Die aktuelle Leitentscheidung der NRW-Landesregierung sieht hingegen noch den Abbau von mehr als 900 Millionen Tonnen Braunkohle vor. Bei diesen Mengen müssten auch die Dörfer Keyenberg, Kuckum, Ober- und Unterwestrich, Berverath sowie das bereits so gut wie leerstehende und teils abgerissene Lützerath dem Tagebau weichen.

Würde sich der Energiekonzern RWE auf eine entsprechende Reduzierung der Fördermenge einlassen, könnten die Dörfer am Rande des Tagesbaus Garzweiler II erhalten bleiben, sagte der Wirtschaftswissenschaftler Pao-Yu Oei bei der Vorstellung der Studie. Der Wissenschaftler ist Mitglied der Forschungsgruppe „Coal Exit“. Die Untersuchung wurde im Auftrag der RWE-kritischen Initiative „Alle Dörfer bleiben“ durchgeführt, die den Braunkohleabbau strikt ablehnt.

Der Kuckumer David Dresen von „Alle Dörfer bleiben“ erklärte mit Blick auf die Studie, dass es für die weiterhin drohende Abbaggerung der Dörfer am Rande von Garzweiler II keine energiewirtschaftliche Notwendigkeit gebe.

Durch die Entwicklung in den vergangenen Monaten scheint ein Erhalt der fünf Dörfer – oder zumindest der Fläche – wahrscheinlicher als zuvor. Zwar hatte die Landesregierung die endgültige Entscheidung über die fünf Dörfer auf das Jahr 2026 verschoben, nach dem möglicherweise richtungweisenden Klimaschutzurteil des Bundesverfassungsgerichts sprach NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) aber öffentlich über einen möglichen Erhalt der Dörfer. Auch die Stadt Erkelenz hatte daraufhin noch einmal klar gefordert, dass die Dörfer erhalten bleiben müssen. Ein großer Teil der Einwohner der fünf Orte ist bereits umgesiedelt oder plant dies in den kommenden Jahren.

Für ein Aufrechterhalten der Braunkohleverstromung bis 2035 oder gar 2038 gebe es nach Ansicht des Wissenschaftlers Pao-Yu Oei keine wirtschaftliche Notwendigkeit, da die Nachfrage nach Kohlestrom vor dem Hintergrund des CO2-Zertifikatehandels zurückgehe. Die Braunkohlekraftwerke – vor allem die großen 600 Megawatt starken Meiler – könnten deshalb deutlich früher ausgeschaltet werden als derzeit geplant, betonte Oei.

In einer früheren Version dieses Artikels war von fünf Erkelenzer Dörfern die Rede, die gerettet werden sollen. Laut der DIW-Studie soll allerdings auch das bereits so gut wie leerstehende und teilweise bereits abgerissene Lützerath stehen bleiben.

(cpas)
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