Klimacamp 2018 in Erkelenz - Erwartungen erfüllt

Neuntes Klimacamp in Erkelenz: Klimacamp: Erwartungen erfüllt

Der einwöchige Treffpunkt von umweltbewussten Befürwortern einer Energiewende und unermüdlichen Aktivisten gegen die Braunkohle, die sich auf einem Getreidefeld hinter dem Laheypark trafen, hatte den gewünschten Erfolg.

Die Erwartungen, die Johanna Winter als Mitglied des Organisationsteams im Vorfeld des Klimacamps gehegt hatte, haben sich voll und ganz erfüllt. Der einwöchige Treffpunkt von umweltbewussten Befürwortern einer Energiewende und unermüdlichen Aktivisten gegen die Braunkohle, die sich auf einem abgeernteten Getreidefeld hinter dem Laheypark trafen, hatte den gewünschten Erfolg. Klein, fein, konstruktiv sollte das neunte Klimacamp im Rheinland im Schatten des Tagebaus Garzweiler II sein.

„Es ist genauso abgelaufen, wie wir es uns vorgestellt haben“, bilanzierte auch Winters Kollege für die Öffentlichkeitsarbeit, Christopher Laumanns. „Und es ist sogar noch besser gewesen als erwartet.“ Die erhoffte Zahl von 500 Teilnehmern, die sich in der großflächigen Zeltstadt mit Selbstversorgungscharakter versammelt hatten, wurde locker erreicht. Nach der fast nicht mehr infrastrukturell beherrschbaren Teilnehmerzahl von rund 3000 im vergangenen Jahr erwies sich das Zurückschrauben der Zahl als sinnvoll, zumal es inzwischen vom Erkelenzer Stadtgebiet ausgehend europaweit Ableger gibt, die zum Teil zeitgleich oder an überschneidenden Terminen stattfinden.

Die Stromversorgung stellten die Aktivisten selbst sicher. Foto: Kurt Lehmkuhl

Drei Ziele habe dieses neunte Klimacamp gehabt, meinte Laumanns. So sei die Entwicklung von Strategien für die Zukunft ein wichtiges Thema gewesen. Dazu gehört auch eine noch engere Vernetzung mit anderen Aktivisten; etwa bei der Bewahrung des Restes vom Hambacher Forst. Als Zeichen der Solidarität sollte auch ein Gartenhaus dienen, das in dem Klimacamp gebaut wurde und zum Hambacher Forst transportiert werden sollte, aber von einem Polizeiaufgebot gestoppt wurde. „Die Polizei glaubt wohl, es sei ein Baumhaus.“ Die Rettung des Restwalds am Tagebau Hambach sei jetzt eine vorrangige Aufgabe, zumal die engagierten Klimaschützer befürchten, dass vor der eigentlichen Rodungsaktion die Tagebaubetreiber und die Polizei alles unternehmen, um den Wald von Tagebaugegnern und deren Hütten zu räumen.

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Wichtig sei auch eine engere Zusammenarbeit mit den Anwohnern des Klimacamps in Erkelenz aus den von der Umsiedlung betroffenen Dörfern. Hier hätten sich einige neue Beziehungen ergeben dank der Angebote des Klimacamps. Viele interessierte Bürger wären zu Besuch gekommen. Es gab ein Konzert im großen Zirkuszelt, ein Freundschaftsspiel gegen die Fußballer von Germania Kückhoven, eine Andacht an den Fundamenten des zerstörten Immerather Doms. Die gegenseitige Akzeptanz sei größer geworden, ein Zusammenspiel möglich. Laumanns glaubt ebenso wie Winter daran, dass die Dörfer noch zu retten seien. „Wenn es uns gelingt, der Öffentlichkeit zu zeigen, welche Kostbarkeit beispielsweise die Kirche in Keyenberg ist, wird der Protest gegen den Abriss noch lauter werden als der beim Immerather Dom.“ Jetzt seien die Menschen für diese Problematik des Verlusts von unwiederbringlichen Kulturgütern sensibilisiert. Außerdem hätten sich die politischen Rahmenbedingungen beim Braunkohleabbbau geändert. „Es geht nicht mehr um das Ob, sondern um das Wann.“ Insofern war die Podiumsdiskussion mit Für und Wider beim Braunkohleabbau, die trotz kontroverser Positionen in einem harmonischen Rahmen verlief, für Laumanns das „Highlight des Camps“.

Eine dritte Überlegung der Klimacampbewohner bezieht sich auf die inhaltliche Ausrichtung der zukünftigen Arbeit. Nicht nur die Braunkohle ist ein Klimakiller. Die Landwirtschaft, die Mobilität sind weitere Felder, bei denen es im Sinne einer Klimagerechtigkeit Veränderungen geben sollte. Dennoch solle beim Klimacamp im Rheinland der Schwerpunkt auf dem Kampf gegen die klimazerstörende, umweltvernichtende und heimatraubende Braunkohle liegen.

Ob es dazu im kommenden Jahr kommt? Eigentlich müsste es als kleines Jubiläum das zehnte Klimacamp im Bereich des Tagebaus Garzweiler geben – gerne auch größer und mit mehr Aktionen, wie die Teilnehmer bei einer abschließenden Diskussionsrunde als Wunsch äußerten. Doch darüber will das Organisationsteam erst im Spätherbst entscheiden, wenngleich die Weichen dafür gestellt sind. Das größte Problem ist der Platz. „Es wird immer schwerer, ein Feld für unser Klimacamp zu finden, weil viel Druck auf Landwirte aufgebaut wird“, heißt es.

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