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Erkelenz: Kinder trainieren wie die Zirkusprofis

Erkelenz : Kinder trainieren wie die Zirkusprofis

Diese Woche macht der Mitmachzirkus Soluna Station im Ziegelweiherpark. Tiere gibt es keine, auch keine professionellen Akrobaten. Darsteller sind Kinder und Jugendliche aus der Region. Die üben seit Montag fleißig.

Das Ding ist keine Attrappe - so viel steht fest. Das Nagelbrett, das Betreuerin Lea Schreinemacher (16) mit ihrer Kollegin Christina Eßer (16) vor dem großen Zirkuszelt vom pädagogischen Circus Soluna soeben geöffnet hat, ist scharf: echte Nägel, die beim Befühlen mit der Hand pieksen und nicht unbedingt Lust auf intensivere Erkundung machen. Gleiches gilt für das daneben aufgestellte Bassin mit Glasscherben - selbstverständlich ebenfalls echte.

Was die umstehenden Nachwuchsfakire aber nicht abschreckt. Als Erster legt sich Liam (10) aufs Nagelbrett. "Es piekst überhaupt nicht", beteuert er. Danach legt sich Niklas (12) mit dem Bauch drauf, und Merlin (9) steigt ihm auch noch auf den Rücken - ebenfalls ohne Probleme. Den Vogel schießt aber Lea Schreinemacher selbst ab - bei der sogenannten Sandwichnummer: Die Betreuerin legt sich mit dem Rücken auf die Glasscherben, lässt sich dann das schwere Nagelbrett (natürlich mit den Nägeln nach unten) auf den Bauch hieven, und Lennard (13) steigt zur Krönung oben drauf - der Beobachter kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Lea bleibt aber cool: "Das ist alles nur eine Frage der Konzentration und des Vertrauens."

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Bemerkenswertes wird zeitgleich auch im Zirkuszelt geboten. Da winden sich Kinder am Trapez behände nach oben, als ob sie das schon immer getan hätten. "Die haben in den paar Tagen unheimliche Fortschritte gemacht", lobt Simon Heinen (18), der die Trapezkünstler mit Daniel Weber (17) und Louisa Paulußen (15) betreut.

Direkt dahinter geht's buchstäblich feurig zu - bei der Feuerschlucker-Gruppe. Und die wird vom "Chef" persönlich betreut: Birger Koch, seit 20 Jahren Zirkuspädagoge mit Leib und Seele, führt seine Zöglinge (und auch deren Betreuer) behutsam in die Kunst der Feuer-Jonglage ein - getreu seiner Devise, dabei selbst immer weiter in den Hintergrund zu treten und die Teilnehmer machen zu lassen. "Spaß und Selbstverantwortung gehören unbedingt zusammen", lautet sein Credo, das er mit einem Beispiel unterfüttert: "Im Straßenverkehr ist es ja auch nicht mit dem bloßen Helmaufsetzen zur Sicherheit getan. Mitdenken ist angesagt - und das gilt auch bei uns im Zirkus." Bei diesem Projekt gehe es eben nicht nur um Bespaßung der Kinder und Jugendlichen. "Wir sind keine Luftballonhalter. Wir wollen die Teilnehmer vor Herausforderungen stellen, an denen sie wachsen. Am Ende dieser Woche können sie Dinge, die sie sich vorher nicht zugetraut haben."

50 Projekte führt der Zirkus mit zwei Zelten und acht Mitarbeitern im Jahr durch - in Deutschland, Holland, Belgien und Österreich. Koch: "Wir sind nicht nur in Ferien aktiv. Ebenso werden wir von Schulen für Projektwochen gebucht, vor allem von Grund-, Haupt- und Förderschulen." Nicht nur die Kinder und Jugendlichen würden eine ganze Menge lernen. "Das gilt genauso für Lehrer und Betreuer. Wichtig ist, dass gemeinsam gelernt wird."

(emo)