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Erkelenz: Körper und Seele in Schwingung bringen

Erkelenz : Körper und Seele in Schwingung bringen

Zwei Fachkräfte aus dem Hospiz leiten ab Juni erstmals Interessierte zur "Klangmassage im Pflegebereich" an.

Es gibt Schlüsselerlebnisse aus der Anwendung von Klangschalenmassage im palliativen (Beschwerden lindernden) Bereich. Eines erzeugt bei Gerti Cleve bis heute Gänsehaut. Die Altenpflegerin und Lehrerin für Pflegeberufe erzählt von einem Wachkomapatienten im Hospiz: "Den habe ich über den Klang erreicht. Was ich zurückbekommen habe, war ein Lächeln. Der hat ganz entspannt im Bett gelegen und gestrahlt."

Ihre Kollegin Marianne Rappe denkt an einen Gast, der ihr sagte: "Jetzt bin ich ganz woanders. Nun bin ich schon im Himmel." Welch positive Auswirkungen Klangmassage im Pflegebereich haben kann, erklären beide Interessierten erstmals in einem Seminar, das nach Pfingsten im Bildungszentrum Kühlerhof beginnt.

Im Hospiz der Hermann-Josef-Stiftung arbeitet das Team auch mit alternativen Methoden. Eingesetzt werden ätherische Öle und Düfte, Energiearbeit, Snoezelen (eine aus den Niederlanden kommende Entspannungs-Methode) und Klangschalenmassage im Gesundheitsbereich. Letztere haben Marianne Rappe und Gerti Cleve in Rheine im Institut für energetische Klangarbeit in Rheine erlernt. Und ihre Erfahrung wollen sie nun weitergeben. Das Angebot richtet sich an Pflegepersonal, Ehrenamtler, Beschäftigte in Behinderteneinrichtungen, es ist darüber hinaus offen für alle interessierten Laien. In vier Tagen können Teilnehmer den Einsatz von Klangschalen erlernen und die Kenntnisse in einem zweitägigen Aufbauseminar über Einsatzmöglichkeiten bei Demenz erweitern (ein Modul kostet 195 Euro, Getränke und Beköstigung inklusive).

Wer sich auf das Erlebnis einlässt, spürt die Schallwellen aus den Klangschalen, die auf dem bekleideten Körper angeschlagen werden, tief im Leib. Die Klangmassage kann Selbstheilungskräfte aktivieren, Verspannungen und Blockaden lösen, beruhigen oder auch anregen, Schmerzen lindern, Stress abbauen. "Gefühle können sich öffnen. Man erreicht Menschen, an die man normalerweise nicht herankommt", erklärt Gerti Cleve. "Wenn Menschen sich wohlfühlen, Lymphe und Moleküle sich in Bewegung setzen, dann tut sich was im Körper." Und Marianne Rappe ergänzt: "Für uns beide ist das ein Instrument mehr in der Arbeit im Hospiz." Spenden helfen bei der Finanzierung des Kursangebotes wie auch der komplementären Angebote für Hospizgäste und Angehörige (ohnehin muss ein Hospiz zehn Prozent seiner Kosten durch Spenden hereinholen).

Jede Massage bringt etwas zum Fließen, manche wirkt tagelang nach, körperlich wie seelisch. Das Lächeln zu sehen, Sätze zu hören wie "Ich bin in einer anderen Welt" findet Gerti Cleve toll. Auch Schlüsselerlebnisse wirken lange nach. Marianne Rappe erinnert sich an eine somnolente Sterbende: "Plötzlich rannen ihr Tränchen über die Wange." Der Klang hatte bewiesen, was Pflegende den Angehörigen oft sagen, wenn sie zweifeln, ob ihre Liebsten "noch etwas mitbekommen": Der Hörsinn erlischt zuletzt.

(RP)