Erkelenz: Freude pur beim Prinzen - auch über gefühlte 8,5 Milliarden Kalorien

Erkelenz: Freude pur beim Prinzen - auch über gefühlte 8,5 Milliarden Kalorien

Die RP fuhr auf dem Prinzenwagen von Roland I. und Kristina I. im Erkelenzer Rosenmontagszug mit. Der enorme Aufwand aller Teilnehmer zahlte sich aus: Es war ein rundum gelungener Karnevalszug.

Zunächst sind fürs Prinzenpaar Roland I. und Kristina I. (Knippertz) samt ihrem Hofstaat Geduld, Winke-Winke und dutzendfach angestimmtes "Erkelenz, maak mött!" auf dem Prinzenwagen angesagt. Der bildet nun mal den Abschluss eines Karnevalszugs - alle anderen Wagen, Musik- und Fußgruppen ziehen auf der Nordpromenade also erst mal am Prinzengefährt vorbei, grüßen ebenso gut gelaunt wie huldvoll die Erkelenzer Majestäten. Minister Dirk "Joker" Franke freut sich dabei über eines ganz besonders: "Ich höre keine Techno-Mucke, auf allen Wagen läuft Karnevalsmusik" - mit zwei eindeutigen Favoriten: Kasallas "Stadt met K" und die "Leev Marie" der Paveier klingen oft aus den Boxen der vorbeifahrenden Wagen.

Prinz Roland demonstriert derweil vor dem Höhepunkt seiner närrischen Regentschaft Gelassenheit: "Nein, ich bin nicht nervös. Das war ich in den vergangenen Wochen vor einigen Veranstaltungen. Den Zug wollen wir jetzt einfach genießen."

Betrachtet man den Prinzenwagen vom Oberdeck aus, könnte man zunächst glauben, hier stehe ein Großtransport zu einer Mülldeponie unmittelbar bevor - sehr viele große schwarze vollgepackte Plastiksäcke stehen auf dem Boden herum. Darin befindet sich freilich der Großteil des Wurfmaterials. Den Grund erläutert Hofmarschall Theo Görtz: "Wir haben während des Zugs weder Zeit, all die Kartons auszupacken, noch Platz dafür. Also haben wir das ganze Zeug vorher in Plastiksäcke umgefüllt." Das ist eine Menge: "Sechs Paletten, jede davon zwei Meter hoch", präzisiert Görtz. Dazu kommen noch rund 500 Plastikbälle, die zu Beginn größtenteils noch im Bauch des Prinzenwagens schlummern, aber auch alle buchstäblich verballert werden müssen.

Wer freilich der eigentliche Kommandant (und zugleich eine wahre Arbeitsbiene) auf dem Prinzenwagen ist, stellt sich schon bei Beginn der Fahrt heraus: Theo Görtz' Sohn Stephan, Mitglied der Funkengarde, gibt bereits zum 11. Mal auf dem Prinzenwagen den "Kamellemeister" , wie er sich selbst nennt.

Als Erstes verteilt der die Crew auf die einzelnen Plätze - der obere Teil des Decks ist dabei ausschließlich fürs Prinzenpaar bestimmt. "Nur die dürfen von da werfen. Für alle anderen ist das allenfalls eine Chill-out-Zone", ordnet er freundlich, aber bestimmt an. Jeder nimmt seinen Platz ein, und los geht's. Thomas Becker, Minister Nummer zwei, treibt dabei eine Sorge um: "Hoffentlich schmeiße ich niemandem eine Tafel Schokolade an den Kopf."

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Immerhin habe der Hofstaat das Werfen von Kamelle und ähnlichem bei Besuchen in diversen Schulen schon mal ein wenig geübt, verrät Roland I. schmunzelnd. "Der Rest ist nun learning by doing" (Lernen beim Machen). Den Fortbildungswert der knapp 200 Termine, die der Hofstaat in den vergangenen sechs Wochen absolviert hat, unterstreicht derweil Dirk Franke: "Ich kenne nun alle Erkelenzer Kindergärten, Schulen und Altenheime."

Mit so viel Theorie möchte und kann sich Stephan Görtz nicht aufhalten: Der jagt in einem fort über das Deck, sammelt leere Tüten ein, klettert in den Bauch des Wagens, holt volle raus, macht sie auf und verteilt den Inhalt auf die Wurfrinnen - Arbeit im Akkord. Dabei muss er auch den Überblick über die Bestände wahren: "Einfach Feuer frei geht nicht. Da muss man manchmal auch piano machen - außer das Prinzenpaar. Das darf immer richtig schmeißen." Mit piano haben es Roland I. und Kristina I. aber ohnehin nicht so. Beide sind auf dem Oberdeck voll in ihrem Element, werfen, was die Arme hergeben - ständige Grüße ans Narrenvolk inklusive.

Den Höhepunkt erreicht der fulminante Zug, der die Sparversion des Vorjahrs in jeglicher Hinsicht vergessen machen lässt, auf der Aachener Straße - kurz vor dem Zieleinlauf auf dem Marktplatz also. Da stehen die Menschen dicht an dicht, und da ohnehin noch genügend Wurfmaterial vorhanden ist, gibt Görtz nun für alle: "Feuer frei!"

Fürs Prinzenpaar selbst ist der Höhepunkt auf der Aachener Straße direkt hinter dem Franziskanerplatz erreicht - am Haus der Familie Dickert, wo auch die Familien des Prinzenpaars stehen. "In der Küche der Dickerts waren wir vor zwei Jahren nach dem wegen des Sturms ausgefallenen Rosenmontagszug versammelt. Dabei ist auch die Idee geboren worden, dass wir mal das Prinzenpaar machen könnten. Den Einmarsch haben wir dort damals schon mal geübt - von der Küche ins Wohnzimmer", erläutert Roland feierlich und kündigt an: "Das werden wir gleich nach dem Zug dort wieder tun - diesmal im Ornat."

Und sein Gesamtfazit des Zugs? "Wir haben gefühlte 8,5 Milliarden Kalorien unters Volk gebracht. Das war wie im Rausch."

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das war der Rosenmontagszug in Erkelenz

(emo)
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