Hauptschule Erkelenz fördert Straßenkinder-Projekt Butterflies: Mit gespendeten Pfandbons indischen Kindern helfen.

Hauptschule Erkelenz : Mit Pfandbons indischen Kindern helfen

Bei Edeka in Lövenich steht die jüngste Spendenbox fürs indische Butterflies-Projekt, das die Erkelenzer Hauptschule unterstützt. Die Leiterin aus Delhi war zu Gast.

„Recyceln und Helfen“ heißt es seit Kurzem auf einem Plakat neben dem Leergut-Annahme-Automaten des Edeka-Marktes Nikolaou in Lövenich, darunter eine Spendenbox, in die Kunden ihre Leergutbons von Pfandflaschen einwerfen können. Das Geld kommt dem indischen Butterflies-Projekt zugute, für das sich Schüler und Lehrer der Gemeinschaftshauptschule (GHS) Erkelenz – wie mehrfach berichtet – seit 20 Jahren einsetzen. „Das unterstützen wir gern,“ sagt Edeka-Geschäftsinhaberin Efthalia Nikolaou.

An zwei anderen Erkelenzer Supermärkten und in der Schule stehen bereits seit längerem solche Spendenboxen, aus denen in den vergangenen vier Jahren allein 10.000 Euro für Butterflies zusammenkamen. Die Organisation, die eng mit dem Hilfswerk Misereor zusammenarbeitet, ermöglicht Straßenkindern in der indischen Metropole Delhi mit außergewöhnlichen Ideen Zugang zu schulischer Bildung. Die Lövenicher Hauptschüler Chiara Heck (14) und Daniel Ivaschenko (15) werden die Boxen gleichsam betreuen und alle zwei Wochen leeren.

Angesichts der vielfältigen Spendenaktionen der Hauptschule für Butterflies, die von Spendenwandertagen bis hin zu Second-Hand- und Backaktionen reichen, mag die neue Box in Lövenich nur ein Mosaikstein sein, und doch hatte die Einladung an die Presse einen besonderen Hintergrund: Mit Rita Panicker war die indische Leiterin von Butterflies, die jetzt zum dritten Mal zu Gast in der GHS war, gemeinsam mit Marlene Boers und Hildegard Breuer von der Eine-Welt-Lehrer-AG an der Hauptschule mit nach Lövenich gekommen. Am Vormittag noch hatte sie Jugendlichen der fünften, sechsten und siebten Klassen von ihrer Arbeit in Delhi erzählt und auch einen Film darüber gezeigt. Vor allem hat sie die Erkelenzer Schüler dazu eingeladen, Beiträge für eine Zeitung zu schreiben, die junge Butterflies-Teilnehmer in Delhi gestalten und auf den Straßen verteilen. Dort gibt es mittlerweile sogar von Straßenkindern gestaltete Hörfunksendungen, aber auch einen Sanitätsdienst, berichtet die 66 Jahre alte indische Wohlfahrtspflegerin, die seit den 1980er Jahren Straßenkinder an Bildung und eine eigenverantwortliche Zukunftsgestaltung heranführt. Denn auch Gesundheits-Fürsorge gehört zum Programm.

Die Ideen von Butterflies sind verblüffend: Mit Lernbussen fahren die Mitarbeiter an belebte Plätze in der Stadt, wo Kinder, deren Eltern zumeist ebenfalls Analphabeten sind, etwa als Straßenverkäufer Geld verdienen, und laden sie stundenweise ein, mit Bildung in Kontakt zu kommen. Die staatlich anerkannte Straßenschule soll gleichsam Lust machen auf den Besuch einer regulären Schule, und vielen Kindern gelinge so der Übergang, berichtet Panicker. Auch später bleibe der Lernbus Anlaufstelle für Schulkinder, etwa zur Hausaufgabenhilfe. Auch der Kontakt zu den Eltern gehört zum Programm, Butterflies bindet Interessierte etwa in die Schulorganisation mit ein. Und eine von Straßenkindern geführte Bank sammelt Geld für deren Ausbildung. Stolz berichtet die Butterflies-Gründerin von ehemaligen Straßenkindern, die heute als studierte Sozialarbeiter, Lehrer oder Mediziner bei Butterflies mitarbeiten.

Marlene Boers und Hilde Breuer haben sich kürzlich erst selbst ein Bild von der Butterflies-Arbeit in Delhi gemacht. „Das sind Eindrücke, die man gar nicht kurz in Worte fassen kann“, sagt Boers. Neben Müllhalden und mitten im Großstadtlärm begeistern sich Kinder fürs Lernen. Die Lehrer der Eine-Welt-AG sind angetan von der Idee der gemeinsamen Schülerzeitung, die deutsche und indische Jugendliche – über Spendenaktionen hinaus – in Kontakt bringen wird.