Erkelenz: Glocken verlassen den Immerather Dom

Erkelenz: Glocken verlassen den Immerather Dom

Aus den Schallfenstern die beiden Türme von St. Lambertus in Immerath (alt) sind die Kirchenglocken zu Boden gelassen worden. Alle erhalten einen neuen Platz, vier von ihnen im Umsiedlungsort.

Sie werden dem Himmel nie mehr so nahe kommen wie bis gestern: Die sechs Glocken der Immerather Lambertuskirche, die dem Tagebau Garzweiler II weichen muss, verließen am Mittwoch und Donnerstag durch die Schallfenster die beiden Türme des "Doms". Vier von ihnen werden zukünftig in der im Bau befindlichen Kapelle in Immerath (neu) aus dem 17 Meter hohen Turm zu hören sein, und damit 51 Meter weiter entfernt vom Himmel als in Immerath (alt).

Eine der Glocken wiegt 1250 Kilo

Eine kleine Schar von Interessierten hatte sich gestern am Fuß der Kirchtürme eingefunden, um den Abschied des Geläuts zu begleiten, darunter die bewegte Vorsitzende des Immerather Kapellenvereins, Marlies Bereit, Johannes Klomp als Architekt der neuen Kapelle sowie der Denkmalpfleger des katholischen Bistums Aachen, Hans-Jürgen Bröls, der die Pfarre bei den Verhandlungen um die Entschädigungen mit RWE Power beraten hatte.

Mit Flaschenzügen hatten Mitarbeiter der Eifeler Glockengießerei Mark aus Brockscheid die bis zu 1250 Kilogramm schweren Glocken aus den Türmen geholt und auf einem offenen Anhänger festgezurrt. Die beiden Stahlglocken aus dem Nordturm — die Sebastian mit 1250 Kilogramm und einem Durchmesser von 1,51 Meter und die Maria mit 750 Kilogramm und 1,26 Meter, beide 1954 im Gussstahlwerk Bochumer Verein gegossen — werden ihren Dienst nicht in Immerath (neu) verrichten, sie wechseln auf die andere Rheinseite. Ein betuchter Katholik hat sie für seine Pfarrgemeinde bei Bergisch-Gladbach gekauft. Im neuen Immerather Türmchen ist kein Platz für sie.

Vier Glocken werden überholt

  • Fotos : St. Lambertus: Impressionen vom "Dom von Immerath"

Die beiden ältesten der vier vor Ort bleibenden Bronzeglocken werden vor dem nächsten Läuten zum Glühen gebracht, und zwar auf 900 Grad. Und dazu treten sie eine längere Reise an. Nämlich nach Nördlingen in Bayrisch Schwaben, wo die einzige europäische Glockengießerei heimisch ist, die Reparatur-Schweißarbeiten am Geläut vornehmen kann. Die beiden Glocken haben Risse, die den Wohlklang der Kirchenmusik-Instrumente schmälern.

Die weiteren beiden Glocken werden in der Eifeler Glockengießerei überholt, so dass in Immerath (neu) ein neuer (alter) Ton herrschen wird.

Glocken waren in beiden Weltkriegen dem Schicksal des Umschmelzens entgangen

"Lambertus heischen ich, in die Ere Gotz luden ich, Gregorius van Trier gous mich Anno Domini MCCCCXCVI" — das muss man nicht direkt verstehen, das ist Deutsch Anno 1496 und heißt 2014 (etwa): "Lambertus heiße ich, zur Ehre Gottes läute ich, Gregorius von Trier goss mich im Jahr des Herren 1496." Den Spruch hat Kunst-Handwerker Gregorius auf die Glocke gegossen, die dem Pfarrpatron Lambertus geweiht ist.

Sie hat einen Durchmesser von 87 Zentimetern und bringt 420 Kilogramm auf die Waage. In der gleichen Werkstatt entstand 1512 die Jesus-Maria mit 650 Kilogramm, während die kleinste, von einem ungenannten Meister 1670 geschaffen, 110 Kilogramm schwer ist. Sie sind in beiden Weltkriegen, obwohl bereits abtransportiert, dem Schicksal des Umschmelzens zu Kanonen entgangen.

(isp)