Erkelenz: Fotografen gehen "Neue Wege"

Erkelenz : Fotografen gehen "Neue Wege"

Interessante Schau von Marion und Jürgen Herbel im Johanniter-Stift.

Marion und Jürgen Herbel zeigen "neue Wege" mit ihrer Ausstellung im Johanniter-Stift Erkelenz - Fotografien mit nicht definierbaren Räumen und fragmentarisch erkennbaren Körpern. Bewohner und Besucher können noch bis zum 19. Juli sich der spannenden Frage hingeben, welche Motive auf den 15 Fotografien, die das Erkelenzer Ehepaar Marion und Jürgen Hebel im Restaurant der Einrichtung zeigt, dargestellt sind. Denn anstatt sich der Gegenstandsfotografie zu verschreiben, sind die beiden Fotografen experimentell vorgegangen, indem sie "...neue Wege", so der Titel der gleichnamigen Ausstellung, beschreiten.

Diese neuen Wege sehen so aus, dass Marion und Jürgen Hebel ein Motiv festhalten, es aber mittels Unschärfe, Überblendungen der digitalen Technik, Farbfilter und außergewöhnlichen Lichtverhältnissen derart verfremden, dass es für den Betrachter schwierig wird, das Motiv zu identifizieren. Mitunter wirken die Fotografien wie Abstraktionen, losgelöst von jeglicher Gegenständlichkeit, die jedoch hier und da noch ein Versatzstück eines realen Motivs enthalten und so den Betrachter geradezu herausfordern, sich mit der Darstellung auseinanderzusetzen.

"Für uns bedeutet es eine Herausforderung, einen anderen Blickwinkel zu finden", erklärt Marion Herbel. Da wird ein Sonnenuntergang zu "foggy green", nur weil Marion Herbel die Belichtung runtersetzte und die Schärfe manuell manipulierte. Schemenhaft und verfremdet ist ein kopfloser Mensch bei "headless" zu sehen. Hier ging Marion Herbel hin und fotografierte ihren Mann hinter einem Duschvorhang, wobei er den Kopf weg drehte.

Mit Lichtquellen und Filtern für die Kamera entstand dann dieser unscharfe Blick hintern einen Vorhang. Ein anderes Mal lässt sich nur ganz diffus erahnen, dass Jürgen Hebel mit seiner Linse in die Fußgängerzone von Erkelenz zoomte. Er gibt so den Blick frei auf eine Abstraktion, betitelt als "turner", bei der man die Fußgänger als bewegte Objekte nur erahnen kann.

Ob nun aus dem Auto heraus auf den Außenspiegel oder aus dem Fenster auf die Straße mit ihren Autolichtern fotografiert - die Fotografien zeigen neue Sehgewohnheiten und erzählen neue Geschichten. Die beiden Fotografen haben den geübten Blick für ungewöhnliche Motive, die sie dann entfremden. Und so konfrontieren sie den Betrachter mit nicht definierbaren Räumen und nur an wenigen Details auszumachenden Körpern.

(RP)
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