1. NRW
  2. Städte
  3. Erkelenz

Getreideernte in Erkelenz: Trockenheit macht Probleme, respektvoller Umgang gefordert

Im Erkelenzer Land : Landwirte freuen sich über Regen

Die Getreideernte hat begonnen. Dabei ist Rücksicht von Landwirten und der Bevölkerung wichtig – ebenso wie der Regen der vergangenen Tage. Ortslandwirt Hubert Fell rechnet mit durchschnittlichen Erträgen.

Auf den ersten Feldern Richtung Wassenberg wurde die Gerste bereits gemäht. „Durch die Trockenheit gab es leider wenig Ertrag“, sagt der Erkelenzer Ortslandwirt Hubert Fell. „Das ist für die betroffenen Landwirte von Nachteil.“

Seit einigen Tagen läuft die Getreideernte im Umkreis. Die Gerste ist als erste reif, weitere Getreidesorten folgen in den kommenden Wochen. „Wir müssen schauen, was jetzt an Erträgen rauskommt“, sagt Fell. „Eine Rekordernte wird es wohl nicht.“ Der Landwirt rechnet eher mit einer durchschnittlichen Ertragsmenge. Im Erkelenzer Umkreis hofft er auf eine bessere Gerstenernte als Richtung Wassenberg. Hier ist der Boden besser, kann Wasser länger speichern. Die Gerste reift dadurch weniger schnell ab. „Hier müsste sie in den nächsten acht Tagen gemäht werden“, sagt der Landwirt. Sonst knicke sie ab und könne nicht mehr gemäht werden.

Auch Bernhard Conzen, Vorsitzender der Kreisbauernschaft Heinsberg, hat bislang eher verhaltene Rückmeldungen der Landwirte im Kreis zur Gerstenernte erhalten. Er spricht von einem „unterdurchschnittlichen Ergebnis“. Grund dafür sind die Wetterbedingungen: „Die Witterung war nicht unbedingt gedeihlich, weil es im Frühjahr sehr trocken war“, sagt Conzen. Die Trockenheit lässt das Getreide schneller abreifen. Die Halme des Getreides machen dadurch „dicht“, wie Hubert Fell erklärt, und es gelangt kein Wasser mehr ans Korn. „Das vertrocknet dann. Und uns fehlt der Ertrag“, so Fell.

Hoffnung macht dem Landwirt der Regen der vergangenen Tage. „Der Weizen hat jetzt noch nicht so viel Trockenheits-Stress gehabt“, sagt Fell. Auch Bernhard Conzen hofft, dass Teile der Weizenernte von dem Regen profitieren können. „Der Regen könnte noch reichen“, sagt er. Hubert Fell schätzt, dass der Weizen in Erkelenz gemeinsam mit dem Raps Ende Juli oder Anfang August geerntet werden kann.

Die Witterung ist jedoch nicht die einzige Herausforderung, die die Landwirte in der Erntezeit beschäftigt. Immer wieder geht es um das Thema eines guten Umgangs zwischen Landwirten und der Bevölkerung. Anwohner würden sich Fell zufolge immer wieder über die Lärmbelastung beschweren, gerade wenn die Ernte sich weit bis in den Abend zieht. „Das geht auch schon mal bis elf Uhr“, so Fell. Auch am Wochenende müsse teilweise geerntet werden, obwohl die Landwirte das zu vermeiden versuchen, wie Fell sagt: „Ich bemühe mich, samstagnachmittags und sonntags nicht im Feld zu sein.“ Möglich sei das jedoch nicht immer. Dafür gibt es zwei Gründe: Zum einen darf das Getreide höchstens eine Feuchtigkeit von 50 Prozent aufweisen, sonst müssen die Landwirte die Kosten für die Trocknung tragen. „Also versuchen wir, das Getreide trocken zu mähen“, so Fell. Dafür müssen gerade in regnerischen Wochen die trockenen Tage ausgenutzt werden. Der zweite Grund liegt in den Maschinen, sagt Fell: „Ein Mähdrescher läuft, wenn es hochkommt, 14 Tage im Jahr.“ Daher müssen Landwirte die Maschine so lange wie möglich nutzen, wenn sie in Betrieb ist. Anwohnern, die sich über den Lärm während der Erntezeit ärgern, rät Fell, mit den Landwirten zu sprechen und sich die Gründe erklären zu lassen.

Ein ein guter Umgang miteinander ist wichtig. Das zeigt sich auch im Verkehr. Zur Erntezeit sind vermehrt landwirtschaftliche Nutzfahrzeuge auf den Straßen und Feldwegen unterwegs. Die Maschinen sind breit und langsam. Das führt bei einigen Verkehrsteilnehmern zu Ungeduld. „Zu Beginn der Erntezeit bitten wir immer um Rücksichtnahme und Verständnis“, sagt Bernhard Conzen. Er fordert rücksichtsvolles Verhalten jedoch nicht nur von anderen Verkehrsteilnehmern, sondern genauso von den Landwirten und ihren Mitarbeitern. „Wir müssen gucken, dass wir miteinander zurechtkommen“, sagt Hubert Fell. „Und das klappt auch größtenteils. Auf den Hauptverkehrsstraßen zum Beispiel haben die Menschen sich inzwischen dran gewöhnt.“

Probleme gebe es jedoch immer wieder auf Feldwegen. „Durch Corona sind mehr Fahrradfahrer und Spaziergänger unterwegs – was ich grundsätzlich begrüße.“ Die meisten von ihnen machen den Nutzfahrzeugen Platz. Einige jedoch würden sich rücksichtslos verhalten, den Fahrzeugen auf den schmalen Wegen keinen Platz machen. Genauso würden sich aber auch manche Fahrer der landwirtschaftlichen Maschinen nicht richtig verhalten. „Das muss nicht sein“, sagt Fell dazu.