Kohle statt Kirche: Ein Kommentar zum Abriss des Immerather Doms

Abriss des Immerather Doms: Kohle statt Kirche

Mag die Säkularisierung fortschreiten, so ist die Kirche im Ort doch ein besonderer Bezugspunkt. Markenzeichen der Heimat, Stätte der Zusammenkunft. Auch in Immerath, wo St. Lambertus für die Braunkohlebagger weichen muss. Rechtlich zwar sauber, emotional doch sehr schade.

Das 1888 erbaute Kirchenhaus wurde von den Bewohnern stolz "Dom" genannt. Jahrelang protestierten Bewohner gegen den Abriss. Vergeblich. Das Verfassungsgericht schätzte das Gemeinwohl "Energieversorgung" höher ein als das "Grundrecht auf Heimat". Das Gotteshaus wurde entwidmet. Garzweiler hat in 50 Jahren 16 Orte und Kirchen platt gemacht. Sicher, alles rechtens.

Man schüttelt trotzdem den Kopf. Der Braunkohle-Ausstieg ist Konsens, selbst die Betreiberfirmen wollen das Geschäft loswerden und verkaufen Kraftwerke. In Garzweiler wird trotzdem noch lange gebuddelt. Die NRW-Regierungen haben sich nie wirklich getraut, die Grundsatzentscheidung der damaligen SPD-Regierung von 1995 anzupacken. Schade! Man fragt sich heute, ob NRW nicht früher und energischer eine Energiewende hätte einleiten sollen.

(brö)