Erkelenz: Institution Ehe auf dem Prüfstand

Erkelenz : Institution Ehe auf dem Prüfstand

Das Schauspieler- und Ehepaar Ehnert beleuchtete die zwischenmenschliche Beziehung auf witzige Weise mit vielen Seitenhieben.

Es waren wenige Requisiten, die das Schauspieler- und Ehepaar Jennifer und Michael Ehnert auf der Bühne in der gut besuchten Stadthalle beim Comedy-Schauspiel "Zweikampfhasen" benötigten: Sie beide agierten durchweg und die meiste Zeit waren es höchstens zwei Stühle, die sie in ihr Spiel einbezogen.

Die Handlung füllten sie in gekonnter Weise mit langen geistreichen Dialogen und der Darstellung weiterer Personen, die in ihrer beider Leben eine Rolle spielten, aus. "Zweikampfhasen" stammt aus Michael Ehnerts Feder und ist das zweite Duoprogramm des Paares nach "Küss langsam". Publikumsnah auf den Stühlen am Bühnenrand sitzend, stellten sie sich vor. Mehr als zehn Jahre waren sie verheiratet - die genauen Daten und Stundenangaben zu den verschiedenen Ereignissen wusste er aus dem Eff-eff.

Gute Wünsche wie viele Unternehmungen oder ein tolles Sexualleben hatten beide zu Beginn mit in die Ehe, die sie nach relativ kurzer Zeit schlossen, gebracht. In dieser ersten Zeit der intensiven, überschwänglichen Verliebtheit. Die auf die junge Ehe einwirkenden eigenen Erinnerungen, Prägungen und Befindlichkeiten sowie unterschiedlichen Personen präsentierten Jennifer und Michael Ehnert im weiteren Verlauf.

Sehr bald nach dem ruhigen Einstieg nahm das Geschehen auf der Bühne an Tempo zu. Mit direkter Ansprache an die Zuschauer in der ersten Reihe stellten die Protagonisten eine Verbundenheit her, die sich ebenso aus wohl vielen Anwesenden bekannten Themen ergab. Mal stand dann Michael Ehnert im Scheinwerferlicht, um zu betonen, dass er neben der Ehe Freunde habe und kein autistischer Einsiedler war.

Oder sie stellte heraus, die Freiheit wichtig zu finden - wie sie sie einst in Amerika gefunden hatte. Der Wechsel der Szenen, der durch Licht oder Signaltöne begleitet wurde, erfolgte in kürzer werdenden Abständen und führte an scheinbar unterschiedliche Orte. So erfuhr sie beim Besuch ihres Gynäkologen, das EHE auch mit "Errare humanum est" (Irren ist menschlich) übersetzt wird.

Er wurde im mit unterschwelligen Andeutungen besetzten Therapie-Gespräch immer angespannter. Weitere Charaktere für den Ehemann: Der sich mit allen Unterdrückten solidarisierende Franz als sein komplettes Gegenteil oder ein Rechtsanwalt, der die baldige Scheidung forciert. Sie traf auch auf ihren flippigen amerikanischen alten Bekannten Scott, der ihr Unbeweglichkeit vorwarf.

Jennifer Ehnert war in der Rolle einer alten Freundin des Ehemanns zu sehen, die mit einer Scheidungsshow Karriere gemacht hat. Sehr unterhaltsam und gelungen beleuchtete das Programm die Facetten des Zusammenlebens wie die Gewohnheit, unerfüllte Träume, Freiheitssehnsüchte oder die Frage danach, sich für die richtige Lebensweise entschieden zu haben.

Als beide schließlich scheinbar als letztes Ehepaar weltweit übrig geblieben sind, entschieden sie sich wieder füreinander und damit für die Ehe. Es war eine Aufführung, die immer wieder Gelächter erntete und mit viel Beifall und stehenden Ovationen belohnt wurde.

(cole)