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Keyenberg: Nachhaltiges Zeichen des Widerstands gegen Tagebau

Aktionsgemeinschaften pflanzen Baum in Keyenberg : Nachhaltiges Zeichen des Widerstands

Nachhaltig sein soll der Protest und der Widerstand gegen die Fortsetzung des Tagebaus Garzweiler II im Erkelenzer Osten. Ganz in diesem Sinne luden Aktionsgemeinschaften zur Baumpflanzung auf der Obstwiese von „Menschenrecht vor Bergrecht“ am Ortsausgang von Keyenberg ein.

„Heute lautet das Motto ‚Pflanzen statt Roden‘“, meinte Britta Kox im Namen von „Alle Dörfer bleiben“, als sie überraschend viele Teilnehmer am Wendehammer am Ende der L 277 begrüßte. Trotz des nass-kalten Wetters hatten sich fast 100 Menschen zum Dorfspaziergang mit Baumpflanzung zusammengefunden, begleitet und beobachtet von einer beachtlichen Polizeipräsenz. „Wir müssen nachhaltig sein“, sagte auch Michael Zobel, der bereits im 79. Monate in Folge zu Spaziergängen im Bereich des Hambacher Forstes und der bedrohten Dörfer im Erkelenzer Osten einlädt. „Wir müssen noch lange weitermachen im Sinne des Klimaschutzes. Alle wissen um die Gefahren, die Wissenschaftler ebenso wie die Politiker. Doch die Politiker haben nur das Interesse eines Konzerns im Sinn“, beklagte er.

Ins gleiche Horn blies Marita Dresen, die für „Menschenrecht vor Bergrecht“ an der Obstwiese redete. „Die Braunkohle dient längst nicht mehr dem Allgemeinwohl“, meinte sie. „Die Leitentscheidung der Landesregierung hat für uns keine rechtliche Bedeutung. Über unsere Wiese werden die Gerichte entscheiden und nicht ein Deal zwischen Land und RWE.“

Der Widerstand werde so nachhaltig und stark sein wie der Baum, der auf der Wiese einen Platz fand, erläuterte der Fotograf Frank Breuer, der das Kunstprojekt Wildwuchs / Apfelbaum #1 2014 ins Leben rief. Der neue Baum in Keyenberg sei ein Sprössling eines Apfelbaums, der sich über Jahrzehnte mitten in einer Betonwüste gehalten habe.

Der Setzling habe eine faszinierende Geschichte: Der Ursprungsbaum wuchs seit den 70er Jahren in einem Überseehafen, für den in den 60er Jahren ein Polderdorf weichen musste. Damals wurden dort alle Gebäude bis auf den Kirchturm zerstört. Südöstlich des Kirchturms, in seiner Nische in einem Gleisdreieck, wuchs der widerständige Apfelbaum über 40 Jahre lang – umströmt vom Güterverkehr auf Schiene und Straße und bedrängt von parkenden Lkw. Jahrein, jahraus blühte er und brachte prächtige Äpfel hervor, bis er vor zwei Jahren für eine Bauerweiterung aus dem Boden gerissen wurde.

Der Apfelbaum soll auf Dauer seine Heimat in Erkelenz-Keyenberg finden – anders etwa als die Mahnwache bei Lützerath oder die Baumhäuser an der Keyenberger Motte. Die Widerstandszeichen sollen bleiben, bis die Bagger abdrehen und die Orte verschonen. „Wir machen uns bereit für den Winter“, verrät Benna, der an der Mahnwache ausharrt. Vom Zeltdorf werden die Mitglieder in eine Scheune umziehen.

Davon kann bei den Baumhäusern keine Rede sein: Sie werden derzeit isoliert und mit Planen vor Sturm und Regen geschützt. Zur Mahnwache und zu den Baumhäusern zog es nach der Pflanzaktion und dem Spaziergang viele Interessenten. Anderen nahmen an der abschließenden Andacht teil, zu der das Bündnis „Kirche im Dorf lassen“ eingeladen hatte.