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Hochinfektiöse Krankheit: Als in Erkelenz Pocken ausbrachen

Hochinfektiöse Krankheit : Als in Erkelenz Pocken ausbrachen

Schon im 19. Jahrhundert spielten Quarantäne und Impfpflicht eine Rolle. Der Autor Josef Goertz (1892 bis 1977) berichtet in seinem Buch „Das alte Erkelenz“ vom Pockenausbruch.

Die Corona-Pandemie nimmt auch knapp anderthalb Jahre nach ihrem Ausbruch in Deutschland maßgeblichen Einfluss auf unseren Alltag. Dass eine hochinfektiöse Krankheit in Erkelenz grassiert, war allerdings auch schon in längst vergangenen Zeiten der Fall. So berichtet der Autor Josef Goertz (1892 bis 1977) in seinem Buch „Das alte Erkelenz“ von einem Pockenausbruch im 19. Jahrhundert.

In einem Text über das Rochuskapellchen nahe der Oerather Mühle – dieses wurde 1772 zu Ehren des Heiligen Rochus, Schutzpatron der Pest- und Seuchenkranken, erbaut – schreibt Goertz: „Die Vernachlässigung dieses Heiligen, äußerlich sichtbar am Verfall des Kapellchens, änderte sich aber schlagartig, als polnische Landarbeiter uns die Pocken einschleppten. Die Krankheit wurde zunächst nicht erkannt, sie gab es in Deutschland nicht mehr.“ Verifizieren lässt sich diese Behauptung – auch die angebliche „Einschleppung“ aus Polen – heute nicht mehr mit Sicherheit, auch der Heimatverein der Erkelenzer Lande weiß aber, dass die Krankheit einst grassierte. „Jahrhundertelang stellten die Pocken eine erhebliche Gefahr für die Bevölkerung in Deutschland und Österreich dar. Besonders in den Jahren 1870 bis 1874 wütete eine Pockenwelle in diesen Ländern. Wenn es also einen realen Hintergrund für die Geschichte gibt, könnte diese in der Zeit zwischen 1870 und 1874 gewesen sein“, sagt der Vorsitzende Günther Merkens.

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Goertz schreibt weiter, die Kranken seien mit ihren Hautausschlägen ins Krankenhaus gebracht worden, „das zur Hälfte damals Siechenhaus“ gewesen sei: „Blitzartig kam die Erleuchtung als die Alten dort plötzlich miterkrankten und starben, wie z.B. der alte ,Weisskopf’.“ Wie der Heimatverein mitteilt, gab es ein Armen-, Kranken- und Waisenhaus, als Vorläufer des heutigen Krankenhauses, seit 1871. Goertz schreibt, nachdem die Krankheit ausgebrochen sei, sei es höchste Zeit geworden, das Rochuskapellchen wieder zu renovieren.

Auch Isolation und Impfung sind den Menschen damals schon geläufige Begriffe gewesen. In Goertz’ Bericht heißt es: „Die Kranken wurden in eine Isolierbaracke gebracht und die ältesten Quisseln entblössten ihre Arme zur Impfung. Die Seuche erlosch!“ Günther Merkens vom Heimatverein weiß: „Eine Impfpflicht gab es in Preußen seit 1815, im Deutschen Reich ab 1874.“ Von einer Behandlung der Kranken, wie man sie heute kennt, könne damals aber noch keine Rede gewesen sein: „Im Grunde genommen ging es nur darum,  die Erkrankten zu isolieren und Kontakte zu anderen Personen zu vermeiden.“

So genannte Siechenhäuser, die zur Isolation dienten, gab es in Erkelenz schon seit mindestens 1535. Später gab es in der Stadt auch spezielle Leprosenhäuser für Leprakranke.

(cpas)