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Hundehaltung: „Corona-Boom“ nur in Erkelenz

Zahlen für das Erkelenzer Land : Corona-Boom bei Hunden gibt es nur in Erkelenz

Aktuelle Zahlen des statistischen Landesamtes zeigen, dass es im Erkelenzer Land immer mehr Hunde gibt. Was die Corona-Pandemie damit zu tun hat und welche Bedeutung die Hundesteuer für Kommunen hat.

Die Städte im Erkelenzer Land nehmen immer mehr Hundesteuer ein. Das zeigen Zahlen, die jetzt das statistische Landesamt veröffentlicht hat. Demnach gab es im Kreis Heinsberg im ersten Halbjahr 2021 ein Steueraufkommen von insgesamt 1,08 Millionen Euro. Im ersten Halbjahr 2019 waren es nur 1,05 Millionen. Das ist eine Steigerung von 3,7 Prozent. Im Vergleich mit dem ersten Halbjahr 2020 wuchs das Aufkommen ebenfalls, und zwar um 5,2 Prozent.

Auch die einzelnen Kommunen verzeichnen wachsende Einnahmen durch die Hundesteuer. In Erkelenz stiegen die Einnahmen von 156.660 Euro im Jahr 2019 um 3,1 Prozent auf 161.568 im ersten Halbjahr 2021.

In Hückelhoven kletterte das Steueraufkommen von 124.827 um 5,9 Prozent auf 132.239 Euro.

In Wassenberg wuchs das Aufkommen von 92.688 um 5,0 Prozent auf 177.677 Euro.

Einzig in Wegberg, wo die Hundesteuereinnahmen im Kreis Heinsberg am höchsten sind, sank das Aufkommen von 179.073 im ersten Halbjahr 2019 um 0,8 Prozent auf jetzt 177.677 Euro.

Sind die steigenden Einnahmen der Hundesteuer ein Hinweis auf den viel beschworenen „Corona-Boom“ bei der Hundehaltung? Marcel Winkens, Fachbereichsleiter Finanzen der Stadt Wassenberg, verneint das. Die Zahl der dort angemeldeten Hunde ist seit Mitte 2019 um 102 Hunde beziehungsweise 4,2 Prozent gestiegen. „Diese Steigerung liegt nur leicht über der regelmäßigen Zunahme der Hundezahl in den vorherigen Jahren. Von einem ,Corona-Boom’ bei der Hundehaltung kann man daher aus Sicht der Stadt Wassenberg kaum sprechen“, sagt Winkens. Aktuell sind in Wassenberg 2525 Hunde gemeldet.

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Auch in Wegberg sei ein Corona-Boom nicht zu erkennen, heißt es von der Stadtverwaltung auf Nachfrage unserer Redaktion: Dort sind aktuell 2838 Hunde gemeldet, gerade mal 72 mehr als vor zwei Jahren. Das sei nur ein minimaler Anstieg, „weshalb nicht von einem Corona-Boom gesprochen werden kann“.

Anders stellt sich die Lage in Erkelenz dar: Dort sind nach Auskunft von Kämmerer Norbert Schmitz aktuell 4374 Hunde angemeldet. Im ersten Halbjahr 2019 waren es nur 4241. „Wenn man sich einmal die Entwicklungen ansieht, so sind 133 Hunde mehr in einem Zweijahreszeitraum weit über dem Durchschnitt“, sagt Schmitz. „Durchschnittlich kann man für einen solchen Zeitraum von einer Steigerung von lediglich 40 Hunden ausgehen. Vor diesem Hintergrund kann man durchaus von einem ,Corona-Boom’ sprechen.“

Wer nun glaubt, dass dieser Boom den Städten viel Geld in die strapazierten Kassen spült, der irrt. Denn die Hundesteuer spielt in der Einnahmenstruktur von Kommunen nur eine untergeordnete Rolle. Normalerweise sind die ergiebigsten Quellen die Gewerbesteuer und dann der Gemeindeanteil an der Einkommensteuer.

Allerdings zeigt sich an der Einnahmenstruktur beispielsweise der Stadt Wassenberg, dass viele Kommunen, zumal dann, wenn sie wie Wassenberg nicht über starke oder viele Gewerbesteuerzahler verfügen, heutzutage ihren größten Einnahmeposten nur noch bedingt aus originär eigener Kraft erzielen.

Denn die in Wassenberg derzeit wichtigste Einnahmequelle resultiert aus einem Akt der Umverteilung: Mit 11,2 Millionen Euro sind dies die Schlüsselzuweisungen vom Land. Erst dann kommen mit 7,4 Millionen Euro der Gemeindeanteil an der Einkommensteuer und mit 4,1 Millionen Euro (gerundet) die Gewerbesteuer.

„Mit einem Anteil von rund 0,4 Prozent sind die Erträge aus der Hundesteuer für den Haushalt der Stadt Wassenberg als nachrangig anzusehen“, erläutert Winkens, demnach kommt die Hundesteuer im Einnahmenranking der Stadt Wassenberg auch nur auf Platz 19. Die „Verwarnungsgelder für Verkehrsordnungswidrigkeiten“, im Volksmund „Knöllchen“ genannt, erreichen mit insgesamt 0,012 Millionen Euro übrigens lediglich Platz 35.

Ähnlich stellt sich die Einnahmenverteilung in Erkelenz und Wegberg dar. In Wegberg erhält die Stadt rund 14,7 Millionen Euro Gemeindeanteil an der Einkommensteuer, während über die Gewerbesteuer nur noch 6,8 Millionen Euro erzielt werden und die Hundesteuer gerade mal 347.000 Euro einbringt.

In Erkelenz ist der Gemeindeanteil an der Einkommensteuer mit 22,3 Millionen Euro ebenfalls der größte Einzelposten auf der „Haben“-Seite des städtischen Etats, während die Hundesteuer nur rund 290.000 Euro jährlich einbringt – allerdings noch mehr als durch  Knöllchen, die der Stadt jährlich zwischen 150.000 und 180.000 Euro in die Kasse spülen.

Zu guter Letzt fragt sich, ob die Kommunen dem Trend zur verstärkten Hundehaltung etwas entgegen setzen wollen. Danach gefragt, antwortet Marcel Winkens von der Stadt Wassenberg: „Für die Zahl ,normaler’ Hunde wird derzeit kein weiterer Lenkungsbedarf gesehen. Jedoch gibt es derzeit Überlegungen, durch eine Anpassung der Steuersätze für ,gefährliche’ Hunde ab dem Jahr 2022 einem weiteren Anstieg der Zahl dieser Hunde entgegenzuwirken.“ Alle anderen Städte sehen auf Nachfrage unserer Redaktion für Begrenzungen derzeit keinen Anlass.