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Jörg Nießen mit neuem Buch: Rettungsgasse ist kein Straßenname

Neuerscheinung : „Bereichernd, zehrend, herausfordernd“

Von Erfolgsautor Jörg Nießen ist das fünfte Buch erschienen. In dem erzählt er, was er als Rettungssanitäter alles erlebt: „Mich belasten die Einsätze, in denen ich feststellen muss, dass unser soziales System versagt.“

Auf der Arbeit hat er sich ein paar Tage frei genommen. Überstundenabbau, ein Termin jagt den nächsten. Zwischen Foto-Shooting für die Deutsche Presseagentur und der offiziellen Präsentation seines mittlerweile fünften Werks mit dem beziehungsreichen Titel „Rettungsgasse ist kein Straßenname“ nimmt sich der Erkelenzer Erfolgsautor Jörg Nießen Zeit für ein Interview. Der 43-jährige Rettungssanitäter und Feuerwehrmann beschreibt, wie sich das Verhalten Unbeteiligter bei einem Rettungseinsatz verändert hat, berichtet von seinem Alltag und den größten Herausforderungen, die sein abwechslungsreicher Beruf mit sich bringt.

Herr Nießen, nach eineinhalb Jahren melden Sie sich mit Ihrem neuen Werk zurück.

Nießen Ja, es ist viel Zeit vergangen. Ich hoffe, ein schönes Buch abzuliefern, das als unterhaltsam und lesenswert empfunden wird.

Inwieweit hat sich das Verhalten Unbeteiligter bei Ihren Einsätzen verändert, seit wir Smartphones mit Kameras benutzen? Wie gehen Sie damit um?

Nießen Zunächst mal unterscheide ich zwischen Angehörigen, die sich in dem Moment in einer Stresssituation befinden, und dem 20-jährigen Gaffer in Jogginghose, der mit seinem Handy filmt und Fotos macht. Es ist schon schlimmer geworden. Hier und da wird man beschimpft, und auch körperliche Übergriffe sind nicht ganz ausgeschlossen. Früher war das anders. Da waren wir die in den roten Hosen. Die Guten. Zu denen war man immer nett.

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Beim Lesen Ihrer Bücher bekommt man den Eindruck, Ihr Arbeitsalltag ist nie langweilig.

Nießen Auch solche Tage gibt es, aber sie sind selten. Ich versuche, mit offenen Augen durch die Welt zu laufen. Ich gebe aber gern zu, dass nach der vierten Verlegung von Krankenhaus zu Krankenhaus die Luft irgendwann dünner wird.

Wie sieht denn ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Nießen In der Regel ist es ein Zwölf-Stunden-Tag. Einen typischen Tag kann man kaum beschreiben. Viele Faktoren spielen eine Rolle. Gerade haben Sie in einer Betonpfütze um das Leben eines abgestürzten Bauarbeiters gekämpft, und zwei Stunden später stehen Sie bei Familie XY mit immer noch schmutzigen Schuhen im Wohnzimmer.

Beschreiben Sie Ihren Beruf doch mal in drei Worten.

Nießen Bereichernd, zehrend, herausfordernd.

Wie gehen Sie mit ungewöhnlichen, unerwarteten Situationen um?

Nießen Ganz einfach. Hängt in jedem Aufzug: „Ruhe bewahren!“ Ansonsten hilft Feuerwehrtaktik, die irgendwann in Fleisch und Blut übergeht. Situation erkennen, Situation beurteilen, notwendige Handlungen daraus ableiten. Funktioniert auch oft im restlichen Leben.

Welche Fälle bleiben bei Ihnen hängen?

Nießen Es sind nicht die Schwerverletzten, nicht die Herzinfarkte oder Asthmaanfälle, die mich mitnehmen. Das sind alles Einsätze, bei denen man mit medizinischem Handwerk die Situation verbessern kann. Mich belasten die Einsätze, in denen ich feststellen muss, dass unser soziales System versagt und Menschen unter unwürdigsten Bedingungen leben müssen.

Gehen Sie jetzt auf Lesereise?

Nießen Es stehen viele Termine an. Auf der Frankfurter Buchmesse am 10. Oktober lesen zu dürfen, ist mir eine ganz besondere Ehre. In meiner Heimat bin ich am 22. November in der Buchhandlung Gollenstede in Heinsberg und am 5. Dezember bei Viehausen in Erkelenz.