Erkelenz: Gottes Wort vor vollem Haus

Erkelenz: Gottes Wort vor vollem Haus

Enorme Resonanz fand die Veranstaltung "Erkelenzer lesen aus der Bibel" in der Pfarrkirche St. Lambertus. Die zehn Redner trugen sehr persönliche Gedanken vor. Auch der Städtische Musikverein beeindruckte nachhaltig.

"Ist der Termin günstig gewählt?" Das war im Vorfeld der Veranstaltung "Erkelenzer lesen aus der Bibel – Gottes Wort an Menschen Ort" eine häufig gestellte Frage. Schließlich hatten die beiden Initiatoren, der Erkelenzer katholische Pfarrer Werner Rombach und sein evangelischer Amtsbruder aus Schwanenberg, Robin Banerjee, ausgerechnet den Samstagabend für das außergewöhnliche Unterfangen in St. Lambertus auserkoren. Sie selbst und acht weitere bekannte Erkelenzer aus sehr unterschiedlichen Bereichen setzten sich dabei mit Bibelstellen auseinander, die sie selbst ausgewählt hatten.

Schon vor Beginn war eines klar: Das Wagnis Samstagabend hatte sich ausgezahlt, zur "Prime Time" war die Kirche rappelvoll – etliche mussten sich gar mit Stehplätzen begnügen. Und gut zwei Stunden später war dann noch was klar: Es hatte sich gelohnt, statt vor dem Fernseher zu hocken in die Kirche gekommen zu sein.

Drei Profis, sieben Laien

Was nicht nur an den "Profis" lag, den beiden Pfarrern (wobei es im Grunde sogar deren drei waren: RP-Redakteurin Kristina Hellwig ist Diplom-Theologin). Denn auch die weiteren sieben legten sich mächtig ins Zeug, klopften "ihr" Zitat auch auf die Bedeutung für ihren Alltag ab, wurden dabei oft sehr persönlich.

So bekannte Stephan Schüren, Vorsitzender des Karnevalsvereins und des Gewerberings, gerade bei seinen Ehrenämtern immer wieder mit Vorurteilen konfrontiert zu werden. "Richtet nicht, dann werdet auch ihr nicht gerichtet werden", hatte er sich passender Weise daher als Bibelzitat ausgesucht.

Humoristisch gestaltete Comedian Christian Pape seine Betrachtungen zur Arche Noah: "Noah war laut Bibel ja schon 600 Jahre alt, als er die Arche baute, die mindestens fünfmal so groß wie ganz Matzerath war. Heute wollen die Menschen schon mit 63 in Rente gehen."

Auf jeden Vortrag folgte ein thematisch passendes Musikstück, dargeboten vom Städtischen Musikverein unter Leitung von Hans-Paul Breuer. Das 60-köpfige Orchester begeisterte mit mitreißendem Spiel und bewies dabei auch seine Vielseitigkeit. Das Repertoire reichte von Pop bis Klassik – und auch Bert Appermonts furiose und unter die Haut gehende "Saga Candida" aus dessen Musical "Die Saat des Satans" meisterte es bravourös.

Zur stimmungsvollen Atmosphäre trug auch das bewusst spärlich gehaltene Licht in der Kirche bei. Nur das Rednerpult (bzw. bei den Musikbeiträgen der Chorraum, wo das Orchester saß) war voll beleuchtet, das Mittelschiff dagegen nur notdürftig. Und einmalig wird der Abend auch nicht bleiben. Denn in einem ähnlichen Projekt werden sich nun auch Jugendliche mit der Bibel auseinandersetzen.

(RP)