Keine Wartezeit auf Integrationskuse mehr in Erkelenz

Erkelenz: Wartezeit auf Integrationskurse abgebaut

Samira Meurer ist in Erkelenz seit einem Jahr städtische Beauftragte für Integrationsfragen. Dank neuer Angebote gibt es jetzt keine Wartezeit auf Integrationskurse mehr. Ideen von Ehrenamtlichen, wie für ein Möbellager, umgesetzt. Neues in Planung.

Der Blick in die Statistiken lässt vermuten, dass die große Welle vorüber ist, während der täglich neue Asylsuchende in Erkelenz - wie überall in Deutschland - ankamen. "Das stimmt so jedoch nicht", entgegnet der Erkelenzer Beigeordnete Hans-Heiner Gotzen. "Es kommen weiterhin neue Menschen an, doch tauchen die nicht in den Statistiken der Sozialämter auf. Zurzeit ist die Familienzusammenführung unser großes Thema."

Nur neue Zuweisungen von Asylsuchenden werden vom Sozialamt erfasst, nicht allerdings Familienangehörige, die nach durchlaufenem Asylverfahren nachziehen. Von deren Ankunft bekommt das Amt zunächst nichts mit, "aber auch diese Menschen müssen begleitet und betreut werden", erklärt Hans-Heiner Gotzen im Gespräch mit unserer Redaktion und weist darauf hin, dass das Flüchtlingsthema weiter Bestand hat. Deshalb ist die Arbeit von Samira Meurer so wertvoll, die seit einem Jahr für die Stadtverwaltung in Erkelenz als Beauftragte für Integrationsfragen tätig ist.

Meurer bekommt durch ihre Arbeit mit den Flüchtlingen, den in Erkelenz weiterhin vielen Ehrenamtlichen, den Verbänden, Organisationen, Institutionen und Kirchen mit, wo Familien nachziehen und wenn Hilfen benötigt werden. Dann können auch sie unterstützt werden, so wie die vielen anderen Menschen, deren Integration Meurer zu koordinieren hilft. Dass es ein sehr gut funktionierendes Netzwerk sei, das diese Aufgabe in gemeinsamer Arbeit leiste, ist ihr dabei wichtig zu betonen. "Die Schulen und Kindergärten integrieren sehr schnell und sehr gut", erklärt Meurer. "Und wir können auf 97 Ehrenamtliche zurückgreifen, von denen in meinem ersten Jahr keiner abgesprungen ist und zu denen noch neue hinzugekommen sind. Es ist zudem eine Gruppe zurückgekehrt, weil sie sich jetzt nicht mehr um die ganzen Behördendinge kümmern muss, sondern ich daran mitarbeite. Ich glaube, die Ehrenamtlichen fühlen sich erleichtert, solche Themen an mich abgeben zu können."

Zur gelingenden Integration tragen Meurer zufolge momentan sieben Integrationskurse bei, in denen jeweils bis zu 23 Teilnehmer in 500 bis 900 Stunden beschult werden. Vor einem Jahr hätten die Flüchtlinge bis zu einem Jahr auf einen Platz in solchen Kursen warten müssen. "Inzwischen haben wir mit dem Anbieter Tertia diese sieben Kurse organisiert, und es gibt keine Wartezeit mehr", erklärt Samira Meurer.

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Auch Asylsuchende aus Nachbarstädten könnten mitversorgt werden. Geschaffen worden sind in ihrem ersten Jahr als Integrationsbeauftragte zusätzlich Kurse ähnlichen Inhalts für Menschen ohne Bleibeperspektive, über die auch in Praktika und Ausbildung vermittelt werden kann. Bedarf an einem weiteren Kursus gibt es dennoch, stellte Meurer bei Besuchen in den Flüchtlingsunterkünften fest: "Wir bereiten derzeit einen Integrationskursus für Frauen mit Kindern unter drei Jahren vor, die währenddessen betreut werden. Die Idee dazu ist mir in einer Unterkunft mit vielen alleinerziehenden Frauen gekommen, deren Teilnahme an den anderen Kursen wegen der zu betreuenden Kindern nicht möglich ist."

Ehrenamtliche in der Erkelenzer Flüchtlingshilfe kommen zu monatlichen Treffen zusammen wie auch ein Arbeitskreis mit Verbänden, Kirchen und Organisationen regelmäßig tagt. Meurer koordiniert auch hier, was sie mit Begeisterung erfüllt: "Es ist beispielsweise toll zu sehen, wie aus dem Ehrenamtstreffen heraus die Idee zu einem Möbellager für Flüchtlinge entstanden ist, das anschließend von fünf Herren aufgebaut wurde - es ist inzwischen proppenvoll, so dass sich bei mir auch andere bedürftigee Deutsche melden können, um Möbel abzuholen."

Freude bereitet Meurer auch die ausgebaute Kooperation mit dem Kinderschutzbund in Erkelenz und den Kindergärten und Schulen, von denen einige im April ihre Schüler mit Migrationshintergrund abfragen werden, ob und wie viel Interesse an Kursen in ihrer Muttersprache besteht. "An der Astrid-Lindgren- und Hauptschule gibt es solche Kurse schon. Es könnte aber mehr geben", sagt Meurer. Die Idee dahinter ist, dass für Kinder zu gelingender Integration auch gehöre, die Sprache der Eltern zu kennen.

(spe)