Kreissparkasse Heinsberg schickt rollende Filiale auf die Straße, schließt dafür aber Standorte

Jahresbilanz der Kreissparkasse Heinsberg positiv : Sparkasse: Rollende Filiale ersetzt feste Filialen

Neun Filialen schließt die Kreissparkasse Heinsberg zum 1. April. Ersatz bietet sie mit einer rollenden Filiale, die angeschafft wird.

Die Kreissparkasse Heinsberg baut ihren Service um. Zum 1. April wird sie ihr Filialnetz verkleinern, dafür aber eine rollende Filiale einführen. Das kündigten am Freitag die Vorstände Thomas Giessing und Richard Nouvertné an. Sie begründeten diesen Schritt mit verändertem Kundenverhalten und dem Anspruch der Kreissparkasse an sich selbst, weiterhin in der Fläche präsent zu bleiben. „Im Durchschnitt kontaktiert ein Kunde uns 350 Mal im Jahr über Internet oder Telefon, kommt aber nur noch einmal pro Jahr in unsere Filiale“, erklärte Vorstandsvorsitzender Giessing bei der Bilanzpressekonferenz der Kreissparkasse Heinsberg. Dies treffe auf alle Altersgruppen zu.

60 Prozent der 108.200 Girokonten (plus 1650 gegenüber 2017) werden bei der Kreissparkasse inzwischen über das Internet geführt. Die Smartphone-App hat mittlerweile 22.951 Nutzer (2014: 9308). Das im Jahr 2016 gegründete Servicecenter für telefonische Beratung in Geilenkirchen erhielt im Vorjahr 180.000 Anrufe und „hatte damit so viele Besucher wie keine andere Filiale“, berichtete Giessing. Der 2018 dort eingeführte Chat mit Kunden ist bereits mehr als 1600 Mal genutzt worden. „Das Kundenverhalten ändert sich – die Welt wird digitaler“, sagte Giessing. „Wir müssen andere Zugangswege anbieten und sind sicher, dadurch weiterhin in der Nähe zu unseren Kunden zu bleiben.“

Geschlossen werden die Selbstbedienungsfilialen in Golkrath, Myhl und Immendorf sowie die „betriebswirtschaftlich nicht mehr tragfähigen Filialen“ in Doveren, Holzweiler, Kleingladbach, Schwanenberg, Kirchhoven und Teveren. Sieben weitere Filialen werden in Selbstbedienungsfilialen umgebaut: Birgelen, Wassenberg-Oberstadt, Haaren, Höngen, Marienberg, Scherpenseel und Süsterseel. Die bisher dort tätigen Mitarbeiter werden in benachbarte Filialen wechseln und von dort Ansprechpartner ihrer Kunden bleiben. Betriebsbedingte Kündigungen wird diese Veränderung nicht auslösen. Dies sei bei der Kreissparkasse Heinsberg noch nie geschehen, sagte Nouvertné und Giessing ergänzte, dies auch für die Zukunft auszuschließen. Gleichwohl will die Kreissparkasse in den nächsten zwei Jahren „natürliche Fluktuationen“ nutzen, räumten die beiden Vorstände ein, um sich personell noch einmal zu verschlanken. Umgerechnet hat die Kreissparkasse derzeit 450 Vollzeitstellen, wozu Giessing erklärte: „Wir peilen 430 an.“

Mit der Umstrukturierung im April verfügt die Kreissparkasse noch über 26 Filialen. „Weiterhin können unsere Kunden eine davon in drei bis fünf Kilometern erreichen“, sagte Giessing. Damit bleibe ein flächendeckendes Angebot bestehen, das ab dem 1. Mai eine rollende Filiale ergänzt, die für 200.000 Euro angeschafft wird. Dazu erläuterte Nouvertné: „Dieses Angebot richten wir für die 13 Standorte ein, an denen vorher unsere Kollegen vor Ort waren. Damit bieten wir den Kunden die Möglichkeit, die von ihren bisherigen stationären Filialen gewohnten Serviceleistungen in Anspruch nehmen zu können.“ Ein bis zwei Mal pro Woche soll die rollende Filiale für einige Stunden vor Ort sein. Es handelt sich um ein Fahrzeug, das barrierefrei betreten werden kann, über einen Geldautomaten verfügt, Raum für Beratungen bietet, GPS-überwacht und alarmgesichert wie jede Filiale ist. Die Haltepunkte werden inklusive der Öffnungszeiten ausgeschildert.

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