1. NRW
  2. Städte
  3. Erkelenz

Kückhoven und Lövenich: Narren feiern trotz Wind und Regen

Tulpensonntagszüge in Kückhoven und Lövenich : Narren feiern trotz Wind und Regen

Wegen der Wetterkapriolen standen die Karnevalszüge in Kückhoven und Lövenich auf der Kippe. Am Ende zogen die Narren doch.

So etwas hätte er in seinen 43 Jahren als Präsident noch nicht miterlebt, meinte Norbert Müschen, Präsidenten der Karnevalsgesellschaft „De Japstöck“ über das Geschehen am Sonntagmorgen, als der Tulpensonntagszug wegen der Wetterkapriolen auf der Kippe stand und die ersten Umzüge sturmbedingt bereits abgesagt worden waren. Schlussendlich sollte es nicht zu der ersten Absage einen Karnevalszugs in Kückhoven kommen.

Die Entscheidung fiel kurz vor Mittag bei der Prinzenwageneinweihung nach Rücksprache mit allen Verantwortlichen von Rettungsdiensten, Polizei und Verwaltungen. „Wir setzten uns pünktlich um 15 Uhr in Bewegung.“

Gesagt, getan, trotz des trüben Himmelgrau präsentierten die Japstöck einen kunterbunten, munteren Zug, der naturgemäß unter einer ungewohnt kleinen Zuschauerkulisse stattfand. In dem Ort, der üblicherweise am Tulpensonntag nachmittags von Karnevalsfreunden aus Nah und Fern zugeparkt ist, blieb das Verkehrschaos aus. „Viele bleiben wohl weg, weil sie den Regen und Sturm nicht mögen“, vermutete Müschen. Er und seine Zugleiter Marcus Schulz und Sebastian Titze mussten kurzfristig improvisieren, es blieben nicht nur Zuschauer fern, auch drei Prunkwagen blieben fern; darunter der Komiteewagen der befreundeten Erkelenzer Karnevalsgesellschaft. Die EKG-Tollitäten fuhren im Auto mit. 40 Abteilungen umfasste der Umzug der Japstöck.

Darunter waren die Motivwagen und Fußgruppen der einzelnen Nachbarschaften ebenso wie die Jecken der befreundeten Gesellschaften aus Tenholt, Matzerath, Holzweiler, Katzem, Borschemich oder Granterath. Sie alle huldigten dem KüKaGe-Prinzenpaar Marcel I. und Bianca I. aus der Nachbarschaft Kleinend. Für die ersten Farbtupfer im Zug sorgten die Raupen und Schmetterlinge der Nachbarschaft Kirchstraße unter dem Motto „Schönheit braucht Zeit. Den Zauberwald brachte die Nachbarschaft Stülpend nach Kückhoven, das „Müllemer Böttche“ hatte die Nachbarschaft De Maar dabei. Vom Kleinend hatten sich die Eskimos auf den Weg gemacht. Sie alle harmonierten mit den Mexikanern, Cowboys, Piraten und Geisterpiraten, Bergdoktoren, Hexen uns Zauberer, und sie stimmten in Anbetracht des lausigen Wetters in den Spruch der Borschemicher und Granterater Freunde ein „Ein Indianer kennt keinen Schmerz“.

Es hätte der größte Tulpensonntagszug aller Zeiten der KG Lövenicher Hoppesäck werden können, wenn die KG-Vorsitzende Helga Mann alle Anfragen berücksichtigt hätte, die im Laufe des Sonntagmorgens bei ihr ankamen. „Rund 40 Gruppen haben sich gemeldet, weil sie nach der Absage der morgendlichen Züge bei uns mitmachen wollten.“ Die Vorsitzende sagte allen Interessenten ab, „allein schon aus versicherungstechnischen Gründen“. Die Anfragen passten ihr überhaupt nicht in den Kram, hatte sie doch genug damit zu tun, abzuwägen, ob der Zug in Lövenich wegen des stürmischen Wetters abgesagt werden soll oder nicht. „Mehr als Windstärke acht mache ich nicht mit“, meinte sie in den Gesprächen am Morgen mit den Zugteilnehmern, der Polizei, der Feuerwehr und der Kreisverwaltung. Als das Signal kam, ab 15 Uhr würde sich das Wetter beruhigen, war die Entscheidung bei den Hoppesäck schnell getroffen. „Wir ziehen!“

Allerdings mit einer Veränderung gegenüber den sonstigen Gepflogenheiten: Der Start wurde um eine Stunden auf 15.11 Uhr verschoben. „Und wenn wir wegen des Regens keine oder nur wenige Besucher haben. Wir ziehen.“ Nicht nur zu Ehren des Dreigestirns, Prinz Michael II., Bauer Jörg I. und Jungfrau Wilhelmine, sowie der Kinderprinzenpaares Mads I. und Lisa I. machte sich der Zug auf den Weg durch Lövenich. „Es ist auch eine Anerkennung der rund 500 Teilnehmer, die mitmachen wollten. 30 Abteilungen umfasste der Zug, der sich an der Nysterbachhalle in Bewegung setzte. Bis auf eine Ausnahme beteiligten Gruppen und Truppen aus dem Nysterbachtal, lediglich ein politischer Motivwagen der CDU Erkelenz hatte sich in die Reihen der Heimischen „geschmuggelt“. Für Farbtupfer sorgten die Schmetterlinge. Die Jugend vom STV Lövenich erkannte: „Ohne Fußball ist auch keine Lösung“, der Kegelklub „die Pin Ups“ grüßte: „Willkommen im Märchenland“. Die Schützenbruderschaft trat als Superhelden auf, Aribert und Jörg Matthissen sorgten schon traditionell mit ihren Fußgruppen für feucht-fröhliche Stimmen bei nass-kalter Witterung.

Selbstverständlich waren auch die Hoppesäck, mit allen, was sie zur Verfügung hat, am Start einschließlich der Tanzgarden, die mittlerweile auch in Baal als TSG antreten. In einem irrte die Vorsitzende: Die Zuschauer ließen die Hoppesäck nicht im Stich. „Ich bin begeistert über die vielen, die doch noch gekommen sind“, freute sich Helga Mann.