Serie Unternehmer Der Region: Geprüfte Bestatterin

Serie Unternehmer Der Region: Geprüfte Bestatterin

Frauen im Bestatterwesen sind selten. Noch seltener sind sie selbstständig und von der Handwerkskammer als Bestatter zertifiziert. Somit gehört Stefanie Forg-Wehe zu einer für Frauen kleinen Berufsgruppe.

Erkelenz 1998 stieg Stefanie Forg-Wehe aus Erkelenz in den Beruf des Bestatters ein. Mit einem eigenen Unternehmen machte sie sich 2009 selbstständig. Seinen Sitz hat das an der Hermann-Josef-Gormanns-Straße. "Ich wollte immer schon die Prüfung als Bestatter vor der Handwerkskammer ablegen, auch wenn die Angehörigen gar nicht unbedingt auf diese Fachqualifikation achten", blickt Forg-Wehe zurück. Wie das aber manchmal im Leben so sei, sei es bei ihr lange nur beim Wunsch geblieben: "Man bekommt ein Kind. Es fehlt dafür die Zeit. Man macht sich selbstständig. Es fehlt dafür die Zeit. Jetzt aber war die Zeit." Von Februar bis November vergangenen Jahres fuhr Forg-Wehe regelmäßig zum Ausbildungszentrum für Bestatter in das bayerischen Münnerstadt, wo sie monatlich Blockseminare in Rechtskunde, Betriebswirtschaftslehre, Bestattungskultur und Grabmachertechnik von einer oder zwei Wochen sowie eine Abschlussprüfung absolvierte. Ihr Bruder Michael Wehe, mit dem sie "das kleine Familienunternehmen" in Erkelenz führt und der seit 2004 zertifizierter Bestatter ist, sorgte währenddessen zu Hause für den gemeinsamen Betrieb.

Dass Frauen eher selten im Bestatterwesen anzutreffen sind, beobachtete Stefanie Forg-Wehe auch während ihrer Fortbildung. Sie und eine weitere Teilnehmerin waren allein unter Männern. "Frauen sind in unserer Branche immer noch untypisch, vor allem in kleineren Familienbetrieben und als Selbstständige, weil wir nicht alles machen können, was Männer können. Bei Trauergesprächen sind Frauen sehr geeignet, ich aber beispielsweise stoße bei der Abholung und Einsargung insbesondere von schweren Personen an meine Grenzen. Ohne meinen Bruder ginge das nicht", sagt Stefanie Forg-Wehe. Auch die Fortbildung in Bayern habe ihr noch mal vor Augen geführt, wie körperlich anstrengend der Beruf sein kann: "Wir mussten per Hand ein Grab von 2,20 mal 1,30 Metern und einer Tiefe von 1,80 Metern ausheben."

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Fast zwei Jahrzehnte übt die Erkelenzerin ihren Beruf inzwischen aus - er hat sich in dieser Zeit verändert, findet sie. "Die meisten Menschen sterben heute in Altenheimen, Hospizen und Krankenhäusern, immer weniger aber zu Hause. Das war zu Anfang noch anders. Auch gibt es immer seltener Erdbestattungen, dafür mehr Urnenbestattungen, und in Erkelenz wird das Kolumbarium immer stärker angenommen, weil die Pflege der Grabstätte, die Zeit oder Geld kostet, wegfällt." Auch kenne sie heutzutage keine Vorsorgekassen von Nachbarschaften mehr, dafür werde die Vorsorge, vor allem von Menschen zwischen 65 und 80 Jahren, verstärkt privat betrieben. Ihrer Meinung nach sei das eine positive Veränderung: "Das erleichtert es den Hinterbliebenen - es bleibt ihnen mehr Zeit für Trauer statt für Formalitäten."

(spe)
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