Erkelenz: Katzen, Elfen & Co. trotzen der Nässe

Erkelenz: Katzen, Elfen & Co. trotzen der Nässe

Attraktiv nicht für Einheimische, sondern auch für viele Gastjecke aus der Umgebung zeigten sich die Züge in Katzem und Lövenich.

In Katzem läuft das am Tulpensonntag so: Ab 13.11 Uhr rotten sich gefühlt alle der 1132 Einwohner, acht Frauen mehr als Männer, im Bürgersaal zur Feier des Karnevals zusammen. Vorher aber verschafft man sich raffinierte zwei Stunden Vorfreude, indem man ab 11.11 Uhr zu Fuß oder auf voluminösen Wagen durch fast alle Straßen zieht, wozu das Vorspiel vom Trommler- und Pfeiferkorps des Orts geleistet wird, das traditionell den Zug anführt. Traditionell beschließt die veranstaltende Karnevalsgesellschaft "Katzeköpp" den Zug mit ihrem Wagen, der echt kätzerisch "Mimi Marleen" heißt.

Gute Laune herrschte auch auf dem Elferratswagen der KG Katzeköpp, der sich beim Zug in einem Narrenschiff durch den Ort bewegte. Foto: Ruth Klapproth

Blau und Gold sind die vor allem an kalt-ruppigen Februartagen warmen Farben des Dorfs, das als einziges eine Straße namens "Vorstadt" beherbergt, auf deren Bürgersteigen schon Stunden vor dem Zug gefühlt alle zehn Meter Getränke-Depots angelegt werden, die bis kurz vor 13 Uhr auch zu Menschen-Depots werden. Aber noch unendlich viel mehr Süßigkeiten-Depots werden am Zugrand angelegt, in hochvolumigen Taschen, die sich in Kinder-, Mama- oder Oma-Hand befinden und kurz vor 13 Uhr respektabel gefüllt sind mit Gummibärchen, Schokoriegeln und ebensolchen Tafeln, den letzten Lebkuchenpäckchen von Weihnachten wie auch von Pop-Corn - alles geschleudert von Hoch-Wagen, von denen Pop-Musik und Pop-Karnevals-Musik schallt, alles markant, aber in respektvoller Lautstärke.

Als große Taschen-Familie unter dem Motto "De Täschkes" machte diese Fußgruppe im Lövenicher Tulpensonntagszug auf sich aufmerksam. Foto: Ruth Klapproth

19 Punkte umfasste die Teilnahmeliste des Tulpensonntagszugs, die Katzeköpp-Präsident Wolli Coenen und Vorsitzender Theobert Bläsen auf "Mimi Marleen" mit Lautsprecher und Bierflasche abarbeiteten. Bier gab's auch von den Hoch-Wagen, wurde aber den speziellen Empfängern von oben per Flasche in die Hand gedrückt.

In die Welt des "Herrn der Ringe" entführten die Königsberger aus Lövenich beim Zug durch den Ort. Foto: Ruth Klapproth

Naturgemäß zeigte sich in Katzem ein Teil der Narrenschar im Katzen(m)-Outfit, auch schon mal in der sibirischen Variante, dem Tiger. Ein kleiner Trend führte auch auf und an den Wagen in die Karibik - die Piraten waren los.

Süßigkeiten und Fruchtsäfte (Gerste) kamen bei weitem nicht nur von Katzemer Wagen und Fußgruppen, denn das Örtchen hat Attraktivität auch für Narren etwa aus Baal, Kückhoven, Granterath, Immerath, Holzweiler, Jackerath, Wockerath, Golkrath und sogar Erkelenz, vertreten von der Katholische Land-Jugend.

Und das passte ebenfalls gestern in Katzem, denn die weit, weit überwiegende Zahl der Wagen-Mannschaften und Fußgruppen zeigte sich im Twen-Alter - da muss dem Karneval also vor der Zukunft nicht bange sein, weder in Katzem noch in den benachbarten Dörfern.

Der verstorbene Regionalhistoriker Leo Gillessen schrieb zwar vor 25 Jahren, dass der Ortsname das Grundwort "Heim" (-em) beinhalte, das Beziehungs-Wort Katz- sich aber keinesfalls auf Katze beziehe. Keine Angabe machte er dazu, ob es (zumindest an Karneval) vielleicht einen Bezug zum Mann der Katze wäre, dem Kater, gibt ...

"Unser Sonnenschein", so bezeichnete Zugleiterin Helga Mann die Prinzessin der KG Lövenicher Hoppesäck, bevor diese mit ihrem Gefolge den Prinzenwagen an der Mehrzweckhalle bestieg. Über 350 Aktive und über 20 Abteilungen marschierten an dem Wagen vorbei, ehe er sich selbst als krönender Abschluss des Tulpensonntagzugs in Bewegung setzte. Überall auf der Zugstrecke jubelten zahlreiche Zuschauer Prinzessin Andrea I., ihrem Gefolge und dem Kinderprinzenpaar Bo I. und Katharina I. zu. "Es ist traumhaft", freute sich Prinzessin Andrea. I. die ihrem Motto "Elfen gibt es überall, jetzt auch hier im Karneval!" folgend, mit ihrer Elfenschar durch das Nysterbachtal tanzte. Traumhaft war für sie nicht nur der Zug, traumhaft war für Andrea I. die gesamte Session gewesen mit vielen Höhepunkten, die, wie die phänomenale Gala, unvergessen bleiben werden.

Auch Günter Sonnenschein, langjähriger Chef der Vereinigung der Karnevalsgesellschaften der Erkelenzer Lande, machte bei seinem kurzen Abstecher nach Lövenich seinem Namen alle Ehre. Er verabschiedete sich auf diese Weise nach über 20-jähriger Funktionärstätigkeit von den Hoppesäck und dankte mit einem selbstgemalten Abschiedsgeschenk - und eben etwas Sonnenschein. "Egal ob wir Sonnenschein haben oder es regnet oder bitterkalt ist, ist es warm ums Herz", freute sich die Oberelfin Andrea I. über den Zug zu ihren Ehren und über die vielen jubelnden Schaulustigen. Sie alle bekamen viel zu sehen und zu bestaunen, Bewährtes und Neues wechselte sich ab bei dem farbenfrohen Zug durchs Nysterbachtal.

Dabei können sich die Hoppesäck nicht nur auf die Teilnehmer aus dem eigenen Ort verlassen. Die Freunde aus Baal machen selbstverständlich in Lövenich bei dem Zug mit, der vom Trommler- und Pfeifercorps Lövenich angeführt wurde. Die Baaler Dorfjugend war mit dem prächtigen Wagen Gostbuster zu Gast, die Tanzsportgemeinschaft Lövenich-Baal zeigte sich gleich mit drei Fußgruppen. Der Musikzug Freisinn Baal sorgte für schöne jecke Tön'.

Die Hoppesackpiraten hatten natürlich auch ihr Versteck verlassen und tanzten mit den Elfen. Wie fast immer dabei waren die Königsberger, das Lustige Dreieck, die Narren ohne Namen, De Täschkes und die Gruppen von Aribert Mathissen und Jörg Mathissen sowie die Schützenbruderschaft samt Freunden und die Minions.

Und auch für die, die nicht mehr so gut zu Fuß sind, hatte die KG vorgesorgt. Für sie stand ein Oldtimerbus bereit, in dem sie beim Zug mitfahren konnte. "Das ist ein schöner Zug der Gesellschaft", lobte Heinz-Josef Kloeters diese Aktion, die es auch langjährigen Karnevalisten ermöglicht, hautnah und mittendrin dabei zu sein.

Obwohl nur in Schwarz und Gold gewandet, war die Gruppe Rita Eidens einer der schönsten Farbtupfer im Lindwurm, der auch auf Bedrohtes/Vergangenes hinwies. So gab es den Hugh-Hefner-Gedächtniswagen ebenso wie das SOS im Tiergarten und hochaktuell nach dem Abriss des Immerather Doms die Aktion "Trinken gegen das Vergessen mit dem Immerather Domkölsch".

In die Welt der Fantasie entführte die Gruppe "Das Ding mit dem Ring", und vor dem Prinzenwagen, der eigentlich eine Elfenhochburg war, tanzten die Piraten und Feen. Und auch nach bunten Zug durch den Ort war das Elfentreiben längst noch nicht zu Ende. In der Nysterbachhalle gab es den zünftigen Ausklang. Jetzt dauert es nur noch wenige Stunden bis Aschermittwoch, ehe die Elfen Lövenich verlassen und wieder Platz machen für die Menschen - aber sie haben närrische Spuren hinterlassen.

(isp/kule)