1. NRW
  2. Städte
  3. Erkelenz

Gesangslehrerin aus Heinsberg rät: Singen vertreibt Sorgen und Ängste

Gesangslehrerin Natalie Diart aus Heinsberg : Singen vertreibt Sorgen und Ängste

Gesang stärkt das Immunsystem und das Gemeinschaftsgefühl, erklärt Gesangslehrerin Natalie Diart. Das ist in Krisenzeiten wichtig.

Das Bedürfnis der Menschen, sich in Zeiten der Coronakrise mit Klatschen, Instrumentenspiel oder Singen emotional zu äußern und sich zu solidarisieren, zeigt sich in der täglichen Berichterstattung und in den sozialen Medien vielerorts in Deutschland und Italien. Singen hebt die Stimmung, bekräftigt Natalie Diart, die als Gesangslehrerin an der Kreismusikschule Heinsberg in Erkelenz tätig ist. Eine Beschäftigung, der sich Kinder, Jugendliche und Erwachsene derzeit auch gut in den eigenen vier Wänden widmen können.

So besteht für Familien mit Kindern die Möglichkeit, sich auf Plattformen wie Youtube oder Spotify Lieder herunterzuladen und die Texte dazu auszudrucken, sagt Natalie Diart. „Dazu könnte man selber Tanzszenen oder Body Percussion erarbeiten.“ Somit singt man mit Sängern oder Liedermachern mit. Zudem führt sie das Karaoke-Spiel SingStar für Spielekonsolen als Anregung auf. „Und Musikschüler haben durch den unfreiwilligen Hausarrest die Gelegenheit, mehr zu üben, um am Ball zu bleiben und Neues einzustudieren.“ Ebenso könnten diejenigen, die nicht singen möchten oder kein Instrument besitzen, Kochtöpfe als Percussion-Instrumente nutzen. Die positiven Eigenschaften von Musik sind bekanntlich vielfältig. Bei ihren Schülern und in Workshops erlebe es die Gesangslehrerin oft, dass diese sich ins Musizieren hineinfallen und davon begeistern lassen. Dabei spiele für den Gesang das bewusste Atmen eine große Rolle – das übe man mit Atemtechnik ein. Zudem sei es wissenschaftlich belegt, dass Singen Stresshormone abbaut und sich mental in positiverer Stimmung auswirkt. Ebenso werden beim Singen Glückshormone ausgeschüttet und das Immunsystem verbessert. „Aufgrund der Routine nehme ich selber starke positive Gefühle nicht mehr so oft wahr“, erzählt die Opern- und Konzertsängerin, „aber bei besonderen Stücken, die ich erarbeitet habe, durchströmt mich durchaus ein Glücksgefühl.“ Zudem gehen mit dem klassischen Gesang intensivere körperliche und mentale Erfahrungen einher: „Es ist so, dass man ohne technische Verstärkung singt und unplugged die Konzerträume füllt“, erklärt sie, „die klassische Technik erzeugt intensivere Schallwellen, die eine Vibration im ganzen Körper hervorrufen, und das ist ein tolles Gefühl.“ Im Bereich von Jazz, Musical, Pop und Schlager konzentrierten sich Sänger mehr auf die Kehle, da es sich um einen anderen technischen Ansatz, die Belttechnik, handelt.

Die Freude am gemeinsamen Singen zeige sich heutzutage in Bewegungen wie Mitsingkonzerten und Chorwettbewerben, sagt Natalie Diart und betont dabei das starke Gemeinschaftsgefühl. Dies zeige sich ebenso in der langen Tradition des Kirchengesangs oder bei Fangesängen, die ebenfalls sehr intensive Erlebnisse darstellten. Ebenso wachsen viele Sänger in der Gruppe über sich hinaus, hat sie beispielsweise in Projekten bei vielen Schülern erlebt: Es fällt ihnen so leichter, in die Höhe zu kommen und die Atemspannung zu halten.

Und welche unvergesslichen persönlichen Glücksmomente hat sie selber in ihrer Gesangskarriere erlebt? Da erinnert sich die Sängerin etwa gerne an die Zeit zurück, als sie im Bayreuther Festspielchor beschäftigt war: Dort verspürte sie „sehr erhebende Momente“ und damit ein „sehr großes Glücksgefühl“. Ebenso ist sie glücklich, wenn bei einem Solokonzert vieles auf dem Punkt gelingt – besonders bei sehr leisen Stellen oder bei tonlichen Höhepunkten. Glücksgefühle stellen sich bei ihr zudem ein, wenn Schüler ein ganz tolles Niveau erreichen und sie und andere überzeugen, „sie ihre Stimme ganz aus allen Zwängen befreien“ können. Ein Ziel, an dem übrigens jeder Mensch arbeiten könne, wie sie betont. „Jeder hat eine schöne annehmbare Stimme, wenn man diese durch Technik aus Enge und Verkrampfungen befreien kann.“