Kubb-Turnier in Erkelenz Trendsport zieht Dutzende Teams an

Hetzerath · Im Hetzerather Pappelstadion fand zum elften Mal das alljährliche „Kubb Mött“ statt. Mit dabei waren neben dem Erkelenzer Verein selbst Gäste aus ganz Deutschland, die den langen Weg auf sich nahmen, um alte Freunde wiederzusehen.

 Wurf auf den König: Das Erkelenzer Team „Opi und die Schörsche“ mit Kubb-Legende Wolfgang Bosau.

Wurf auf den König: Das Erkelenzer Team „Opi und die Schörsche“ mit Kubb-Legende Wolfgang Bosau.

Foto: Laaser, Jürgen (jl)

Cuba Libre, die Gummibärenbande und Cupcakes kennt jeder- aber was ist mit Kubba Libre, der Kuppibärenbande und den Kubb Cakes? Nun, es handelt sich um Teamnamen von Kubb-Mannschaften“ – landläufig ist die Trendsportart besser bekannt als „Wikingerschach“.

Die Weltmeisterschaft findet jährlich auf der Insel Gotland statt – doch um miteinander zu spielen, muss man nicht bis nach Schweden fahren. Das geht auch im Pappelstadion in Hetzerath, und zwar mit Mitstreitern aus ganz Deutschland. Sven Thiele ist extra aus Potsdam angereist und zeltet neben dem Sportplatz. Was ihm am Kubb besonders gut gefällt, ist das Miteinander. Anders als beim Fußball, bei dem es häufig schon aggressiv zugehe, gibt es hier nämlich gar keinen Schiri. Falls man sich doch mal uneinig sein sollte, könne man sich an die Turnierleitung wenden – das hat Thiele aber, seit er 2016 mit dem Sport begonnen hat, noch nie erlebt. Wenn zwischen März und Oktober die Turniere stattfinden, ist er ständig unterwegs.

Doch das ist es ihm wert, denn Kubb ist ihm längst unter die Haut gegangen – im Mallorca-Urlaub entschied er, sich zu Ehren seines Sports zwei Tattoos stechen zu lassen. Nun zieren seine Unterarme die Schriftzüge „Kubb unites People“ und „Kubb Potsdam“ – nach dem von ihm gegründeten Potsdamer Verein. „Der bringt mir einfach ´n Bier mit, wir kennen uns gar nicht“, fasst er die Stimmung während des Turniers zusammen, als Stefan Kohlen vom BSV Kubb Erkelenz ihm eine Erfrischung bringt.

Auch wenn man hier Punkte für die Kubb-Rangliste sammeln kann, geht es nämlich gar nicht so sehr ums Gewinnen. Für Lasse, Marlon und Moritz, die zwischen zwölf und 15 sind, und sozusagen die Jugendabteilung des Vereins bilden, geht es besonders um den Spaß: „Es ist cool mit Freunden“, erzählen sie. Das kleine Erfolgserlebnis, wenn man trifft, das gegenseitige Motivieren, wenn man nicht trifft.

Kubb wurde den Jungen praktisch in die Wiege gelegt, denn ihre Väter sind auch alle drei Kubber in der Erkelenzer Mannschaft, einer von ihnen ist sogar Spieler in gleich zwei Vereinen. Im Kubb überwiegen die engen freundschaftlichen Beziehungen.

Kürzlich brach der Erkelenzer Verein sogar einen Weltrekord, wenn auch inoffiziell. Die Eintragung in das Guinnessbuch der Rekorde ist ziemlich teuer und kompliziert. Sie spielten 25 Stunden lang Kubb, und das für den guten Zweck. Dabei kamen insgesamt 720 Euro zusammen, die im Rahmen des Turniers an den Verein „Heimat blüht auf“, sowie an den Hospizdienst Regenbogen gespendet wurden.

Der Kubb-SH aus Schleswig-Holstein freut sich besonders auf das Spiel mit einem ganz besonderen Kubber: Opi alias Wolfgang Bosau aus Erkelenz ist im internationalen Kubb längst bekannt wie ein bunter Hund, und das nicht zuletzt wegen seines großen sportlichen Erfolges: „Opi schaute zum Mond, drehte sich um und warf den Königswurf“ – so wurde er 2015 auf Gotland Weltmeister. Heute spielt der Namensgeber des Teams „Opi und die Schörche“ immer noch gerne: „Hier brauch ich mich nicht viel zu bewegen, ich bin ja schon etwas älter, da muss man auf die Gesundheit achten.“ Wenn er nicht gerade wirft, sitzt er auf seinem Campingstuhl und beobachtet das bunte Treiben. Gespielt wird übrigens mit Gummibaumholz aus Schweden erzählt Kohlen, das splittert nicht und ist obendrein nachhaltig. Auch der Schleswig-Holsteiner Verein zieht Spieler aus Dänemark oder Stuttgart an, die zum Wikingerschach in den deutschen Norden kommen.

Kubb-SH selbst hatte in diesem Jahr zwar nur die zweitlängste Anreise nach Hetzerath, stellt dafür aber den ältesten Kubber. Rainer Maxin, nur echt mit seiner gehäkelten roten Hörnchenmütze (schließlich heißt es ja Wikingerschach), ist mit stolzen 78 Jahren sogar ein Jahr älter als Opi. Ursprünglich sollte er nur Brötchen schmieren und Bier ausschenken, entdeckte aber schnell sein Interesse am Spiel und ist heute begeistertes Mitglied des Vereins. Opi ist im wahren Leben übrigens auch Opi, und Maxin eigentlich Uropi erzählt er, als die beiden Männer Arm in Arm zusammenstehen.

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