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Karneval in Erkelenz: Jeckes Stelldichein beim Prinzenempfang auf Burg

Karneval im Erkelenzer Land : Jeckes Stelldichein auf Burg Erkelenz

Peter Jansen erlebt den letzten Prinzenempfang auf der Burg Erkelenz im Amt des Bürgermeisters. Eine tolle Kostümsitzung feiern die Jecken in Gerderhahn. Die „Lachende Bossarena“ in Holzweiler war erneut ausverkauft.

Für Bürgermeister Peter Jansen war es der letzte Prinzenempfang. Auch Alleinunterhalter Kurt Forg hört auf. Als sich Narrenregenten, Dreigestirne und jecke Delegationen am Sonntagmorgen im altehrwürdigen Gemäuer der Burg Erkelenz versammelten, überreichte der Verwaltungschef dem Matzerather Stimmungskünstler eine ganz besondere Urkunde. „Danke für die vielen Jahre“, sagte Jansen. Und betonte mit Blick auf das Erinnerungs-Schriftstück: „Für treue Musikbegleitung des Prinzenempfangs seit Menschengedenken“.

Für die geladenen Narren, die in dieser Session ohne Prinzenpaar auskommen müssen, hatte Peter Jansen einen kleinen Trost parat: „Auch ohne Tollitäten seid Ihr toll genug.“ Viel Lob gab es von ihm für den gelungenen Auftritt der Gerderhahner Garde-Mädchen. Die jungen Nachwuchstänzerinnen in ihren dunkelgrünen Kleidern, die von ihren Müttern zur Erkelenzer Burg begleitet wurden, schafften es, auf engstem Raum und ohne Bühne ihren aktuellen Sessionstanz aufzuführen. „Nachwuchs ist das, was wir brauchen“, machte das Stadtoberhaupt deutlich. Nicht nur die offiziellen Gesellschaften waren zum traditionellen Prinzenempfang der Stadt Erkelenz eingeladen. Die Nachbarschaft Brückstraße nahm mit Fürst Friedel und Fürstin Andrea (Ehepaar Bündchen) teil, die Flotte Theke hatte Prinz Manfred Bach entsandt.

Bei der Gerderhahner Kostümsitzung brachten Sänger Timo Tiggeler und die „Kölsche Adler“ Stimmung in den Saal. Foto: Ruth Klapproth

Bei der grün-weißen Karnevalsgesellschaft Gerderhahn sind die Jobs fest verteilt. Vor allem im Sitzungsgeschehen. Während die Löscheinheit Gerderhahn der Erkelenzer Feuerwehr gewohnt zuverlässig den Thekendienst organisierte, sorgte Karl-Heinz Feiter dafür, dass die Kostümsitzung fotografisch dokumentiert wird. Ganz nebenbei fand dann auch Elferratsmitglied Heiner Haupts noch die Zeit, um das Publikum darüber in Kenntnis zu setzen, dass die Gladbacher Borussia bei Fortuna Düsseldorf gerade ordentlich abschneidet. Und mittendrin führte Präsident Frank Salewski durch ein Programm, das für dieses kleine Dörfchen ganz klar die Kategorie „hochkarätig“ erreicht.

Dirk Zimmer und Markus Kirschbaum sorgten als Willi und Ernst für ein begeistertes Publikum in der Lachenden Boss Arena in Holzweiler. . Foto: Ruth Klapproth

Nicht ungewöhnlich ist, dass die Gerderhahner Mehrzweckhalle restlos ausverkauft ist. Besucher Dirk hat dafür eine einfache Erklärung: „Wir kommen gar nicht aus Gerderhahn, aber die Sitzungen hier sind fantastisch.“ Zu den charmanten Stars der Kostümsitzung zählte der Nachwuchs. Die Minitanzgruppe setzte das Thema „Unten im Meer“ tänzerisch um und setzte mit tollen Requisiten schöne Akzente. Nur wenig später schaffte es die Gardetanzgruppe, die Jecken im Saal von den Stühlen zu holen. Die von Kristina van der Beek und Julia von der Burg trainierten Gruppen waren süße Highlights der Sitzung. Und dann das: Mit Thorsten Bär kündigte Frank Salewski einen in Hessen geborenen Hamburger an. Salweski merkte dazu an: „Nüchtern betrachtet bringt er für rheinische Verhältnisse keine guten Voraussetzungen mit.“ Doch er wusste schon zu gut, dass das Nordlicht mit Stand up-Comedy den Nerv des Publikums treffen würde.

Vom Bühnenrand aus beobachtete das Prinzenpaar mit Prinz Anton I. und Prinzessin Elvira I. (Ehepaar Boms) das jecke Geschehen, in dem die Gerderhahner unter anderem auch Willi & Ernst, die Kölschen Adler, Kellerjunges und auch die guten Freunde der Traditionellen Funkengarde Erkelenz begrüßten.

Zum fünften Mal lud der Holzwiller Klüngel zur „lachenden Bossarena“ ein – und zum fünften Mal konnten sich die Klüngel-Mitglieder über einen ausverkauften Saal Boss freuen. Unter dem Motto „Holzweiler lebt, Holzweiler bebt!“ sorgte die Klüngeltruppe für Karnevals der allerbesten Güte mit einer bunten Mischen aus heimischen und auswärtigen Kräften.

Das bewährte Moderatorenteam des närrischen Treibens, Betty von Wirth und Jose Lale-Lopez, gemeinsam mit den Klünglern vom Trommlercorps Holzweiler auf die Bühne geleitet, hatte wenig Mühe, die von Beginn an ausgelassene Stimmung im proppenvollen Saal hochzuhalten. Nicht nur die Garden, die der Klüngel aufbot, erhielten viel Beifall, auch die Musikgruppen Kellerjunges und Op Kölsch sowie das witzige Duo Willi und Ernst, der komödiantische Artist Christoph Engels oder der weithin bekannte Büttenredner Thorsten Bär unterhielten bestens. Der schon traditionelle Besuch der KG Katzeköpp aus Katzem und der abschließende Auftritt der Band Kölsche Adler sorgten für närrische Ausgelassenheit.

Den meisten Beifall heimsten trotz der renommierten Gäste die Garden aus Holzweiler ein. Die jüngere Mädchengarde begeisterte mit ihrem Aerobic-Tanz, die Jumpies, die ihr zwei-mal-elfjähriges Bestehen feiern, trat als Rockabillies auf und die Männertruppe Chicos hatte sich in diesem Jahr Harry Potter als Thema ausgewählt. Bei all dem Bewährten und Beliebten in Holzweiler gab es dennoch eine Neuerung, von der die Besucher während der Sitzung nicht viel mitbekamen.

Der Holzwiller Klüngel, der die Nachfolge des Männergesangvereins bei der Gestaltung des Sitzungskarnevals übernommen hat, hat sich zu Beginn des Jahres als eigenständiger Verein gegründet. „Bisher waren wir unter dem Dach der Dorfgemeinschaft gut aufgehoben“, meinte Betty von Wirth. Jetzt sei es aber an der Zeit sich zu verselbstständigen und als Verein Mitglied in der Dorfgemeinschaft zu bleiben.