1. NRW
  2. Städte
  3. Erkelenz

Konzert vom Frauenchor Auftakt mit Anette Latour und Julia Hagemann im Kaisersaal Immerath

Frauenchor „Auftakt“ in Immerath : Flotte Töne und freche Texte begeistern das Publikum

Der Frauenchor „Auftakt“ und die Musikkabarettistin Julia Hagemann wurden im Immerather Kaisersaal mit viel Beifall bedacht. Zu beginn gab es eine technische Störung, die spontan zu einer gelungenen Improvisation zwischen Chor und Publikum führte.

Wer Besucher der gelegentlichen öffentlichen Konzerte des Frauenchors „Auftakt“ ist, wird immer aufs Neue überrascht. So war es auch beim Auftritt „Flotte Töne, freche Texte“ nach drei Jahren Abstinenz, den die 20 Sängerinnen unter der Leitung von Anette Latour gemeinsam mit der Musikkabarettistin Julia Hagemann bestritten. Die Besucher erlebten dank einer längeren technischen Störung die Uraufführungen eines Kanons, den Julia Hagemann komponiert hatte. Kurzerhand improvisierte sie mit Chor und Publikum. „Was macht der Schlachter nachts auf dem Frachter?“ schallte es schließlich mehrstimmig durch den Kaisersaal, während die choreigenen Techniker konzentriert die Störung behoben. Da gab es Improvisation pur, die Chor und Publikum gemeinsam erlebten und genossen.

Das abwechslungsreiche Programm, musikalisch begleitet von Marina Weise am Stagepiano, war gespickt mit vielen neuen Liedern, die auswendig vorgetragen und mit szenischen Zwischenspielen unterlegt waren. In erster Linie nahmen sich die Frauen selbst aufs Korn, wenn sie vom Stück Hefe sangen, das in jeder Frau schlummert, oder das Stück Kuchen bitte nur mit Sahne haben wollten. Aber auch die Männer bekamen ihr Fett weg. Die frechen Texte von Julia Hagemann über Gunter oder Markus ließen manchen Mann schmollen, bevor ihm mit dem Lied „Männer muss man loben“ ein wenig scheinheilig geschmeichelt wurde.

Die Zusammenarbeit mit der diplomierten Sängerin Julia Hagemann machte sich bei der Darbietung bemerkbar. Die vielseitige Musikerin, die als Dozentin, Sängerin, Dirigentin und insbesondere als Musikkabarettistin bundesweit tätig ist, konnte den Chor motivieren. Zugleich assistierte der Chor ihr bei ihren Soloauftritten, was ebenfalls gut beim Publikum ankam. Fast schon wegen der Schnelligkeit des Vortrags nicht mehr nachzuverfolgen war das „Jochen, noch Rochen kochen!“; die Geschichte eines Kochlehrlings in einem Nobelrestaurant. Der Chor bewies hier äußerste Konzentration, um sich keine Knoten in die Zungen zu singen. Julia Hagemanns Unterrichtsstunde zum Thema „Warum haben Chansons so dämliche Melodien und Opernarien so idiotische Texte?“ kam bestens an, zumal sie ihren theoretischen Lehrstoff mit dem plastischen Beispiel einer vom Hund des Nachbarn in die Wade gebissenen Frau mit Melodien etwa von Rossini oder Verdi unterlegte. Es gab aber auch die leisen, sogar melancholischen Töne, wie etwa bei der ehemals inoffiziellen irischen Nationalhymne Danny Boy.

Mit einem zweiten Kanon „Wenn wir uns jetzt trennen“, wollte der Chor den trotz Tonpanne kurzweiligen, mit viel Beifall bedachten Auftritt beenden, doch kamen die Sängerinnen nicht ohne Zugabe von der Bühne. So hieß es für alle, die zufrieden nach Hause gingen: „Gute Nacht, Freunde!“