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Franziska Gedak (18) aus Erkelenz: Coronakrise bremst FSJlerin in Ecuador aus

Franziska Gedak (18) aus Erkelenz ist auf dem Weg nach Hause : Coronakrise bremst FSJlerin in Ecuador aus

Das Coronavirus sorgt für ein abruptes Ende der Arbeit von Franziska Gedak im Freiwilligen Sozialen Jahr in Ecuador. Die 18-Jährige wird am Samstag von ihren Eltern erwartet, die schon eine abenteuerliche Rückreise hinter sich haben.

Dieses abrupte Ende ihres Freiwilligen Sozialen Jahres in Ecuador hätte Franziska Gedak nie erwartet. Die 18-Jährige aus Erkelenz-Geneiken arbeitet seit August für ein Pfadfinderprojekt in Guayaquil. Noch bis Ende Juli sollte ihr Aufenthalt in Südamerika dauern. Willkommen war ihr dabei durchaus der Besuch der Eltern Alexandra und Klaus Gedak, die gerade jetzt einen Urlaub in Ecuador machten. Der Gedanke, das weltweit grassierende Coronavirus könnte alle Pläne zunichte machen, lag vor wenigen Tagen noch fern. „Als wir in Ecuador unterwegs waren, haben wir von Krankheitsfällen in Deutschland gehört, in Ecuador gab es aber nur einen einzigen Verdachtsfall“, berichtet Alexandra Gedak.

Was aber das Auswärtige Amt in seiner E-Mail an Franziska Gedak Anfang der Woche mit den Worten „Schließung der Grenzen für den internationalen Reiseverkehr“ umschrieb, bedeutete für die 18-Jährige aus Erkelenz nichts anderes, als dass sie aufgefordert wurde, unverzüglich die Koffer zu packen und in die Heimat zurückzukehren. Gleiches galt selbstverständlich für ihre Eltern, die ohnehin an diesem Wochenende nach Hause fliegen wollten. Die pragmatische Lösung: „Dann fliegen wir zusammen!“

Die 18-Jährige aus Erkelenz-Geneiken war im August 2019 nach Ecuador geflogen. Foto: Gedak

Doch dann überschlugen sich die Ereignisse. „In Ecuador wurde auf einem Schlag eine absolute Ausgangssperre abgeordnet. Ab 14 Uhr bis zum nächsten Morgen durfte niemand mehr seine Zimmer verlassen.“ Da wohnten die Eltern schon in einem Hostel in Quito, derweil Franziska bei ihrer Gastfamilie in Guayaquil hockte. „Ich hatte gerade einmal eine Stunde Zeit, meinen Arbeitsplatz bei den Pfadfindern zu verlassen“, sagt die junge Frau. „Ich konnte mich noch nicht einmal von den Menschen verabschieden.“

Grafity ist im Park GuayArte in Ecuador: Franziska Gedak musste ihr Freiwilliges Soziales Jahr wegen der Coronakrise abrupt abbrechen. Foto: Gedak

Bei einem Zwischenstopp des Fluges von Quito nach Amsterdam in Guayaquil wollte Franziska zusteigen und an Bord ihre Eltern begrüßen. „Plötzlich erfuhren wir, dass unser gebuchter Flug ersatzlos gestrichen wurde“, berichtete Alexandra Gedak. „Wegen des Coronavirus wurde sämtliche Flugaktivität eingestellt. Wann es einen anderen Flug geben sollte, konnte uns niemand sagen.“ So blieb nichts anders übrig, als die Zeit in dem kleinen Hostel zu verbringen. „Autofahren war strikt untersagt, deshalb konnten wir auch nicht unseren Leihwagen nutzen.“ Warten war angesagt, ehe am Mittwoch der Anruf vom Reisebüro kam: Die Eheleute waren für einen Flug nach Amsterdam vorgesehen. Schnell wich der Freude darüber Entsetzen: Das Flugzeug konnte nicht in Guayaquil zwischenlanden, um dort Franziska und andere Mitreisende aufzunehmen. „Die Bürgermeisterin hat kurzerhand verfügt, dass die Landebahn mit Lkw zugestellt wird“, hat Franziska erfahren. Die KLM-Maschine flog ohne Stopp nach Europa, wo sie am Donnerstag in Amsterdam landete. Die Eheleute Gedak gelangten ohne große Kontrollen, Belehrungen oder Anweisungen mit ihrem Gepäck zum Bahnhof, von dort mit dem Zug nach Erkelenz.

„Meine Hoffnung schwindet immer mehr, dass ich aus Ecuador rauskomme“, meinte Franziska in ihrer ersten Enttäuschung am Donnerstag. Sie konnte nichts mehr tun als warten. „Wenn ich bis Sonntag keinen Rückflug bekomme, wird es wohl bis Anfang April dauern, bevor ich hier wegkomme.“ Ab dem Wochenende sollte sämtlicher Flugverkehr von und nach Ecuador eingestellt werden. Doch ebenso plötzlich wie bei ihren Eltern erhielt sie am frühen Freitagmorgen einen Anruf aus der Botschaft, sie sei für den Flug um 20 Uhr nach Amsterdam vorgesehen. Das Einchecken per Internet funktionierte, das elektronische Ticket hat sie auf ihrem Handy gespeichert. „Jetzt muss das Flugzeug auch tatsächlich starten. Aber da bin ich optimistisch“, sagte Alexandra Gedak am Freitagabend. Sie ist optimistisch, dass sie heute in Amsterdam ihre Tochter wiedersieht.

Die Familie will sich dann selbstverständlich an die dringend gebotene Zurückhaltung bei den sozialen Kontakten halten. Klaus Gedak wird seine berufliche Tätigkeit wie viele andere im Homeoffice wahrnehmen, Alexandra Gedak ist in dieser Woche ohnehin beschäftigungslos geworden. Die Fotografin, die ansonsten Neugeborene ablichtet, darf wegen der Coronoakrise das Erkelenzer Krankenhaus nicht mehr betreten. Und Franziska? Sie wird nach der Rückkehr schnellstmöglich Kontakt zu ihren Freunden in Ecuador suchen und sich nach deren Wohlergehen erkundigen.