Heimatverein der Erkelenzer Lande: Heimat im Wandel literarisch betrachtet

Heimatverein der Erkelenzer Lande : Heimat im Wandel literarisch betrachtet

In Haus Hohenbusch stimmt der Heimatverein der Erkelenzer Lande auf sein Jubiläumsjahr ein. Der Vorsitzende erinnert an die Gründung.

Der Heimatverein der Erkelenzer Lande geht nach einem verheißungsvollen Auftakt erwartungsfroh in sein Jubiläumsjahr 2020. Bei einer Veranstaltung zum Jubiläum unter dem Motto „Heimat im Wandel“ im Herrenhaus von Haus Hohenbusch erinnerte der Vereinsvorsitzende Günther Merkens bei seiner Begrüßung der vielen Gäste an die Gründung des Geschichtsvereins Erkelenz am 3. Oktober 1920, dessen Nachfolger der Heimatverein ist.

So wie der Heimatverein dem Wandel unterliegt, so befindet sich auch die Heimat und der Begriff Heimat im ständigen Wandel, unschwer erkennbar gerade in Erkelenz. Der heranrückende Braunkohlentagebau Garzweiler II führt zu Verlust der Heimat, zur zwangsläufigen Suche nach einer neuen Heimat. Seine Bemerkung: „Die erste Heimat ist die Mutter, die zweite die Stiefmutter“ wollte Merkens nicht interpretieren. Jeder möge sich dazu seine eigenen Gedanken machen.

Gedanken zur Heimat und zum Heimatverlust durch den Tagebau hatte sich die Autorin Ingrid Bacher gemacht. Passagen aus ihrem Buch „Die Grube“, die Christian auf der Lake bei der ersten Veranstaltung zum Jubiläumsjahr vorlas, machten die Zuhörer betroffen. Zuvor hatte Professor Helmut Brall-Tuchel in einem Impulsvortrag Gedanken zum Thema Heimatliteratur vorgetragen und dabei den Bogen von „überflüssiger“ Heimatliteratur bis hin zur Heimatliteratur als Weltliteratur gespannt und auch die Anti-Heimatliteratur nicht ausgespart.

Wenn die Heimatliteratur nicht über das Regionale, Verklärte, lediglich Beschreibende hinauskommt, „kennt man sie nicht und braucht sie nicht zu lesen“. Die Heimat sei kein Gefühl, sie sei ein Beziehungsgeflecht zwischen den Menschen und ihrer Umgebung. Heimatliteratur, die Vergangenes idealisiert, werde dem literarischen Anspruch nicht gerecht. Es gebe allerdings auch Autoren, die die Heimatliteratur auf Weltniveau gehoben hätten, wie etwas Thomas Mann, Günter Grass, Heinrich Böll oder Alfred Döblin. Und es gebe Autoren, wie etwa Franz-Xaver Kroetz, die das Provinzielle und Heimatliche literarisch kritisieren. „Heimatdichter haben eine enge oder brutal abgerissene Beziehung zum Ort ihrer Herkunft“, meinte der Germanistik-Professor aus Düsseldorf. Beispiele für Heimatliteratur lasen in einem weiteren Part der Veranstaltung Brall-Tuchel, van Lake, und René Wagner. Unter anderem mit Auszügen aus Werken von Mann, Fontane, Zweig oder Walser stellte Brall-Tuchel die Heimat unter verschiedenen Aspekten vor, etwa als romantische Heimat, Exil, Vertreibung, Heimatlosigkeit oder gar philosophische Heimat.

Musikalisch begleitet vom Blockflötenensemble der Kreismusikschule erlebten so die Besucher der Auftaktverhaltung die Heimat als Hörgenuss. Der Abend endet mit einem heimatlichen Gaumenschmaus, mit regionalen Delikatessen, bei deren Verzehr die Gäste des Abends noch lange, und durchaus auch kontrovers über die Heimat und den Wandel der Heimat diskutierten. Nach dem gelungenen Einstieg in die Veranstaltungen zum 100-jährigen Bestehen sollen noch viele weitere, überraschende, attraktive und lebhafte Veranstaltungen im eigentlichen Jubiläumsjahr 2020 folgen, mit denen der Heimatverein dem Motto „Heimat im Wandel“ gerecht werden will.