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Erkelenzer Land: Von Corona-Entspannung keine Spur

Zahl im Erkelenzer Land steigt : Von Corona-Entspannung keine Spur

Die Sieben-Tage-Inzidenz im Kreis Heinsberg steigt weiter. Aktuell liegen 30 Patienten auf den Covid-Stationen. Der Krankenhausdirektor hofft, dass die Spitze der zweiten Welle erreicht ist – und stellt zunehmende Skepsis fest.

Genau zwei Wochen ist es her, dass der Kreis Heinsberg zum zweiten Mal in diesem Jahr in den Corona-Krisenmodus schaltete, an seine Bürger appellierte, alle Kontakte auf ein absolutes Minimum zu reduzieren. Einen Tag später folgte der bundesweite Beschluss für den „Lockdown light“. In zwei Wochen werde man hoffentlich langsam erkennen, ob die Maßnahmen den gewünschten Effekt haben, sagte Landrat Stephan Pusch. Stand jetzt muss man sagen: Die Zahlen im Kreis steigen weiter – zwar nicht mehr so stark und auch nicht so hoch wie in anderen Städten, aber sie steigen.

Am Donnerstag lag die Sieben-Tage-Inzidenz im Kreis bei 146,0 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und damit im Schnitt um 40 über der Zahl von Ende Oktober, als Pusch sich warnend an die Bevölkerung wendete. „Zumindest ist ein Abflachen der Kurve zu erkennen“, sagte Pusch am Dienstag in einem seiner Facebook-Videos.

 Jann Habbinga, Direktor des Erkelenzer Hermann Josef Krankenhauses.
Jann Habbinga, Direktor des Erkelenzer Hermann Josef Krankenhauses. Foto: dpa/Jonas Güttler

Das Hauptproblem der hohen Infektionsrate, das befürchten viele Nutzer im Internet, ist durch das Herunterfahren des öffentlichen Lebens aber nur schwer in den Griff zu bekommen: Ein Großteil der Erkrankten steckt sich, auch jetzt noch, bei Treffen mit Freunden und Familie an. Weniger als acht Prozent der aktuell Infizierten seien Schüler, sagt der Landrat. Und die hätten sich meistens nicht in der Schule angesteckt. Auf Anfrage teilt das Gesundheitsamt mit, dass ihm nicht eine Infektion bekannt sei, die auf die Gastronomie zurückzuführen ist.

„Bei uns ist eine ganze Welle von Covid-Patienten durch Privatveranstaltungen hinzugekommen“, sagt Jann Habbinga, Direktor des Erkelenzer Hermann-Josef Krankenhauses. Er stellt in der Bevölkerung, auch in seinem Umfeld, mittlerweile eine große Skepsis fest: „Ich merke, dass die Menschen mittlerweile extrem gesättigt sind von den Regeln und Maßnahmen. Man glaubt uns ja teilweise gar nicht, dass wir Patienten und schwere Fälle haben.“

Die gibt es aber: Am Donnerstag lagen auf den Covid-Stationen der drei Krankenhäuser des Kreises 30 Patienten. Sechs davon mussten beatmet werden. „Bei uns versterben weiterhin Menschen, das ist leider so“, sagt Habbinga. 104 an oder mit Covid-19 Verstorbene verzeichnet der Kreis seit Beginn der Pandemie – neun sind seit Anfang Oktober hinzugekommen. Dass es in diesem Zeitraum verhältnismäßig wenige sind, liegt auch daran, dass die Versorgung der Patienten deutlich besser ist. „Wir haben ganz wichtige Erfahrungen mit dem Krankheitsbild gemacht“, sagt Habbinga. Dass durch Schnelltests nun jeder Krankenhauspatient binnen 15 Minuten weiß, ob er positiv ist, sei logistisch ein großer Vorteil. In dieser Woche hat sich die Zahl der Patienten stabilisiert, sagt der Direktor: „Zum Glück ist die Zahl konstant geworden, nachdem sie sich in der vergangenen Woche vervierfacht hat.“ Er glaubt: „Wir haben die Spitze der zweiten Welle erreicht. Und ich bin davon überzeugt, dass der Lockdown dazu beigetragen hat.“

Stephan Pusch hofft, dass die strengsten Maßnahmen im Dezember enden. Einen großen Unterschied zur ersten Welle sieht er aber: Dieses Mal stehen die kalten Monate erst noch bevor, von Entspannung gibt es deshalb keine Spur. „Wir haben noch einen langen Winter vor der Brust“, sagt der Landrat.