Serie 40 Jahre Kreis Heinsberg: Genfelder feiern heute 40 Jahre Einheit

Serie 40 Jahre Kreis Heinsberg: Genfelder feiern heute 40 Jahre Einheit

Bis zur Neugliederung 1972 war das Dorf kommunaltechnisch gespalten – mit einigen sehr kuriosen Konsequenzen.

genfeld Ein teures Ferngespräch um jemanden auf der anderen Straßenseite des Dorfes anzurufen – klingt abstrus, aber so war es lange Zeit im damals rund 90 Seelen zählenden Örtchen Genfeld. Genau gesagt bis zum 1. Januar 1972. Denn bis dahin war das Dorf kommunaltechnisch gespalten: Die eine Hälfte zählte zur Gemeinde Schwanenberg, die andere zu Wegberg.

Was eben auch unterschiedliche Vorwahlnummern bedeutete – die "Schwanenberger" hatten die 02431, die "Wegberger" die 02434. "Da hat man sich schon überlegt, ob man zum Hörer greifen sollte, wenn man jemandem von der anderen Straßenseite was mitteilen wollte. Da ist man lieber mal schnell über die Straße gelaufen und hat das dem persönlich gesagt", erinnert sich Angelika Zohren vom Vorstand der Dorfgemeinschaft Genfeld.

Seit 1972 ist dies nicht mehr nötig. Da wurde das ganze Dorf zur Stadt Erkelenz geschlagen. Die 40 Jahre Einheit feiern die Genfelder heute – auf dem Hof von Ingo Bünten. Genau dort verlief seinerzeit auch die Grenze. Um einmal (leicht variiert) ein berühmtes Wort Willy Brandts zu zitieren: Am 1. Januar 1972 ist zusammengewachsen, was zusammengehört. So ganz einmütig sei das damals aber nicht passiert, erzählt Willi Jansen, 16 Jahre stellvertretender Bürgermeister von Erkelenz und in Genfeld wohnend. "Es gab schon unterschiedliche Meinungen im Dorf: Die einen wollten nach Erkelenz, die anderen nach Wegberg. Und heute darf ich es ja ruhig einmal zugeben: Ich selbst war für Wegberg – ich saß damals ja schon im Wegberger Stadtrat." So ganz ohne Wegberg geht's in Genfeld aber auch heute noch nicht: Im ganzen Dorf gilt als Telefonvorwahl seit 1972 die 02434.

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Die Vorwahlgeschichte war aber nicht die einzige Kuriosität, mit der sich die Genfelder bis 1972 herumplagten. Noch gravierender ist etwas anderes: Der Nachwuchs des Dorfes besuchte auch zwei unterschiedliche Schulen – die "Schwanenberger" gingen in die Schwanenberger Volksschule, die "Wegberger" in die Geneikener. "So kam es, dass meine beste Freundin aus Kindheitstagen eine andere Schule besuchte als ich, obwohl sie nur einen Steinwurf entfernt wohnte", bemerkt Gerd Theißen. Die Schulen genossen ein höchst unterschiedliches Prestige: "Die Schwanenberger waren die Schlauen, die Geneikener die Doofen", erläutert Angelika Zohren. Hintergrund: Die Schule in Geneiken war in sehr radikaler Weise einzügig – Klasse eins bis acht in einer einzigen Klasse versammelt.

Und neben der heutigen Feier freuen sich alle aufs nächste Jahr. "Dann soll der Genfelder Kirchweg fertig sein. Dann gibt es eine direkte und autofreie Anbindung nach Schwanenberg – was gerade für unsere Schulkinder sehr wichtig ist", betont Volker Morjan, Vorsitzender der Dorfgemeinschaft.

(RP)
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