Interview : „In den digitalen Angeboten liegt eine Chance“

Vorsitzende des KSB Heinsberg, Jürgen Meuser, und Geschäftsführer David Rosenkranzsprechen über die Situation der Vereine und die Wichtigkeit digitaler und interaktiver Angebote im Vereinssport.

Herr Meuser, Herr Rosenkranz, wie ist die Situation des Sports im Zeichen der Corona-Krise?

Meuser Es ist schwierig, natürlich. Es haben seit Monaten keine Wettkämpfe stattgefunden, an der Stelle ist der Sport total zusammengebrochen. Langsam laufen aber die Breitensportangebote wieder an, das Training ist unter den bestehenden Vorgaben möglich. Man merkt, dass die Sportler in den Startlöchern gesessen haben. Ich sage es mal aus der Sicht der Leichtathletik: Die Athleten wollen ihre Leistungen jetzt wieder auf die Bahn bringen.

Sind gerade in dieser Situation die Sportverbände gefragt? Haben sich viele Vereine gemeldet?

Rosenkranz Wir waren immer im Dialog mit den Vereinen und haben von Anfang an versucht, die Vereine zu begleiten. Wir informieren sie über aktuelle Entwicklungen beim Landessportbund. Da es in den verschiedenen Kommunen teilweise sehr unterschiedliche Vorgehensweisen gibt, zum Beispiel bei der Hallen-Frage, versuchen wir alles zu sammeln und für die Vereine auf unserer Internetseite zu bündeln.

Wird sich der Vereinssport durch Corona verändern?

Meuser Das ist ein Blick in die Glaskugel. Aber ich denke, dass man schon jetzt sagen kann, dass Corona den Sport verändert hat. Die Menschen werden für viele Dinge sensibilisiert und lernen, vorsichtiger zu sein im Umgang miteinander. Auch im Sport,
Rosenkranz Es wird interessant sein, wie sich der klassische Vereinssport vor diesem Hintergrund in Zukunft gestaltet. Denn die Situation wird uns ja noch einige Zeit verfolgen. Entsprechend werden die Vereine reagieren. Es wird sicherlich vor allem darum gehen, die Angebote zu überdenken und der Situation anzupassen. So, wie wir es als Kreissportbund auch tun müssen.

Zum Beispiel mit interaktiven Angeboten wie der KSB-Challenge die vom 25. bis 29. Mai läuft?

Rosenkranz Ja, das kann man als interaktives Projekt beschreiben, richtig. Wir wollen die Menschen zusammen mit unserem Partner, der WEP aus Hückelhoven, abseits des regulären Sportbetriebs die Möglichkeit geben, in Bewegung zu bleiben. An jedem Tag der Woche gibt es eine kurze Bewegungssequenz, die vom Personaltrainer Niclas Eich über unsere sozialen Medien veröffentlicht werden. Die Leute können die jeweilige Übung nachmachen und, sofern sie über 18 sind, am Tag der Veröffentlichung bis 20 Uhr ein Video an info@ksb-heinsberg.de einsenden. Weitere Infos gibt es unter www.ksb-heinsberg.de. Unter den Einsendungen werden Preise verlost, der Hauptgewinn ist ein Personaltraining mit Niclas Eich.

Gerade während des Lockdown hatten interaktive Sportangebote Hochkonjunktur. Der Stadtsportbund Mönchengladbach hat über sportdeutschland.tv Übungen live übertragen, beim Kreissportbund Heinsberg gab es ebenfalls Fitness-Videos. Wird das ein neuer Trend?

Rosenkranz Ganz sicher liegt in den digitalen Angeboten eine Chance. Es hat sich gezeigt, dass es eine zusätzliche Möglichkeit ist, die Menschen zu erreichen und zum Sport zu animieren. Das wollen wir natürlich auch in Zukunft wahrnehmen und diese Projekt fortführen. Auch die Vereine sollten immer wieder darüber nachdenken, was in dem Bereich machbar ist.
Meuser Es ist auf jeden Fall ein guter Ansatz, die Leute vom Sofa runterzukriegen. Es gibt ja auch die, die sich im Verein aus verschiedenen Gründen nicht so wohl fühlen. Sie können auf diese Weise angeleitet Sport treiben. Wir wollen den Menschen Türen zum Sport öffnen, auch mit unserer Challenge. Die wird es nach und nach für verschiedene Altersstufen geben.
Rosenkranz Ich glaube sogar, dass wir mit solchen Angeboten genau die Leute, die vielleicht noch nicht so den Draht zum Vereinssport gefunden haben, für den Vereinssport interessieren können. Sie lernen auf dem Weg die Angebote kennen. Wir müssen ja sagen, dass der Vereinssport an einem Scheideweg ist, jeder von uns kennt zum Beispiel die Debatten um das Ehrenamt. Darum müssen wir immer über neue Wege nachdenken, die Menschen zu erreichen.

Zum Beispiel über Instagram? Der KSB Heinsberg hat nun einen Kanal dort.

Rosenkranz Die sozialen Netzwerke sind ein wichtiger Weg, die Menschen zu erreichen. Wir haben in Jonas Hammann eine Social-Media-Beauftragten eingestellt, der sich speziell um diese Themen kümmert. Und mit Instagram erreichen wir ein jüngeres Publikum. Der Kanal hat schon über 200 Abonnenten.
Meuser Die neuen Medien bieten neue Chancen, die wir nutzen wollen. Man darf sich solchen Entwicklungen nicht verschließen, da habe wir als Kreissportbund noch nie getan.

Was ist mit den Vereinen? Wie gehen die mit dem Thema um?

Rosenkranz Sehr unterschiedlich. Wir sind  da wieder beim Thema Ehrenamt: Auch für das Thema Social Media braucht es jemanden, der sich darum kümmert.

Was es nicht mehr gibt im Kreissportbund Heinsberg ist das Sportbildungswerk. Warum?

Meuser Wir haben uns grundsätzlich über unsere Ausrichtung Gedanken gemacht. Unser Schwerpunkt liegt auf der Ausbildung und Qualifizierung. Diese Angebote wollen wir ausbauen. Wir sind noch in der Ausrichtung, die Corona-Pandemie ist uns auch an der Stelle dazwischen gekommen.
Rosenkranz Mit den Angeboten des Sportbildungswerkes sind wir auf gewisse Weise ja auch mit unseren Vereinen in Konkurrenz getreten, auch das wollten wir vermeiden.

Besteht nicht die Gefahr, dass solche Angebote der Vereine künftig wegfallen als Folge der Krise?

Rosenkranz Das glaube ich nicht, im Gegenteil: Der Bedarf wird da sein. Insgesamt wird der Sport gestärkt aus der Krise herausgehen, da bin ich mir sicher. Die Not schweißt uns zusammen. Vor allem der Breitensport wird profitieren, denn wir haben alle gesehen in den vergangenen Wochen wie wichtig er ist. Der Breitensport ist das Fundament des Vereinssports.
Meuser Und wir werden weiter daran arbeiten, die Menschen für den Vereinssport zu begeistern. Da kann man zum Beispiel auf die vierte Auflage von Sport im Park verweisen. Sie wird mit einem etwas gestrafften Programm ab Juli stattfinden. Da können die Menschen sehen, wie breit gefächert der Sport im Verein ist. Weitere Informationen werden wir zeitnah über unsere Sozialen Netzwerke bekannt geben.