Historie: Kölner Straße Erkelenz mit Omma Lemmen

Serie Straßengeschichte – Teil 4.2 : Bei „Omma Lemmen“ zum Kaffeeklatsch

Zwei Häuser mit viel Geschichte und vielen Geschichten – die Kölner Straße in Erkelenz erlebte im Jahr 1979 einen entscheidenden Umbruch.

Dass sich drei Geschäftsfrauen von der Kölner Straße, liebevoll auch die Patroninnen oder „Grande Dames“ genannt, regelmäßig zum Kaffeeklatsch trafen, das erfährt man in diesem Teil der Serie „Straßengeschichte“, die sich dieses Mal noch einmal mit der rechten Straßenseite der Kölner Straße beschäftigt. Außerdem ein Thema: Die linke Geschäftshaushälfte der Nummer 11 ist nun schon fast 90 Jahre Heimat von ff-Metzgereien.

Der entscheidende Umbruch des ersten Teils der Kölner Straße in Erkelenz zwischen Markt und den Promenaden geschah in den 1970er Jahren mit der Umgestaltung zur Fußgängerzone, die am 1. Dezember 1979 eröffnet wurde. Bis das so weit war, hatte es einen „Vorlauf“ von fast 15 Jahren gegeben, wobei der Widerstand aus der Geschäftswelt nicht unerheblich gewesen ist. Heutzutage kaum zu verstehen. In Teil 2 der Straßengeschichte zur Kölner Straße stehen die Hausnummern 9 und 11 im Mittelpunkt.

Hausnr. 9 Die Frage „Wohin des Weges?“ konnte man in diesem speziellen Fall volksmundartig beantworten mit: „Zu Omma Lemmen“ oder zu „Lemmens Tant“ – da wusste jeder Erkelenzer, gemeint war die kleine Drogerie von Helene Lemmen. Original Kölnisch Wasser 4711 und wohlduftende Seifen waren der Renner. Das waren vor dem Zweiten Weltkrieg noch Bürsten aus eigener Produktion, denn Großvater Leo war gelernter Bürstenmacher. „Omma“ Helene Lemmen war auch eine der Patroninnen der engen Einkaufsstraße, traf sich oft mit den weisen Geschäftsseniorinnen Franziska Viehausen und Margarete Görtz zum Kaffeeklatsch.

Blick in die Kölner Straße, damals noch Hindenburgstraße, im Jahr 1926 zur 600-Jahrfeier von Erkelenz. Foto: Sammlung Peter Linden

Mitte der 1960er-Jahre hat Helene das Geschäft an Schwiegertochter Gertrud, Ehefrau des Architekten Peter Lemmen, übergeben. Im Münchener Olympia-Jahr 1972 eröffnete dann hier Hermine Krahe ein Rosenthal-Porzellan-Studio, das sie bis 1996 im Alter von 74 Jahren führte.

Dann setzte sie sich aber noch lange nicht zur Ruhe, ging nach gegenüber zu Martini und war dort bis 2009 Fachverkäuferin. 2014 starb sie im Alter von 91 Jahren. In die Nr. 9 lockte dann noch lange ein Teehaus mit Genussmischungen aus aller Welt, aktuell ist Telekommunikation angesagt.

Fußgängerzone im Bau. Die neue Kölner Straße wurde am 1. Dezember 1979 eröffnet. Rechts in der Nr. 9 die Drogerie „Omma Lemmen“ (später Rosenthal-Studio). Foto: Sammlung Peter Linden

Hausnr. 11 Die „Elf“ ist geschäftlich vom zentralen Eingang zweigeteilt, dabei ging es in der rechten Seite meist modisch zu. Auf Bleyle-Mode Witthoff folgte über fast 30 Jahre bis 1982 das Modeshaus Falk, danach unter anderen Mode Wortelkamp aus Baal und andere Anbieter. Zwischendurch aber auch die Buchhandlung Viehausen von 1992 bis 1999. Seit Herbst 2017 frisiert Ivan Eli in seinem „Ivans Barbershop“, und zählt auch Gladbacher Borussenfußballer zu seinem Kundenkreis.

Die linke Eingangstüre der Hausnummer 11 beheimatet seit Generationen, seit die „Rind- und Schweinemetzgerei Fr. Jansen“ von der Nummer 1 hierher gezogen war, eine „ff-Metzgerei“, wobei das „ff“ für feinste Wurst und Fleischwaren steht. Die Wurstküche zieht sich bis nach hinten in Richtung Marktgasse. Dort arbeitete auch Albert Herzberg, der nach dem Tod des Chefs Witwe Maria ehelichte. Im Rollstuhl sitzend, führte sie das Geschäft durch die Kriegszeit bis zu ihrem Tod. Albert Herzberg heiratete danach noch einmal und freute sich mit Trudi bald über die Geburt von Tochter Ruth (lebt heute in der Eifel) und führte das Geschäft bis 1967, ehe es für mehr als 20 Jahre bis 1991 an Familie Hannen überging. In dieser Zeit war Therese Schmitter als Fachverkäuferin ein wahre Institution.

Metzgermeister Albert Herzberg bis 1967. Foto: Sammlung Peter Linden

Im 27. Jahr ist nun schon Familie Rösken der Metzger in der „Elf“, Erika und Rainer (gestorben 2017) Rösken haben ihren Sohn Dirk für das „ff-Handwerk“ begeistern können. Der 48-Jährige darf sich sogar Sommelier für Fleisch, Wurst und Schinken nennen, gehört damit einem handverlesenen Expertenkreis an – übrigens weltweit. Seine Produkte entstammen unter anderem aus der Zucht des schwäbisch-hällischen Landschweins.

Unbedingt in die Zeit der Metzgereien Hannen/Rösken gehört ein Imbisswagen, der vor dem Geschäft Brat- oder Currywurst mit Brötchen oder Pommes rot-weiß anbot. Das war der Fußgängerzonen-Renner, hatte zudem etwas Großstädtisches und belebte die Einkaufsmeile, in der sich zur Mittagszeit meist hungrige Menschenschlangen bildeten. Doch in den 2010er-Jahren kam das Aus an dieser Stelle. Der Platzwechsel, um die Ecke in Richtung Finanzamt, hat es leider nicht mehr gebracht.

Lesen Sie hier den ersten Teil der Serie zur Kö in Erkelenz.