1. NRW
  2. Städte
  3. Erkelenz

Kirstin Müller: Hundekauf mit Verantwortung abwägen

Kirstin Müller : Hundekauf mit Verantwortung abwägen

Kirstin Müller betreibt eine mobile Hundeschule in Wegberg und erklärt, weshalb ein Hund nicht unbedingt das geeignete Weihnachtsgeschenk ist. Der Kauf eines Tieres sollte gut überlegt werden. Den "Familienhund" schlechthin gebe es nicht.

Auf der Suche nach einem Weihnachtsgeschenk kommt vielen Menschen ein Hund in den Sinn. Vielleicht ein Welpe mit Kulleraugen und weichem Fell. Oftmals will nach kurzer Zeit aber niemand in der Familie mehr mit ihm Gassi gehen, oder alle sind entsetzt, wie teuer die Tierhaltung ist. Haben Sie häufig die Erfahrung gemacht, dass geschenkte Hunde nach einiger Zeit nicht mehr gewollt waren?

Müller Ja, ein Hund und vor allem ein Welpe ist ein beliebtes Weihnachtsgeschenk bei Kindern, die gerne ein Tier zum Kuscheln und Spielen haben wollen. Sie selber wissen nicht, welche Verantwortung mit dem Kauf verbunden ist. Da sind vor allem die Eltern gefragt, die sich um das Tier kümmern sollten. Innerhalb einer Familie ist es wichtig, dass alle Mitglieder einverstanden sind, da ein Tier es spürt, wenn es nicht gewollt wird. Leider kommt es immer wieder vor, dass die Hunde nach sechs oder sieben Monaten, wenn sie größer geworden sind, im Tierheim abgegeben werden oder in den Osterferien ausgesetzt werden.

  • Augen auf beim Hundekauf
  • Melanie und Felix Haferkorn suchen für
    Wohnen in Erkelenz : Familie sucht dringend barrierefreies Haus
  • Ein Hausarzt sitzt während einer Videosprechstunde
    Telemedizin-Projekt im Erkelenzer Land : Weiter Kritik an virtueller Sprechstunde

In welcher Form können sich Kinder mit kümmern?

Müller Ab dem Alter von fünf oder sechs Jahren können sie gut in die Versorgung und Pflege mit eingebunden werden. Allein Gassi mit dem Tier zu gehen, empfehle ich erst im jugendlichen Alter, ab etwa 16 Jahren. Dann sind sie dazu fähig, in Gefahrensituationen wie einer Beißerei entsprechend zu handeln. Jüngere Kinder können die Lage nicht so gut einschätzen.

Worauf sollte man vor dem Kauf generell achten?

Müller Beispielsweise sollte die Wohnsituation eine Hundehaltung zulassen. Falls die Zustimmung nicht im Mietvertrag festgehalten ist, sollte man sich das Einverständnis des Vermieters schriftlich geben lassen. Ebenso ist zu überlegen, ob die berufliche Situation dazu passt. Es macht keinen Sinn, sich einen Hund zu halten, wenn man ganztags arbeiten muss. Es sei denn, man sorgt in dieser Zeit für eine entsprechende Betreuung. Auch Kosten für Futter, Tierarzt, Hundeschule, Steuer und Versicherung sind zu bedenken.

Und welcher Hund könnte in die Familie passen?

Müller Wichtig ist es, sich vorher über die Eigenschaften der jeweiligen Rassen zu informieren, den Züchter zu besuchen und die Elterntiere anzuschauen. So haben Dobermänner, Rottweiler oder Schäferhunde starke Charaktere, und ein Neufundländer wird sehr groß. Labradore und Golden Retriever sind zwar einfacher zu führen, aber den sogenannten Familienhund gibt es nicht. Auch sollte der Hund zu meinem Lebensstil passen: Bin ich ein eher aktiver oder bequemer Mensch?

Wie wichtig ist die richtige Erziehung?

Müller Eine liebevolle Haltung und konsequentes Handeln ist vom ersten Tag an, an dem der Hund in die Familie kommt, von entscheidender Bedeutung. Es gibt keine Eingewöhnungszeit. So vermeidet der Halter unerwünschtes Verhalten. Auch der Welpe sollte von Anfang an Grenzen kennenlernen und den Halter als Rudelführer akzeptieren. In der Welpenzeit sind die Tiere sehr wissbegierig und sollten vom Einzug ins neue Heim an, am besten unter fachlicher Anleitung, geschult werden. Klare Regeln und Strukturen sind grundsätzlich für alle Hunde wichtig. Das gilt insbesondere auch für Vierbeiner aus dem Tierheim. Mitleid ist hier der falsche Ratgeber.

NICOLE PETERS FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

(cole)