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Erkelenz: Ich komme in die Fünfte

Erkelenz : Ich komme in die Fünfte

Die Grundschulzeit ist vorbei: 678 Kinder in Erkelenz wechseln am Montag auf die weiterführenden Schulen. Eine von ihnen ist Jacqueline Sauer. Sie hat an der Gemeinschaftshauptschule dann einen langen Tag bis 16 Uhr.

Der Ganztag – eigentlich ein komisch verstümmeltes Wort. Für Jacqueline Sauer wird er ab Montag zum schulischen Alltag. Acht Stunden ist die Elfjährige dann jeden Tag in der Schule, genau so lange, wie Papa Stefan arbeiten muss. Auch Jacquelines Mutter ist berufstätig. Martina Sauer arbeitet im Außendienst, kann sich ihre Termine selbst einteilen, aber bis 14 Uhr ist sie meist unterwegs. Für sie ist der verpflichtende Ganztag an der Gemeinschaftshauptschule in Erkelenz optimal. Als Alternative wäre nur die Betty-Reis-Gesamtschule in Wassenberg in Frage gekommen, die auch ihr ältester Sohn Kevin besucht, der dort ebenfalls bis 16 Uhr Schule hat.

Bis nach Mittag gut aufgehoben

Für Jacqueline war an der Gesamtschule kein Platz mehr frei. Doch darüber ist sie gar nicht traurig: Während ihr Bruder jeden Tag 30 bis 45 Minuten mit dem Bus zur Schule braucht, hat sie demnächst nur fünf Minuten mit dem Rad. Familie Sauer wohnt am Salierring – direkt gegenüber der Luise-Hensel-Schule. Und da wird Nesthäkchen Katharina am Dienstag eingeschult. Klar, dass auch sie eine Betreuung über Mittag braucht, da kam ihren Eltern die Einführung des offenen Ganztags an der Grundschule gerade recht. „Super ist, dass die Betreuung sogar drei Wochen in den Sommerferien durchgeht“, sagt Martina Sauer, „so viel Urlaub hat man ja gar nicht.“ Beruhigt arbeiten gehen zu können, das ist ihr wichtig: „Ich wollte nie, dass jemand Fremdes auf meine Kinder aufpasst. In der Schule sind sie gut aufgehoben.“

Der lange Schultag stört Jacqueline überhaupt nicht. „Ich hab’ ja da auch Freizeit“, sagt sie, denn der Unterricht geht schließlich nicht nonstop durch. „Und meine Hausaufgaben hab’ ich dann auch schon fertig, außer, wenn ich noch für Klassenarbeiten lernen muss.“ Wenn Jacqueline um 16 Uhr nach Hause kommt, hat sie keinerlei Verpflichtungen mehr und Zeit für ihre Hobbys Einradfahren, Handball spielen oder ins ZaK gehen. Spätestens zum Abendbrot ist die ganze Familie vereint. „Die verbleibenden gemeinsamen Mahlzeiten sind uns wichtig“, sagt Vater Stefan Sauer. Dann erzählt jeder von seinem mehr oder weniger aufregenden Tag. Jacqueline ist ganz sicher, dass sie an der Hauptschule „viel Neues erleben und neue Freunde finden“ wird. Auch auf das Mittagessen in der Schule freut sie sich: „Das schmeckt bestimmt gut, ich esse eigentlich alles.“ So ein kleines bisschen Bammel hat sie nur vor den Fächern wie Biologie, Erdkunde und Geschichte, die es in der Grundschule so nicht gab.

Der Ganztag – ein Wort, das sich mit jede Menge Inhalt füllen wird.

(RP)