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Erkelenzer Land: Orchester-Musiker haben Online-Weltrekord

Aus Erkelenz und Wassenberg : Musiker sind Teil des Orchester-Weltrekords

Mitglieder verschiedener Vereine aus Erkelenz, Birgelen und Orsbeck waren Teil des weltweit größten Online-Orchesters. Insgesamt 1320 Musiker aus 44 Nationen spielten gemeinsam im Internet – das größte virtuelle Orchester.

Die Orte Erkelenz, Birgelen und Orsbeck sind seit gut zwei Wochen um einige Weltrekordträger reicher. Mitglieder der dortigen Musikvereine waren Teil eines Weltrekordes, der der Corona-Krise trotzen sollte. 1320 Musiker aus 44 Nationen taten sich unter Federführung des Schleswig-Hol­steiners Jens Illemann zusammen, um online ein Stück zu spielen – sie dürfen sich jetzt offiziell „das größte virtuell spielende Musikorchester“ der Welt nennen.

„Ich finde es toll, wenn ich mir vorstelle, dass sich so viele Menschen aus so vielen Ländern zusammengetan haben. Es ist ein tolles Gefühl, dass wir den Kopf nicht in den Sand stecken, sondern etwas unternehmen“, sagt der Wassenberger Dirigent Thomas Lindt, der die Musiker in der Region auf das Projekt aufmerksam gemacht hatte.

Zu denjenigen, die mitspielten, zählt auch Friedlinde Ullmann, die als eines von vier Mitgliedern des Städtischen Musikvereins Erkelenz mit dem Saxophon dabei war. „Wenn man das Video sieht, dann ist man schon ein bisschen stolz, dass man mitgemacht hat“, sagt sie. Das Rekord-Institut für Deutschland, das allerlei Bestmarken aus jedem Bereich des Lebens zertifiziert, nahm die Aufnahme ab. Rekordrichter Olaf Kuchenbecker verkündete offiziell den neuen Rekord.

Bis dahin sei es aber ein relativ langer Weg gewesen. Sieben Wochen lang erhielten die Musiker immer wieder neue Noten für kleine Stücke, um für den „Ernstfall“ zu proben. Jeder Musiker nahm sich alleine in seinem Zimmer auf – für jemanden, der es gewohnt ist, im Orchester zu spielen, gar nicht leicht, wie Ullmann findet: „Wir haben mit Kopfhörern gespielt, damit wir das Play-along hören, haben uns selber also kaum gehört. Es ist nicht so einfach, dann an seiner Intonation zu arbeiten. Wenn ich in einem Orchester mal etwas verhaue, dann steht sonst neben mir ja jemand, der es wieder ausbügeln kann.“ Fünf, sechs Durchgänge habe sie gebraucht, „bis alles gesessen hat“. Laut Thomas Lindt hätten viele zuerst über ihren Schatten springen müssen: „Für viele war es eine Überwindung, sich beim Spielen zu filmen, die haben sich zuerst gar nicht getraut. Das war eine Erfahrung, die uns verbunden hat.“

Den schwierigsten Teil der Arbeit hatte freilich Organisator Jens Illemann, der aus den 1320 Videos und Tonspuren schließlich ein funktionierendes Stück zusammenschneiden musste. Ullmann lobt: „Das muss unglaublich schwer gewesen sein. Aber am Ende klingt es so, als hätte man zusammen gespielt.“ In dem etwas mehr als drei Minuten langen Videoclip ist jeder Musiker nur ganz kurz zu sehen. „Beim ersten Durchsehen habe ich mich gar nicht gefunden“, sagt Ullmann lachend.

Für die Musiker war es eine willkommene Abwechslung in Zeiten, in denen an das Orchester eigentlich kaum zu denken ist. „Dieses Projekt war für viele Ansporn in der probenfreien Zeit, selbstständig zu üben und sich mit neuen Stücken zu beschäftigen“, sagt Jan van Hulten, Dirigent des Birgelener Musikvereins Eintracht. Dass Proberäume immer noch gesperrt sind, ist für die Musiker eine schwierige Situation, sagt Ullmann: „Wir können seit Karneval nicht proben. Wir sind im Grunde total kaltgestellt.“

Um in der Krise nicht völlig zu versauern, hatte Thomas Lindt mit seinen Musikern in den vergangenen Wochen bereits mehrere Videoprojekte gestartet: Zu Ostern gab es ein virtuelles Turmblasen, zum Maifeiertag das virtuelle Maibaum-Aufstellen. Aktuell stellt Lindt ein Video zusammen, in dem Orchester-Mitglieder „In unserem Veedel“ von den Bläck Föös spielen. Dazu soll es auch Videos aus den verschiedenen „Veedeln“ der Stadt geben. Lindt möchte so den Helden der Corona-Krise Danke sagen.

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