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Flüchtlingsausflug Erkelenz Flüchtlingshilfe Amos

Von Erkelenz in Tagebaudörfer : Flüchtlingsausflug ins Braunkohlerevier

Bei einem Busausflug konnten Flüchtlinge die Stadt Erkelenz und ihre Umgebung kennen lernen. Dabei erfuhren sie, dass auch hier Menschen Angst um ihre Heimat haben – weil Dörfer für die Energiegewinnung weichen müssen.

Rund 50 Flüchtlinge erlebten den ersten Busausflug durch Erkelenz und Umland. Sie sollten einen Einblick in die Stadt, ihre Dörfer und die Lebenssituation der Menschen hier bekommen. Den Veranstalter Achim Kück, Seelsorger in der Flüchtlingsarbeit und Koordinator der katholischen Notfallseelsorge der Region Heinsberg, unterstützten Ehrenamtler der Flüchtlingshilfe Amos in Heinsberg.

Den Flüchtlingen wurde das gezeigt, was die Menschen hier zurzeit sehr beschäftigt. Dabei schauten sie sich alles rund um den Tagebau Garzweiler II an. „Wir wollten ihnen erklären, was Braunkohle ist und dass damit unser Strom erzeugt wird“, sagte Achim Kück. Am bis dahin heißesten Tag im Jahr wurden den Flüchtlingen neben dem „Skywalk“ mit Blick in den Tagebau die Konsequenzen gezeigt – sowohl die abgebaggerten Dörfer als auch die neuen Siedlungen. Mit einer jungen Dolmetscherin versuchten die Flüchtlingshelfer, den neuen Mitbürgern die Situation zu erklären. „Heimat verlieren geht auch hier“, sagte Achim Kück, der seit vier Jahren in der Flüchtlingshilfe des Bistums arbeitet.

Weiter ging’s nach Alt-Immerath. „Bei allen ist eine beeindruckende Stille eingekehrt“, betonte Kück. Das ist nicht schwer zu glauben, das menschenleere Dorf wirkt wie eine Geisterstadt. „Die Heimat wegen Krieg zu verlassen war schwer. Ich fühle mit den Menschen, die hier auch ohne Krieg wegen der Energiegewinnung ihre Heimat verlassen mussten. Jahrzehnte voller Geschichte gehen dabei verloren“, sagte der 20-jährige Tischler-Azubi Nasrat aus Afghanistan. Zum Vergleich ging es im Anschluss zur neu entstehenden Siedlung Immeraths. Kück: „Viele von den Flüchtlingen sagten dazu, es wäre neu und modern, aber eben doch nicht die Heimat der Ansässigen.“ Einer davon war der 21-jährige Aziz. Der ebenfalls aus Afghanistan stammende Automechatroniker-Azubi sagte: „Ich finde es schlimm, dass diese Menschen wegen der Kohle umziehen müssen. Es ist erstaunlich, wie wichtig die Braunkohle ist.“ Später ging es nach Keyenberg, wo die Gruppe die Atmosphäre eines Dorfs im „Sterbeprozess“ fühlen konnte. „Wir wollten ihnen zeigen, dass Energie auch einen Preis hat, dann ist es auch ein Stück Heimat, das verloren geht“, sagte Kück. Dann fügte er hinzu: „Das verstehen die Geflüchteten sehr gut, die sind ja auch nicht freiwillig gegangen. Die sind jetzt hier, weil sie keine Heimat mehr haben.“

Die Flüchtlingshilfe Amos ist eine Anlauf- und Zwischenstation für Geflüchtete. Sie hilft ihnen bei der Bewältigung des Alltags und gesellschaftlichen Abläufen, bürokratischen Angelegenheiten oder bietet Sprachkurse an. Beim monatlich stattfindenden „Café International“ in der katholischen Kirchengemeinde in Oberbruch treffen sich die Menschen aus den Unterkünften im Umfeld mit den Bewohnern und Helfern. Dabei werden neben dem traditionellen deutschen Frühstück auch Spezialitäten aus den Herkunftsländern angeboten.

Nach zwei Stunden Fahrt war Endstation an der Mehrzweckhalle in Golkrath, um bei einer geselligen Runde ins Gespräch zu kommen und auch mal abzuschalten. Dazu sagte Achim Kück: „Das ist mal eine gute Gelegenheit für die Flüchtlinge, ihre Probleme für einen Tag zu vergessen.“