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Erkelenz: Jugendhaus St. Josef schließt für immer

Erkelenz : Jugendhaus St. Josef schließt für immer

Für zahlreiche Kinder und Jugendliche war das Haus an der Borschemicher Marienstiftstraße der Inbegriff von Gemeinschaft und Gebet. Die letzten Gäste waren am Wochenende die Pfadfinder des Stammes aus Mariadorf.

Viele Kinder und Jugendliche haben hier ihre Freizeit verbracht, entweder in Messdienergruppen oder mit den Pfadfindergruppen oder in anderen Zusammensetzungen — das Jugendhaus St. Josef war ein ein beliebter Treffpunkt. Das Haus und das großzügige Gelände bot viel Platz, und auch das beschauliche Borschemich und seine Bewohner war immer geschätzt bei den Gruppen, die in dem Jugendhaus Station machten.

 Die letzten Gäste: Der Pfadfinderstamm aus Mariadorf (hier im ehemaligen Kreuzgang) war noch am Wochenende zu Gast in Borschemich.
Die letzten Gäste: Der Pfadfinderstamm aus Mariadorf (hier im ehemaligen Kreuzgang) war noch am Wochenende zu Gast in Borschemich. Foto: KN

Seit dem vergangenen Wochenende ist all' das Geschichte. Die Pfadfinder aus Mariadorf waren die letzte Gruppe, die das Borschemicher Haus für eine Freizeitmaßnahme genutzt haben — zum Jahresende schließt das Jugendhaus St. Josef. Das Haus, das dem Bistum Aachen gehörte, ist längst an den Energieriesen RWE Power veräußert worden. Die Deutsche Pfadfinderschaft St. Georg im Diözesanverband Aachen war in den vergangenen neun Jahren Mieter des Objektes. Geschäftsführer Heribert Rychert und Erika Haase, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, erläuterten die Hintergründe der Schließung.

 Die Tür bleibt nun für immer verschlossen: Zum Jahresende geben das Bistum Aachen als Eigentümer und die DPSG im Diözesanverband als Mieter das Jugendhaus St. Josef in Borschemich an der Marienstiftstraße auf.
Die Tür bleibt nun für immer verschlossen: Zum Jahresende geben das Bistum Aachen als Eigentümer und die DPSG im Diözesanverband als Mieter das Jugendhaus St. Josef in Borschemich an der Marienstiftstraße auf. Foto: LAASER

Eher durch Zufall sei man an das Haus gekommen, sagte Heribert Rychert. Vor und zehn Jahren, als das Bistum Aachen in einer großen Finanzkrise steckte, sollte das Jugendhaus St. Josef verkauft werden. Der zu Beginn des Jahres plötzlich verstorbene Pfarrer Franz Josef Semrau hatte sich dafür stark gemacht, das Haus in irgendeiner Weise zu erhalten. Vor neun Jahren stieg die DPSG ein. "Eigentlich sollten es ja nur drei, vier Jahre werden", so Rychert. Doch die DPSG bereue es nicht, noch bis zum letzten Tag das Haus mit Leben gefüllt zu haben.

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Mehr als 11 000 Übernachtungen zählte das Haus pro Jahr. Rund 50 Betten standen in dem Selbstversorgerhaus zur Verfügung. Unterteilt war das Haus in drei Wohneinheiten. Zu jeder gehörte eine Küche, ein Essraum sowie Arbeits- und Aufenthaltsräume. Vielseitige Freizeitmöglichkeiten boten auch die Spiel- und Werkräume und vor allem das Außengelände boten jede Menge Platz. Auch gab es mal eine kleine Kapelle, die zuletzt als Meditationsraum eingerichtet war.

"Jetzt ist der Punkt gekommen, an dem es hier zu trist geworden ist", sagen Heribert Rychert und Erika Haase übereinstimmend. Dabei sehen sie sich in einem der Aufenthaltsräume um, blicken aus dem Fenster — auch bei ihnen ist die Wehmut groß, das Haus in dem sterbenden Ort, der den Braunkohlenbaggern weichen muss, aufgeben zu müssen. Viele schöne Erlebnisse verbinde die DPSG mit dem Jugendhaus.

In Kürze kommt ein Spediteur, der kalkulieren wird, wie viele Lkw-Ladungen nötig sein werden, um das Inventar umzuziehen. Gebracht wird es ins Jugendhaus nach Wegberg-Watern, nach Kall-Krekel und nach Schmidt. In Nideggen-Schmidt ist die DPSG übrigens fündig geworden. Die Jugendstätte Rursee soll eine Art Ersatz für das Borschemicher Haus sein. Heribert Rychert: "Wir haben drei Jahre lang gesucht, vor allem in der Umgebung. Aber dann mussten wir den Radius ausdehnen. Ich denke, Schmidt wird eine ebenso tolle Stätte sein."

Und dann geht es raus in Kälte, vorbei an dem zuwuchernden Eingang — die jahrhundertealte Geschichte des Hauses ist jäh beendet.

(RP)