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Hörabend mit Wolfram Goertz von der Rheinischen Post in Erkelenz

Hörabend im Alten Rathaus Erkelenz : Mit Wolfram Goertz durch den sphärischen Musikhimmel

„Sonne, Mond und Sterne“ gab es im Alten Rathaus beim „Hörabend“, dem sechsten des Heimatvereins der Erkelenzer Lande (HEL), mit RP-Musikredakteur Wolfram Goertz.

Da die Goertz-Abende laut HEL-Vorsitzendem Günther Merkens „Kultstatus“ erlangt haben, waren die 150 Eintrittskarten schnell ausverkauft. Deren Gegenwert geht nach Düsseldorf in die Spezialambulanz für Musikermedizin am Universitätsklinikum, die Goertz unterstützt und koordiniert.

Keine Unterstützung, außer einer Beschallungsanlage für die klassischen und modernen Hertz-Töne, benötigte der Musikwissenschaftler und Arzt für seine Tour d’Horizon durch den Kosmos Musik, von Haydn bis DJ Ötzi. 13 Stücke hatte er ins Alte Rathaus („Erkelenz reißt einen hoch! Natürlich ein ‚Einschleimsatz‘.“ Riesenbeifall.) mitgebracht, darunter das als Europa-Hymne wahrgenommene Prélude aus dem „Te Deum“ von Marc-Antoine Charpentier – nur ganz wenige der Hör-Enthusiasten im Saal wussten nicht, dass das „Spiel ohne Grenzen“ von Camillo Felgen aus dem Fernsehen der 1960er Jahre das Stück einleitete. Mit Herbert Grönemeyers „Komet“, eine nuschelige Hymne von 1988 an den gerade geborenen Sohn, outete der Intensiv-Musiker Goertz sich als Anhänger der „Poetologie“, der kunstvollen Wort-Setzerei, umflochten von stilvoller Pop-Musik. In flockigen Worten, gern auch auf „Jläbbecker Platt“, manchmal gar drastisch, kurvte der Redakteur durch den sphärischen Musikhimmel von Haydn mit dessen „Sonnenquartetten“, dem Falsett der „Bee Gees“ mit ihrem „Too Much Heaven“, dem hochstrebenden „Osanna in excelsis“ von Bach, dem wunderbaren „Clair de Lune“ von Claude Debussy mit Walter Gieseking am Klavier. Über diesen erzählte Wolfram Goertz, dass er rein mental Klavier üben konnte, also ohne Klavier – zum Beispiel im Zug, nur mit der Partitur.

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Wagner unterzog Goertz gar einer juristischen Wertung: „Die Figuren aus dem Rheingold säßen heute schon nach wenigen Minuten im Knast, so schlimm waren die.“ Noch schlimmer sei nur die Interpretation von „O, du mein holder Abendstern“ aus dem „Tannhäuser“ durch die Ikone Dietrich Fischer-Dieskau in Bayreuth 1955, so „laaangsaam“ gesungen, dass der Dirigent seine Frau aus dem Orchestergraben anrief mit der Mitteilung, dass er zehn Minuten später zum Essen käme – konsequenterweise brach Goertz die Aufnahme mittendrin ab.

Großartig dagegen die hervorragende Anna Netrebko im „Lied an den Mond“ von Dvorak. Enthusiastisch ging das Publikum unterm Neumond nach Hause, in der freudigen Erwartung der nächsten Goertz-Termine im Alten Rathaus: am 3. September und am 21. Januar 2021 – dann steht Beethoven auf dem Plan.