Grevenbroich/Jüchen: Vorstoß für neues Industriegebiet mit Container-Terminal

Idee: nach dem Tagebau Gazweiler: Vorstoß für Rekultivierungsfläche

RWE Power und die Duisburger Hafen AG wollen bei Grevenbroich auf der Rekultivierungsfläche des Tagebaus Garzweiler ein bimodales Gewerbe- und Industriegebiet entwickeln – mit angeschlossenem Container-Terminal.

Die Duisburger Hafen AG (duisport) und RWE Power werden eine Projektgesellschaft zur Entwicklung eines modernen Gewerbe- und Industriegebiets mit angeschlossenem Container-Terminal gründen. Das rund 53 Hektar große Areal liegt auf dem Gebiet der Stadt Grevenbroich und der Gemeinde Jüchen, überwiegend auf rekultivierten Flächen des auf Erkelenzer Stadtgebiet fortschreitenden Tagebaus Garzweiler, direkt an den Autobahnen 46 und 540. Es soll in enger Abstimmung mit den Kommunen und der Region vermarktet werden, teilte duisport-Sprecher Wilhelm Klümper am Dienstag mit.

Das Vorhaben: 45 Hektar des Gebiets sollen für die gewerblich-industrielle Nutzung zur Verfügung gestellt werden. Auf einer acht Hektar großen Teilfläche ist ein Terminal des kombinierten Verkehrs – ein Containerterminal – vorgesehen. Damit kann das Gelände an den überregionalen Schienenverkehr angeschlossen werden. Von dem Bau dieses Terminals sollen auch die in der Nähe des geplanten Gewerbegebiets angesiedelten Logistik-Verteilzentren profitieren, etwa 3M in Jüchen. „Diese haben künftig die Möglichkeit, ihre Verkehre von der Straße auf die Schiene zu verlagern“, sagt Klümper. Das Grundstück biete als Gewerbe- und Industriegebiet beste Voraussetzungen für die Ansiedlung attraktiver Unternehmen, alleine schon wegen der unmittelbaren Nähe zu den Autobahnen.

„Auch am linken Niederrhein wollen wir ein bedeutendes Gewerbezentrum mit vielen Arbeitsplätzen entwickeln. Mit diesem hoch attraktiven Areal erweitern wir unser Flächenangebot“, sagt duisports Vorstandsvorsitzender Erich Staake. Die Duisburger Hafen AG arbeitet bereits seit einigen Jahren bei verschiedenen Projekten mit RWE zusammen – die beiden starken Partner wollen nun gemeinsam ein Projekt realisieren, das strukturpolitisch herausragend für die gesamte Rhein-Ruhr-Region sein soll. „Dadurch wird die für NRW wichtige Logistikindustrie nachhaltig gestärkt“, sagt Staake.

Lars Kulik, Vorstandsmitglied von RWE Power, will erreichen, dass die Region langfristig von dem Gewerbe- und Industriegebiet profitieren kann: Für die Entwicklung und Vermarktung solcher Gebiete seien große Expertise und ein gutes Netzwerk nötig. „duisport bringt in das Joint Venture mit RWE Power unter anderem ihre besonderen Erfahrungen bei der Entwicklung von integrierten Verkehrskonzepten und Logistikarealen ein“, sagt Kulik.

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Stimmen die Kartellbehörden zu, so RWE-Sprecherin Stephanie Buchloh, könnte die Projektgesellschaft noch diesen Herbst gegründet werden. Und es gibt bereits einen grob skizzierten Fahrplan für den Bau des Gewerbegebietes: So wird für das Ende des Jahres 2020 ein erster Spatenstich angepeilt.

Das zügige Voranschreiten freut auch Jürgen Steinmetz, den Chef der Industrie- und Handelskammer Mittlerer Niederrhein: „Mit dem Joint Venture wird ein wichtiger Schritt zur Realisierung des Gewerbe- und Industriegebietes mit angeschlossenem Container-Terminal getan.“ Für Steinmetz ist das „eine sehr gute Nachricht“, zumal in der Region kurzfristig mobilisierbare Logistikflächen fehlten. Der IHK-Chef weiter: „Das Areal ist eine Premiumfläche, die die IHK Mittlerer Niederrhein mit dem Rhein-Kreis Neuss bewusst in der Studie zu Flächenpotenzialen in der Logistikregion Rheinland vorgeschlagen hat.“ Die IHK hatte sich gemeinsam mit Kreis und Kommunen dafür eingesetzt, dass das Areal als „überregional bedeutsame Fläche“ in den Regionalplan aufgenommen wird. Dort soll es entsprechend deklariert worden sein. Die IHK sieht jetzt die Grundlage für eine zügige Änderung des Flächennutzungsplans gegeben. Damit liege es in den Händen der Kommunen, entsprechende Bebauungspläne für das Gebiet zu erstellen.

Grevenbroichs Bürgermeister Klaus Krützen, der am Dienstag mit seinem Jüchener Amtskollegen Harald Zillikens mit den Details des Vorhabens vertraut gemacht wurde, begrüßt die Initiative der Projektgesellschaft. „Wichtig ist, dass die beiden Kommunen, auf deren Grund das bimodale Gewerbe- und Industriegebiet realisiert werden soll, ein Mitspracherecht haben. Wir werden es gemeinsam entwickeln.“ Nach seiner Einschätzung gebe es für diese Flächen zahlreiche Interessenten – „so dass wir das Vorhaben dementsprechend schnell realisieren wollen“.

Die Frage der Erschließung des Gebiets sei noch offen, sagt Krützen. „Wir wollen jetzt viele Mitstreiter dafür gewinnen, dass die A 540 zur Bundesstraße herabgestuft wird. Damit würde sich eine Zu- und Ausfahrt leichter realisieren lassen.“

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