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Erkelenz: Freie Bahn für Kinder

Erkelenz : Freie Bahn für Kinder

Das Erkelenzer Wohngebiet Oestricher Kamp verwandelte sich in den wohl größten Spielplatz Deutschlands. Der Kinderschutzbund machte den Anstoß zu mehr Verkehrssicherheit. Die Anwohner sorgten für das Fest.

Ein Spielstraßenfest. Das heißt eigentlich nichts anderes, als dass in den Straßen, auf denen sich Autos nur im Schritttempo fortbewegen dürfen, nach Herzenslust gespielt werden darf. So wie an jedem anderen Tag auch. Doch das Spielstraßenfest im Erkelenzer Wohngebiet Oestricher Kamp am Samstagnachmittag war trotzdem viel mehr als das. Es brachte die Familien vor die eigene Haustür, rückte Nachbarschaften näher zusammen und machte aufmerksam auf die Bedürfnisse aller, besonders natürlich der Kinder. Die Stadt und der Kinderschutzbund hatten zu einem "Quadratkilometer Spaß" eingeladen unter dem Motto "Mach mit — fahr Schritt — Tempo 7". Prominentester "Mitspieler" war Landesfamilienminister Armin Laschet, der auch die Schirmherrschaft übernommen hatte.

"Spielstraßen sind zum Spielen da"

Empfangen wurde er auf dem großen Spielplatzgelände am Karolingerring, wo die Auftaktveranstaltung stattfand. Hoch oben auf dem grünen Hügel sang der Beecker Kinderliedermacher Georg Wimmers mit den um sich versammelten Kleinen "Spielstraßen sind zum Spielen da, das ist doch sonnenklar". Spielerisch umgesetzt, hatte die Auftaktveranstaltung dennoch einen sehr ernsten Hintergrund. Und da sollten sich alle Autofahrer an die eigene Nase packen: "90 Prozent der Anwohner im Oestricher Kamp fahren zu schnell", sagte Michael Kutz, Vorsitzender der Kinderschutzbund-Ortsgruppe Erkelenz. Auch die stellvertretende Bundesvorsitzende Marlis Herterich warnte davor, dass Thema Kinder und Verkehr in Vergessenheit geraten zu lassen: "Ein Auto ist ein richtig böses Instrument, wenn man es nicht richtig benutzt", sagte sie. Davon konnten sich die Erwachsenen bildlich überzeugen. Ein selbstgebasteltes Riesenauto stand auf dem Spielplatz, das daneben stehende Erwachsene so klein erscheinen ließ wie Kinder neben echten Autos. Viele weitere Aktionen, auch von der Polizei, drehten sich um das Thema Verkehrssicherheit wie ein Fahrradparcours auf dem Schulhof der Luise-Hensel-Schule. Für den weiteren Spaß beim Fest waren die Anwohner selbst verantwortlich. Und in vielen der insgesamt 50 Spielstraßen war reichlich Action: Bobbycarrennen, Dosenwerfen, Hau die Erbse, Kinderschminken und noch viel mehr. Und während die Kinder von einem Angebot zum nächsten unterwegs waren, trafen sich die Erwachsenen zum Plausch vor der Haustür. Tische und Stühle auf die Straße gestellt, Musik, Getränke und Kuchen dazu — So könnte es eigentlich an jedem Samstagnachmittag sein.

(RP)