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Erkelenz: Erst der Mensch, dann die Zahlen

Erkelenz : Erst der Mensch, dann die Zahlen

Christian Niedworok, der neue Chefarzt der Urologie am Hermann-Josef-Krankenhaus, setzt auf Kontinuität und die Beibehaltung der guten Atmosphäre. Minimalinvasiver und organerhaltender Therapie gilt ein besonderes Augenmerk.

Er sei sich sicher, am Hermann-Josef-Krankenhaus an der richtigen Stelle gelandet zu sein, hatte der neue Urologie-Chefarzt Christian Niedworok beim Stabwechsel im Oktober gesagt - und auch nach nun knapp drei Monaten im neuen Amt sieht der Nachfolger des langjährigen Urologie-Chefs Thomas Fahlbusch das nicht anders. "Ich hatte mir die Entscheidung nicht leicht gemacht", sagt er. Denn neben Erkelenz standen auch andere Kliniken auf der Bewerberliste. "Aber hier haben mir die Menschen am meisten zugesagt. Ich habe schnell gespürt, dass im Hause ein spezieller Geist herrscht, der nicht Zahlen an die erste Stelle rückt, sondern den Umgang miteinander." Und das beginne an der Empfangstheke, sagt der 40-Jährige, der in Velbert geboren ist und dort auch heute noch lebt.

Aber nicht mehr lange - die Suche nach einer Bleibe in Erkelenz läuft auf Hochtouren. Die derzeit zweimal täglich knapp anderthalbstündige Fahrt aus Velbert rund ums verkehrsreiche Düsseldorf belaste doch sehr, auch das Familienleben, sagt der Vater zweier kleiner Söhne im Alter von einem und vier Jahren. Niedworok hält Bodenständigkeit und "Erdung" in Familie und Freundeskreis für sehr wichtig und möchte den offen-unkomplizierten Umgangston den Kollegen und vor allem Patienten gegenüber von seinem beliebten Vorgänger weiterpflegen. "Dieser Geist soll weiter atmen", sagt Niedworok. Und zwar mit auf die Individualität eines jeden Patienten zugeschnittenen Behandlungskonzepten, die das familiäre Umfeld einbeziehen. Was bislang offensichtlich gut gelingt, wie zu hören ist.

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Erkelenz teile mit seinem Herkunftsort Velbert vieles in Struktur und der Mentalität der Menschen. Dies sagt der Arzt, der in seiner 13-jährigen Laufbahn am Uniklinikum in Essen - vom jungen Arzt im Praktischen Jahr bis hin zur Funktion als Leitender Oberarzt und stellvertretender Klinikdirektor - auch den Großstadtbetrieb kennengelernt hat. Was manche erstaunen mag: Niedworok hat in plastischer Chirurgie promoviert. Die Entscheidung für die Urologie fiel wegen des guten Arbeitsklimas in der Essener Urologie unter Leitung ihres, so Niedworok, "legendären Chefs" Prof. Herbert Rübben.

Die relativ lange Zeit in Essen ist ein Zeichen für Kontinuität, und die hat für Niedworok wie für seinen neuen Arbeitgeber, das Krankenhaus Erkelenz, einen hohen Stellenwert, bekräftigt Verwaltungsdirektor Jann Habbinga. "Uns sind Menschen wichtig, die sich der Verantwortung stellen, längerfristig eine Abteilung zu begleiten und zu entwickeln." Und das hat Niedworok nach eigenem Bekunden vor.

Die technische Ausstattung der Klinik sei auf dem neuesten Stand, um die Urologie in ihrer ganzen Breite abdecken zu können: von der Krebsbehandlung über Inkontinenz, Andrologie (Fortpflanzungsmedizin), Steinbehandlung bis hin zur Therapie gut- und bösartiger Prostatageschwülste. Dem Klischee vom "Männerarzt" tritt Niedworok mit dem Hinweis entgegen, dass 40 Prozent der Patientenschaft Frauen sind, auch Kinder behandelt die Erkelenzer Urologie - ein Bereich, den der neue Chefarzt noch weiter profilieren möchte.

Niedworok, der 2016 habilitiert hat und damit auch Studenten ausbilden kann (Privatdozent), möchte Akzente setzen in der organerhaltenden Therapie. Die Neo-Blase aus Darmteilen etwa kann heute oft schon den Harnbeutel ersetzen. Vor allem bei Nieren- und Harnblasenkarzinomen spielt die minimalinvasive Operationstechnik ("Schlüssellochmedizin") mittlerweile eine Hauptrolle. Eingriffstechniken und Geräte werden immer feiner und flexibler, erläutert Niedworok, während er den feinen "Draht" des Steinlasers in Händen hält oder die nach allen Seiten biegsame Sonde des sog. Ureterorenoskop für die Harnleiterspiegelung zeigt. Das 3D-Laparoskop macht Gewebe plastisch und in der Tiefe darstellbar. Alles Hilfen für die genaue, aber auch möglichst schonende Therapie urologischer Krankheiten.

Ein personeller Ausbau des aktuell rund zehnköpfigen Teams der Urologie sei nicht ausgeschlossen, meint Verwaltungsdirektor Habbinga zum Wunsch des neuen Chefarztes. Denn immerhin wurde die Abteilung durch den jüngsten Erweiterungsbau um fünf auf jetzt 53 Betten aufgestockt. Die Auslastung sei stabil gut. 2600 Männer und Frauen wurden im vergangenen Jahr stationär behandelt, zusätzlich rund 4000 Patienten/Patientinnen ambulant.

(RP)