Erkelenz: Holzweiler gestaltet aktiv die Zukunft

Erkelenz : Holzweiler gestaltet aktiv die Zukunft

In Holzweiler fand nun der Auftakt zum Dorfentwicklungsprozess statt. Die Resonanz überraschte Bürgermeister Peter Jansen positiv. Das Ziel ist eine langfristig angelegte Gesamtstrategie, um das Dorf nachhaltig weiterzuentwickeln.

Rolf Westerheide hat sich unter die Menschen gemischt. Der Professor vom Institut für Städte und Landesplanung der RWTH Aachen möchte wissen, was sie an ihrem Dorf kritisieren. Mit dem Mikrofon in der Hand bewegt er sich durch den vollen Saal Boss an der Titzer Straße. Manche der Holzweiler sitzen, andere stehen. Sie alle interessiert die Zukunft ihres Dorfes, das bald nur noch 400 Meter von der Tagebaukante trennen wird. Die Bürger sollen bei der Entwicklung des Dorfes miteinbezogen werden. Denn sie wissen, was Holzweiler braucht und was nicht. Deswegen ist Rolf Westerheide da. Gemeinsam mit Uli Wildschütz vom Büro RaumPlan in Aachen. Sie wurden von der Stadt beauftragt, ein Dorfinnenentwicklungskonzept zu entwickeln. Gefördert wird das durch die Bezirksregierung Köln.

"Uns fehlt eine Mehrzweckhalle", sagt eine Frau. "Die Sportanlagen müssen verbessert werden. Dort fehlen Sanitäranlagen. Auch ein Fahrradweg dorthin ist nötig", sagt ein Mann. Muss Westerheide die Bewohner anfangs noch ansprechen, trauen sich immer mehr, Kritik zu üben. Es fehle ein Angebot für Kinder und Jugendliche, schon jetzt sei die Belastung durch den Tagebau enorm. Ältere Menschen hätten es schwer, weiter im Dorf zu wohnen, sagt einer. Die Parksituation sei schlecht und es gebe viele Bauschäden. Die Bewohner kritisieren die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr, beschweren sich, dass die Verlegung von Glasfaserleitungen schon oft verschoben worden sei. Auch Einkaufmöglichkeiten fehlen. Und dann sei da das Sondermüllzwischenlager in Richtung Katzem, durch die die Lebensqualität eingeschränkt werde.

Als die Experten ihre Sicht auf Holzweiler präsentieren, muss so mancher Dorfbewohner schmunzeln. "Holzweiler muss das Bleiben als Chance betrachten", sagt Westerheide. Holzweiler habe das Potential, ein "innovatives Dorf" zu werden. Obwohl bald 75 Prozent des Wegenetzes um das Dorf herum verschwinden. Es gebe viele schöne Höfe. Das sei selten. Geprägt sei das Bild des Dorfes durch kleine, durchgrünte Gassen im Inneren. Schon jetzt müsse auch an die Zeit nach dem Tagebau gedacht werden.

Als die Dorfbewohner nach Kritik, Wünschen und Ideen für die Zukunft gefragt wurden, brachten sie sich ein. Durften sogar ein bisschen "rumspinnen". Ideen für ein Museum wurden eingebracht. Man könnte das Leid dokumentieren, dass durch den Tagebau entstanden sei, war ein Vorschlag. Aktuell gebe es Bemühungen, einen Dorfladen aufzubauen. Vorgeschlagen wurden ein Wohnheim für Senioren und die Aufwertung der Sportanlagen. Es könnte auch versucht werden, Menschen nach Holzweiler zu locken. Und dann ist da der Tagebau. Hier müsse jetzt gehandelt werden. Die Randkante könne gestaltet werden, etwa durch einen Grüngürtel. Beobachtet werden müsste die Entwicklung von Bergschäden.

Herausgearbeitet wurden dann konkrete Projekte: Die Aufwertung der Sportanlagen, die Gestaltung des Tagebaurandes, das Generieren von neuem Bauland und ein Dorfladen als Treffpunkt.

Durch den Abend sollte Aufbruchsstimmung entstehen. Dass so viele Menschen kommen würden, damit hatte keiner gerechnet. "Meine Erwartungen sind übertroffen", sagte Bürgermeister Peter Jansen. Etwa im Oktober wird es eine weitere Veranstaltung geben. Dass nicht alle Projekte gefördert werden können, machte Jorge Lale-Lopes vom Verein "Wir in Holzweiler" deutlich. Er rief zu Engagement auf: "Wir sind dafür verantwortlich, dass die Projekte umgesetzt werden."

(anek)
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