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Fahrradfreundliche Stadt Erkelenz

Serie : Fahrradfahrer sollen Stadtkern erobern

Schon seit fast zehn Jahren darf sich Erkelenz als fahrradfreundliche Stadt bezeichnen. Das ist für die Verantwortlichen im Rathaus Motivation, sich weiter darum zu bemühen, Erkelenz noch fahrradfreundlicher zu gestalten.

Die Arbeitsgemeinschaft fußgänger- und fahrradfreundlicher Städte (AGFS) bescheinigte vor zwei Jahren der Stadtverwaltung, sich in der Förderung der Nahmobilität und des Fahrradverkehrs bewährt zu haben und sich fahrradfreundlich zu nennen. Die Belobigung ist verbunden mit der Verpflichtung, sich weiter zu engagieren, sonst ist die Bezeichnung so schnell futsch wie die Luft aus einem aufgeschlitzten Fahrradschlauch. Ob sich die neuen Reglementierungen im Straßenverkehrsrecht bei der weiteren Verbesserung der Fahrradfreundlichkeit auszahlen, bleibt abzuwarten. Danach gibt es keine Radwegebenutzungspflicht mehr. In Tempo-30-Zonen braucht es keine Radwege mehr. Zugleich soll der Abstand zwischen Radfahrern und Verkehrsteilnehmern auf den Straßen vergrößert werden. „Wir haben in Erkelenz viel erreicht“, meint Nicole Stoffels, die im Amt für Wirtschaftsförderung und Stadtmarketing Augenmerk auf das Fahrradfahren legt. So beträgt nach neuesten Zahlen der Anteil der Radfahrer am Straßenverkehr rund 18 Prozent und liegt damit im Vergleich zu anderen Städten weit über dem Durchschnitt.

Nächstes Ziel ist es, die 20-Prozent-Grenze zu knacken. Die Werbemaßnahmen werden von Stoffels koordiniert. Um die baulichen Voraussetzungen auf dem Weg dorthin kümmert sich Technischer Beigeordneter Ansgar Lurweg. „Wir müssen es schaffen, den Zielverkehr mit dem Fahrrad in die Innenstadt zu verbessern.“ Aus den Außenorten und den Neubaugebieten sollten Radfahrer problemlos und ohne Behinderungen durch Autoverkehr in die Innenstadt kommen. Neue Radwege entlang der Straßen sind eine Möglichkeit, eine andere ist die noch bessere Ausnutzung des vorhandenen Wegenetzes. „In erster Linie orientieren sich die Streckenführungen über unser gutes Wirtschaftswegesystem an touristischen Aspekten“, meint Stoffels. Da würde nicht immer die kürzeste Strecke ausgeschildert, sondern die landschaftlich reizvollste. Es müsse daher ein Fahrradleitsystem her.

Das Radfahren sei umweltschonend. „Strecken bis zwei Kilometer werden in der Regel mit dem Fahrrad zurücklegt. Strecken bis zu zehn Kilometern könnten kostengünstiger als mit anderen Mitteln absolviert werden“, ergänzt Lurweg. „Das Fahrrad ist das einfachste Verkehrsmittel, um kurze Entfernungen zurückzulegen. Der Technische Beigeordnete spricht aber auch die Problempunkte: Die Straßen führen nicht immer direkt zum Ziel. Die Verkehrssicherheit ist nicht immer gegeben. Abstellmöglichkeiten für die Drahtesel fehlen oft. Zum letzten Aspekt kann Stoffels leichte Entwarnung geben. „Die Stadt hat Fördermittel für 1400 Abstellplätze bekommen. 700 alte Felgenklemmer im Stadtgebiet werden ausgetauscht, 700 neue kommen an ausgewählten Punkten hinzu. Die Kosten von 400.000 Euro werden zu 75 Prozent bezuschusst.“

Lurweg blickt noch einen Schritt weiter. „Wir müssen zu einem Umdenken in der Mobilität kommen.“ Der Umstieg vom Auto aufs Fahrrad und andere Verkehrsmittel müsse attraktiver werden. Schnellstrecken etwa zwischen Mönchengladbach oder Hückelhoven und Erkelenz, die nur Radfahrern vorbehalten sind, wären eine Möglichkeit, Leihräder an Bahnhöfen eine andere oder auch sichere „Parkdecks“ für Zweiräder oder auch ein „Multibus rund um die Uhr für Fahrradfahrer“. Demnächst bietet die Stadt Erkelenz außerdem gemeinsam mit einem Naturkostladen an der Nordpromenade testweise ein Lastenfahrrad zur Ausleihe an. Jeder Interessent kann damit größere Lasten transportieren, für die auf einem normalen Gepäckträger oder in Taschen kein Platz ist.

Bei allen Perspektiven und Planungen gibt es auch die Erkenntnis, dass nicht alles, was gut gemeint ist, auch Erfolg bringt. Lurweg spricht von den Ladestationen für E-Bikes. „Die werden selten in Anspruch genommen“, meint er, was wohl damit zusammenhänge, dass die Batterien inzwischen so leistungsstark geworden seien, dass ein Zwischenladen nicht erforderlich sei.“ Erfreulich sei, dass es im Fahrradwegenetz keine Unfallschwerpunkte gebe. „Es gab mal an der Ausfahrt einer Tankstelle auf die Antwerpener Straße Probleme, die sind aber behoben worden.“ Zur Steigerung der Verkehrssicherheit hätten auch die Änderungen in den Kreuzungsbereichen beigetragen. Dort wurden Markierungen auf den Straßen derart verändert, dass spezielle Zonen Radfahrern speziell als Linksabbieger mehr Schutz bieten.