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Isolierung in Erkelenzer Siechenhäusern bei Pest, Cholera und Lepra

Isolierung der Seuchenerkrankten : Erinnerungen an Erkelenzer Siechenhäuser

Das Rochuskapellchen gemahnt daran, wie Seuchenerkrankte vor Hunderten von Jahren isoliert wurden. Der Heimatverein der Erkelenzer Lande stellt die Kapelle vor. Schon aus dem Jahr 1535 ist das älteste Siechenhaus in Erkelenz nachgewiesen.

Die Corona-Pandemie und deren vielfältigen Auswirkungen bringen schon seit Wochen sowohl das private als auch das öffentliche Leben „durcheinander“. Aber immer schon – auch im Erkelenzer Land – hat es Seuchen wie zum Beispiel Pest, Cholera oder Lepra mit vielen Erkrankten und Toten gegeben. Damals gab es auch Einrichtungen, in denen Erkrankte isolierten wurden. Das waren die so genannten Siechen- oder Leprosenhäuser. Von Behandlung, so wie sie heute ist, kann natürlich nicht gesprochen werden. Im Grunde genommen ging es nur darum, die Erkrankten zu isolieren und Kontakte zu anderen Personen zu vermeiden.

In Erkelenz ist das älteste Siechenhaus für das Jahr 1535 nachgewiesen. Es lag zwischen Erkelenz und Oestrich, etwa da, wo heute die Grünanlage südöstlich vom Ziegelweiher gelegen ist. Viel mehr ist nicht bekannt, auch nicht, wie lange es letztlich bestand. Lediglich 1619 wurde es noch einmal erwähnt. Später, nachweislich im Zeitraum zwischen 1712 bis 1719, findet man durch Flurnamen Hinweise auf ein Siechen- oder Leprosenhaus zwischen Erkelenz und Oerath, gelegen hinter der Gabelung der Straßen nach Roermond und Wegberg/Venlo in Richtung Oerath. Wann genau es an diesem Standort errichtet worden war, lässt sich nicht mehr rückverfolgen, wohl irgendwann nach 1619. Bekannt ist, dass das Siechenhaus 1720 abgebrochen, das Grundstück verpachtet wurde, so der Heimatverein.

Finanziert wurden die Leprosenhäuser überwiegend durch Stiftungen, die vom so genannten Siechenmeister verwaltet wurden. Über das Leben in den Siechenhäusern in Erkelenz ist wenig bekannt. Allgemein dienten sie der Isolierung insbesondere von Leprakranken, so gab es beispielsweise für Betroffene zeitweise Eheverbote. Wahrscheinlich lebten aber auch Familien im Siechenhaus. Diese Erkenntnis ergibt sich unter anderem anhand des Taufregisters von St. Lambertus. Siechen- und Leprosenhäuser gab es auch in Kückhoven, Unterwestrich und Gerderath.

An der Straßengabelung Roermond/Venlo wurde 1772 ein Kapellchen zu Ehren des Heiligen Rochus, Schutzpatron der Pest- und anderen Seuchenkranken, erbaut. Es sollte an das ehemalige Siechenhaus, das in diesem Bereich stand, erinnern. Im Rahmen der Neugestaltung der Straßen wurde das alte Rochuskapellchen im Jahr 1969 jedoch abgerissen. Die Stadt Erkelenz hatte sich allerdings dazu verpflichtet, das Rochuskapellchen wieder aufzubauen. Im Jahre 1974 war es Gerd-Dieter Helbig, Ratsherr in Erkelenz, der sich dafür einsetzte – 1988 wurde dann das neue Kapellchen eingeweiht. Bevor es allerdings so weit war, mussten einige Schwierigkeiten überwunden werden. Unter anderem erklärte sich das Ehepaar Helbig dazu bereit, die Wartung und Pflege des Rochuskapellchens zu übernehmen, was auch heute noch durch Gerd-Dieter Helbig geschieht.

Im Inneren befindet sich eine Holzstatue des Heiligen Rochus, der ja immer als Pilger dargestellt wird, sowie ein Kreuz, das der Erkelenzer Bildhauer Hans Janning geschaffen hat. Figur und Kreuz wurden gestiftet. Seiner Bedeutung als „Pilgerkapellchen“ wird es heute noch gerecht, dann bei der Rückkehr der Kevelaer-Pilger werden diese dort empfangen und nach Sankt Lambertus begleitet.

Weitere Infos: In Band 20 auf Seite 116 der Schriftenreihe des Heimatvereins Erkelenz hat Hans-Otto Brans einen sehr ausführlichen Artikel mit dem Titel „Leprosenhäuser im heutigen Stadtgebiet von Erkelenz“ geschrieben.

(RP)